Enzyklopädie der Neuzeit Online

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Subject: History

Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Abbildungsverzeichnis

(33,835 words)

Wir haben uns bemüht, für alle Abbildungen die entsprechenden Inhaber der Rechte zu ermitteln. Sollten dennoch Ansprüche offen sein, bitten wir um Benachrichtigung. Ablass:Abb. 1 On Aplas von Rom kann man wol selig werden (Titelholzschnitt einer anonymen Flugschrift, Augsburg 1520). Absolutismus:Abb. 1 Leviathan (Kupferstich; Titelblatt der Erstausgabe von Thomas Hobbes, Leviathan, London 1651). Absolutismus:Abb. 2 Hyacinthe Rigaud, Staatsporträt Ludwigs XIV. (Öl auf Leinwand, um 1700). Musée du Louvre, Paris. picture-alliance/akg-images/Erich Lessing. Aeronautik:A…

Abdecker

(10 words)

s. Scharfrichter

Abendland

(1,216 words)

Author(s): Repgen, Konrad
1. Frühe Verwendungen Das Wort A. ist seit 1529 nachweisbar. Zunächst wurde es in Anlehnung an »Morgenland« in Martin Luthers Übersetzung von Matthäus 2,1 (lat. ab oriente, »aus dem Morgenland«) verwendet. Bis zum Ende des 18. Jh.s wurde es vorwiegend im Plural benutzt; »die Abendländer« waren, von Italien und Deutschland aus gesehen, das im Westen gelegene Europa (so z. B. in J. C. Adelungs Grammatisch-kritischem Wörterbuch, 1793) [2] (Okzident). 2. Abendland in der romantischen Geschichtsphilosophie Der geographische Begriff wurde im »romantischen Konservativismus…

Abendmahl

(10 words)

s. Sakrament

Abenteuerroman

(806 words)

Author(s): Dainat, Holger
Das Wort A. wurde erst in den 1870er Jahren geprägt, etwa zeitgleich in der romanistischen Mediävistik zur Bezeichnung höfischer Romane des franz. 13.-15. Jh.s und in Literaturgeschichten als Ersatz für den älteren Terminus Abenteurerroman. Eine begriffsgeschichtliche, komparatistisch angelegte Untersuchung über Differenzen und Wandel der Bezeichnungen im Bereich der Abenteuerliteratur stellt ein Desiderat dar. Im engeren Sinne versteht man unter A. heute v. a. Romane aus dem 19. Jh., die dem Vo…

Aberglaube

(2,059 words)

Author(s): Brennecke, Hanns Christof
1. Begriff und antike-mittelalterliche Grundlegung 1.1. Die deutsche Wortbildung Der Begriff A. (spätmhd.: abergloube) ist eine gelehrte und künstliche Wortschöpfung (eine Zusammensetzung aus ›aber‹ im Sinne von ›verkehrt‹ oder ›falsch‹ und ›Glaube‹), welche seit ihrem Auftreten an der Schwelle zur Nz. inhaltlichen Veränderungen unterworfen war (der bisher früheste Beleg ist eine in das 15. Jh. zu datierende Glosse der Wiener Handschrift des sog. St. Trudpert-Kommentars zum Hohelied des Alten Testaments); di…

Abfall

(797 words)

Author(s): Reith, Reinhold
A. wird im Vorwort zur 19. Auflage des Brockhaus (1986) »als Schlüsselbegriff unserer Zeit« behandelt, und A.-Beseitigung gilt als eines der 240 Lemmata, »die unsere gegenwärtige geistige und gesellschaftliche Situation charakterisieren«. Eine stichwortgeschichtliche Erkundung der Enzyklopädien des 18. und 19. Jh.s erbringt für »A.« sehr unterschiedliche Sinnfelder [8]: J. H. Zedler summiert 1732 unter A. die Untreue gegen Gott und die Herrschaft, den Niveauunterschied bei Wasserläufen und das Nachlassen des Erzgehaltes im Bergbau [5]. Noch um die Mitte des 19. Jh.…

Abgaben

(13 words)

s. Leistungen, bäuerliche | Steuern

ABGB

(12 words)

s. Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch

Abguss

(12 words)

s. Gipsabguss | Naturabguss

Abitur

(10 words)

s. Gymnasium

Abkürzungsverzeichnis

(1,063 words)

1. Allgemeine Abkürzungen ABGB Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch afrikan. afrikanisch ägypt. ägyptisch ahdt. althochdeutsch ALR Allgemeines Landrecht für die preußischen Staaten amerikan. amerikanisch angelsächs. angelsächsisch arab. arabisch armen. armenisch asiat. asiatisch AT, at. Altes Testament, alttestamentarisch austral. australisch bayer. bayerisch belg. belgisch bes. besonders BGB Bürgerliches Gesetzbuch Bl. Blatt böhm. böhmisch brasil. brasilianisch brit. britisch bulg. bulgarisch byz. byzantinisch bzw. beziehungsweise ca. circa chines. chinesis…

Ablass

(2,018 words)

Author(s): Winterhager, Wilhelm Ernst
Im modernen histor. Bewusstsein ist der Begriff »A.« (lat. indulgentia), vom engeren kath. Umfeld abgesehen, fast ausschließlich negativ konnotiert. In ihrer nachhaltigen Wirkung hat die fundamentale A.-Kritik der Reformation seit 1517 dazu geführt, dass der A. exemplarisch als Beleg für das noch immer vorherrschende Bild eines tiefen moralischen Verfalls des spätma. Kirchenwesens figuriert, während Luthers Überwindung des A. in positiver Wertung als Durchbruch zu nzl.-kritischem Denken erscheint – oft v…

Abolition

(3,217 words)

Author(s): Füllberg-Stolberg, Katja
1. Begriff und Anfänge der Bewegung Unter A. (von lat. abolitio, »Abschaffung«, »Aufhebung«) versteht man den Prozess der Beendigung der modernen Sklaverei sowie die dazu führenden Initiativen und Bewegungen. Der Begriff wurde in diesem spezifischen Sinn um die Mitte des 18. Jh.s zuerst in Großbritannien und in Nordamerika verwendet und bezog sich anfangs primär auf die Abschaffung des Sklavenhandels. Richtungsweisend für die A. war generell Großbritannien, das über Jahrhunderte den transatlantischen Skla…

Abolition, Abolitionismus

(17 words)

s. Antisklavereiverein | Emanzipation | Sklaverei

Abonnement

(769 words)

Author(s): Frimmel, Johannes
Der ursprünglich aus dem Italienischen stammende Begriff wurde im 18. Jh. in seiner franz. Form in der Bedeutung einer »Vergütung« in die dt. Sprache übernommen. Allgemein lässt sich das A. als ein Vertrag bezeichnen, bei dem eine Reihe von Leistungen durch einen niedrigeren, pauschalen, zumeist im Voraus zu zahlenden Preis vergütet wird. Die nüchterne juristische Definition lässt allerdings kaum den fundamentalen Wandel der kulturellen Praxis erahnen, der mit der Etablierung des A. als Vertrieb…

Aborigines [Hinzugefügt 2017]

(2,100 words)

Author(s): Eva Bischoff | Herausgeber: Stefan Rinke
1. Begriff und Bedeutungswandel Der Begriff A., gebildet aus dem Lateinischen ab origine (»vom Ursprung an«), wurde im Englischen ab dem 16. Jh. zur Bezeichnung indigener Bevölkerungen kolonialisierter Gebiete verwendet. Dies galt bes. für die brit. Siedlungskolonien Nordamerikas, Ozeaniens und Afrikas (Atlantische Welt 7.), deren autochthone Bevölkerungen bis weit in das 19. Jh. hinein auf diese Weise unterschiedslos als A. bezeichnet wurden [2]. Dt.sprachige Texte, z.B. das Brockhaus'sche Conversations-Lexicon von 1875, verwendeten den Begriff A. oder »Aborigi…
Date: 2016-11-01

Abort

(1,349 words)

Author(s): Reith, Reinhold
1. Begriffe und theoretische Konzepte Trotz der Omnipräsenz des A. und der Alltäglichkeit der menschlichen »Notdurft« ist diese Thematik für MA und Nz. meist nur in populärwiss. Darstellungen behandelt worden, die sich auf einzelne spektakuläre Belege stützen und meist davon ausgehen, dass z. B. die Bewohner ma. Städte Kot und Urin über die Straße entsorgt oder das Nachtgeschirr aus dem Fenster entleert hätten [11. 19 f., 29–42] und dass erst die Aufklärung oder auch moderne technische Lösungen der Körperhygiene zum Durchbruch verholfen hätten. Während die Nahrungsaufnahme u…

Abschied

(12 words)

s. Grüßen | Ritual

Abschreckung

(10 words)

s. Strafzweck

Absetzung

(10 words)

s. Fürstenabsetzung

Absolute Musik

(831 words)

Author(s): Gerhard, Anselm
Der wohl erstmals 1846 verwendete Ausdruck A. M. ist so erfolgreich wie unscharf: Die Formel wirkt prägnant, weil in der Regel nicht präzise bezeichnet wird, wovon die Tonkunst eigentlich »losgelöst« (absolut) sein soll. Gewiss geht es primär darum, der Musik eine Unabhängigkeit von allem zuzuweisen, was jenseits der Töne liegt, etwa von funktionalen Zusammenhängen in Liturgie, höfischer Repräsentation und Tanz (Tanzkunst) von der Abbildung bestimmter Affekte (Gefühl), Gegenstände und Programme …

Absolutismus

(3,800 words)

Author(s): Wrede, Martin
1. Begriff Der Begriff A. steht zum einen für die Regierungsart des zunehmend zentralisierten frühnzl. Fürstenstaates, zum anderen für die von diesem Fürstenstaat geprägte Epoche zwischen frühem 17. und spätem 18. Jh. (Zeitalter des A.); sie war konstitutive Grundlage des nzl. Europa. Ähnlich dem Ancien Régime entstammt der Terminus den publizistischen Diskussionen der Französischen Revolution und bezeichnet, wie jenes mit abgrenzend-abwertender Tendenz, die überwundene, als Willkürherrschaft interpretierte »unumschr…

Abstammung

(16 words)

s. Ahnenprobe | Evolution | Genealogie | Verwandtschaft

Abstieg, sozialer

(14 words)

s. Soziale Mobilität

Abtreibung

(10 words)

s. Schwangerschaftsabbruch

Abwasser

(10 words)

s. Assanierung

Abzug, freier

(13 words)

s. Auswanderungsfreiheit

Acht

(10 words)

s. Reichsacht

Ackerbürgerstadt

(688 words)

Author(s): Keller, Katrin
Bei der A. handelt es sich um einen Stadttyp, der aufgrund von wirtschaftlichen und sozialen Merkmalen definiert und bereits im MA erkennbar wird. A. waren im rechtlich-histor. Sinne Städte (Stadt), also mit städtischen Rechten ausgestattete Siedlungen, deren Bewohner aber neben Handwerk oder Dienstleistungsberufen in erheblichem Maße Landwirtschaft betrieben. Das Ausmaß dieses landwirtschaftlichen Engagements ist entscheidend für die Zuordnung zu diesem Stadttyp: Während in fast allen spätma. u…

Acta eruditorum

(783 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
Unter dem Titel A. E. gab der Leipziger Philosophieprofessor Otto Mencke 1682 die erste dt. Gelehrtenzeitschrift heraus (Zeitschrift). Sie enthielt lat. Anzeigen, Zusammenfassungen und Rezensionen zu Neuerscheinungen aus allen Bereichen der Wissenschaft. Die A. E. erschienen monatlich, wurden aber am Ende des Jahres mit einem Index auctorum ac rerum für den jeweiligen Jahrgang versehen und daher auch in Jahrgängen gebunden. Seit 1689 erschienen Supplementbände zur Ausweitung der Berichterstattung [8]. Nach dem Tod Otto Menckes wurden die A. E. zunächst von des…

Adel

(5,914 words)

Author(s): Gersmann, Gudrun
1. Begriff Der aus dem Althochdt. stammende Begriff A. beschreibt eine »durch Vorrang der Rechte und Pflichten vor dem Volk, zunächst der Bauern, vom HochMA an auch der Stadtbürger (Stadtbürgertum) [6. 1], hervorgehobene Herrenschicht«. Als »Ehrenstand, welcher um vorhergehender Tugenden und Verdienste willen von der höchsten Obrigkeit verliehen wird, und auf die Nachkommen erbet«, figuriert der A. im Zedlerschen Lexikon, dem wichtigsten dt.sprachigen Nachschlagewerk des 18. Jh.s. [2. 467]. In seiner Ulmer Stadtgeschichte hatte Felix Fabri schon 1488 zwölf Merk…

Adelsbewusstsein

(10 words)

s. Standesdenken

Adelsehre

(715 words)

Author(s): Graf, Klaus
Ohne Zweifel war die Ehre, das »Gesetz des Adels« (so A. von Kotzebue, 1792), ein zentraler aristokratischer Grundwert, der seine Geltung von der hochma. Standesideologie des Rittertums bis zur Gegenwart bewahren konnte (Adel; Ritter; Standesdenken). Die neuere Forschung zur Sozial- und Kulturgeschichte der Vormoderne (Frühe Neuzeit) hat zwar die Kategorie Ehre zur absoluten Herrscherin über die sozialen Beziehungen erklärt, auf dem Feld der Adelsforschung vermisst man dagegen umfangreichere Stu…

Adelshochzeit

(805 words)

Author(s): Gersmann, Gudrun
Bis heute stellen A. ebenso glanzvolle wie vielbeachtete Höhepunkte adeligen Lebens dar. Im Unterschied zur Gegenwart spielte der moderne Begriff der Liebe bei den frühnzl. Hochzeiten allerdings keine Rolle. Als Mittel einer »zielgerichteten Familienpolitik« stand bei der Eheschließung vielmehr der Wunsch einer dynastischen Absicherung im Vordergrund (Dynastie). Im Europa des 16.-18. Jh.s bedeutete der Akt der Eheschließung für das adelige Brautpaar in mehrfacher Hinsicht einen Initiationsritus: War mit der Heirat einerseits die Gründung ein…

Adelskirche

(1,679 words)

Author(s): Wieland, Christian
1. Adelige Exklusivität und kirchliche Hierarchie Als A. werden diejenigen Teile der (kath.) Kirche bezeichnet, die vom Adel dominiert wurden und deren Pfründen sich in adeligem Besitz befanden. Bereits seit dem frühen MA wurden hohe kirchliche Ränge mehrheitlich mit Adligen besetzt; zugleich verliehen Kardinals-, Bischofs- oder Abtsrang und andere kirchliche Dignitäten ihren Trägern bzw. deren Familien und allgemeiner der Oberschicht der Städte, in denen Kathedralen und Stifte angesiedelt waren, adel…

Adelskrise

(785 words)

Author(s): Graf, Klaus
Der Begriff der A. steht für ein geschichtswiss. Deutungsmodell, das den Versuch unternimmt, krisenhafte Phänomene der Adelsgesellschaft auf politischen, sozio-ökonomischen und ideologischen Feldern zu beschreiben und zu erklären. 1965 führte der engl. Sozialhistoriker Lawrence Stone in The Crisis of the Aristocracy, 1558–1641dieses am Beispiel des engl. Hochadels entwickelte Konzept in die histor. Forschung ein. Inzwischen herrscht unter Historikern allerdings weitgehende Einigkeit darüber, dass die Annahme einer generellen A. höchst …

Adelsleben

(2,158 words)

Author(s): Gersmann, Gudrun
1. Begriff Die Heterogenität des europ. Adels schlug sich zwischen dem 15. und 19. Jh. auch in der adeligen Alltags- und Erfahrungswelt nieder. Zwischen dem Dasein des eng in das herrscherliche Zeremoniell eingebundenen Vertreters des alten franz. Adels, des portug. fidalgo und des verarmten Landadeligen an der Peripherie des Alten Reiches existierten nicht einmal dem eigenen Selbstverständnis nach biographische Berührungspunkte. Während das höfische »Theater« (Norbert Elias) in Versailles für die luxusliebende noblesse d'épée (Geburtsadel) Erfahrungsraum wie Aktio…

Adelsnation

(840 words)

Author(s): Bahlcke, Joachim
1. Begriff Der Begriff A., der uns in poln. Quellen etwa seit Mitte des 16. Jh.s begegnet ( naród szlachecki), deutet auf ein in SpätMA und Früher Nz. für ganz Ostmitteleuropa markantes Strukturmerkmal hin: den ungewöhnlich hohen Grad adelsständischer Durchformung des Staates. Zwischen 1300 und 1500, während der Formierung der Ständeverfassungen in Polen, Böhmen und Ungarn, war es dem Adel gelungen, seine Macht v. a. regional fest und dauerhaft zu verankern. Auch in späteren Jahrhunderten waren damit jeder monarc…

Adelsprivilegien

(10 words)

s. Privileg

Adelsreisen

(10 words)

s. Kavalierstour

Adelsstudium

(1,390 words)

Author(s): Giese, Simone
1. Begriff In den Hochschulmatrikeln der frühnzl. Universitäten immatrikulierten sich in wachsender Anzahl adlige Studenten. Gelehrte Studien wurden neben den höfisch-ritterlichen Exerzitien und der moralisch-sittlichen Erziehung wichtiger Bestandteil der adligen Ausbildung. Basierend auf der unterschiedlichen Rezeption und der Transformation sich wandelnder Bildungs- und Erziehungsideale des Adels (Standesbildung), die wiederum abhängig von der politischen Situation (Adelskrise) und Funktion der …

Adelstypen

(18 words)

s. Amtsadel | Hofadel | Landadel | Stadtadel | Tugendadel

Adiaphora

(1,018 words)

Author(s): Sdzuj, Reimund B.
Die vorwiegend im Protestantismus der Frühen Nz. ausgebildete Lehre von den A. befasste sich mit dem menschlichen Handeln im Bereich des Erlaubten, d. h. dessen, was vom (göttlichen) Gesetz weder geboten noch verbotenen ist; daher griech. adiáphora, lat. res indifferentes, engl. things indifferent, dt. »Mitteldinge«. Die Vorstellung von A. hat eine Vorgeschichte in der stoischen Ethik, wo für das zu erstrebende Lebensglück (Eudaimonie) etwa Reichtum bzw. Armut oder Gesundheit bzw. Krankheit als gleichgültig angesehen wurden. Die Moralp…

Administration

(12 words)

s. Behörde | Verwaltung

Administrativjustiz

(659 words)

Author(s): Pahlow, Louis
Unter A. versteht man die im 19. Jh. außerhalb der ordentlichen Justiz stattfindende abschließende gerichtsähnliche Kontrolle von Maßnahmen der Polizei bzw. der Verwaltung. Ihre Wurzeln liegen in der »guten Policey« des 18. Jh.s, bei der Policey-Sachen von gerichtsähnlichen »Policey-Collegien«, der sog. Kammerjustiz (Kameraljurisprudenz), entschieden wurden. Mit den Verwaltungsreformen zu Beginn des 19. Jh.s wurden die Aufgaben der »guten Policey« von der Verwaltung übernommen. Mit A. bezeichnet…

Adoption

(760 words)

Author(s): Koch, Elisabeth
1. Herkunft und Entwicklung Der Begriff A. leitet sich aus lat. adoptio her und kennzeichnet die Herstellung eines Kindschaftsverhältnisses qua juristischer Fiktion: Nicht die biologische Abstammung, sondern ein formaler Rechtsakt begründet die Verwandtschaftsbeziehung (Familie; Verwandtschaft) zwischen dem Adoptierenden und dem Adoptierten. Aufgegriffen und wiss. reflektiert wurde die A. im römisch-rechtlichen Sinne in den europ. Ländern nördlich der Alpen in der Zeit der Rezeption des Römischen Rechts. A…

Adoption (Sozialgeschichte)

(1,411 words)

Author(s): Stuchtey, Benedikt
1. Grundlagen Die A. gehört zu den ältesten Rechtsinstituten und kennzeichnet die künstliche Schaffung eines Eltern-Kind-Verhältnisses, das im ALR »Annahme an Kindesstatt« hieß (vgl. Adoption, Bd. 1). Dank der Quellenlage ist sie rechtsgeschichtlich vergleichsweise gut erfasst, doch fehlt eine Sozial- und Kulturgeschichte noch fast ganz, obwohl die A. seit der Antike im gesellschaftlichen Leben tief verankert ist und zur sozialen, kulturellen, relig. und rechtlichen Entwicklung der Familie maßgeblich beigetragen hat. Die These, es habe eine förmliche A. in weiten…

Advokat

(10 words)

s. Anwalt

Aemulatio

(10 words)

s. Mimesis

Aeronautik

(1,296 words)

Author(s): Behringer, Wolfgang
1. Begriff Der Begriff bedeutet wörtlich »Fahren mit dem Schiff (lat. nautare) durch die Luft« (lat. aer). Bereits Vertreter der aristotelischen Physik des 14. Jh.s (Albert von Sachsen und Nicole d’ Oresme) hatten, möglicherweise angeregt von mythischen Berichten, auf die Möglichkeit hingewiesen, dass nach der geltenden Elementelehre ein mit Feuermaterie gefülltes Schiff auf dem Meer der Luft fahren könne. Die Flugdiskussionen des 15. und 16. Jh.s orientierten sich dann aber ganz am Prinzip der Aviatik. Erst im…

Affekte

(10 words)

s. Gefühl

Affektenlehre

(2,408 words)

Author(s): Rehm, Ulrich | Stollberg, Arne
1. Begriff Die A. behandelt die Affekte genannten Einwirkungen äußerer Gegebenheiten auf die menschliche Psyche sowie deren Auswirkungen auf den menschlichen Körper. Von der griech. Antike bis in das späte 18. Jh. gehört sie zu den wirkungsästhetischen Schlüsseltheorien der Künste, v. a. der Rhetorik, der Dramatik und Poetik, der Musik und der bildenden Kunst. Die Künste werden dabei z. T. ethischen und gesellschaftspolitischen Ansprüchen unterworfen, insbes. jenem der Affektregulierung, der sich auf den aristotelischen Katharsis-Gedanken stützt. 2. Kunst Die A. gehört…

Affinität, chemische

(776 words)

Author(s): Meinel, Christoph
Als frühes Konzept zur Erklärung der chemischen Bindung bezeichnete A. das Bestreben von Stoffen, sich miteinander zu verbinden. Erfahrungen aus der gewerblich-chemischen Praxis wurden im 17. Jh. damit unter einen theoretischen Begriff gefasst [5], der zunächst animistisch oder mechanistisch, seit Isaac Newton aber mit der Vorstellung einer substanzspezifischen Bindungs-»Kraft« erklärt wurde. Von der gesetzmäßigen Einheit der Natur überzeugt, hatte Newton in den Principia mathematica scientiae naturalis von 1687 vermutet, sämtliche Erscheinungen der Natur so…

Afrika

(20 words)

s. Atlantische Welt | Expansion, europäische | Kolonialisumus | Kontinent | Weltgeschichte

Afrikanische Religion

(3,958 words)

Author(s): Rüther, Kirsten
1. Begriff, Bedeutung, Recherchierbarkeit A. R. ist ein in der neueren Forschungsliteratur verwendeter Begriff, der die Gemeinsamkeiten einer Vielzahl religiöser Praktiken in afrikan. Gesellschaften beschreibt, manifest in Schreinen und Heilungsbewegungen, in Divinationspraktiken, Ahnen- und Kultfiguren. In ihren Elementen gilt A. R. als von den Weltreligionenweitgehend unbeeinflusst, obwohl ihre Beschreibung und Analyse stark an deren Narrative gekoppelt sind, und die eine erdrückende Vergleichskat…

Aggression

(10 words)

s. Gewalt

Agrargesellschaft

(12 words)

s. Agrarverfassung | Landwirtschaft

Agrarindividualismus

(701 words)

Author(s): Kopsidis, Michael
Der Begriff A., geprägt von Marc Bloch, dem führenden franz. Agrarhistoriker der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg [2], bezeichnet den Endpunkt landwirtschaftlicher Entwicklung im Zuge der nzl. Agrarrevolution. A. beinhaltet die Ablösung aller gemeinschaftlichen Formen der Bodenbewirtschaftung durch die uneingeschränkte individuelle Nutzung bei vollem Privateigentum (Eigentum). Die Voraussetzungen für den A. waren die Allmendeteilung sowie die Beseitigung aller Servituten und sämtlicher kollektiver A…

Agrarkapitalismus

(780 words)

Author(s): Konersmann, Frank
Wie Agrarrevolution lässt sich auch der Begriff A. auf Karl Marx zurückführen. Im Kapital kennzeichnete er zum einen die sich im 15. und 16. Jh. in England bildende Gruppe der Pächter (Pacht) als »Agrarkapitalisten«, zum anderen die landwirtschaftliche Buchführung als Merkmal der »kapitalistischen Agrikultur« [1. 135 ff.], und zum dritten widmete er sich in diesem Kontext der »Genesis der kapitalistischen Grundrente«. Marx bezog den Begriff A. sowohl auf eine gewinnorientierte landwirtschaftl. Betriebsführung als auch auf eine auf Ertrags…

Agrarkonjunktur

(1,259 words)

Author(s): Lorenzen-Schmidt, Klaus-Joachim
1. Allgemeines 1.1. Begriff Unter A. versteht man die zyklische Bewegung der Preise auf Märkten für landwirtschaftliche Erzeugnisse (Agrarpreise). Sie sind Ausdruck wechselnder Verhältnisse zwischen Angebot und Nachfrage. Diese können von unterschiedlicher Dauer sein: In der Regel gibt es (1) saisonale Schwankungen, die durch den Erntezyklus bestimmt werden, (2) Jahresschwankungen, die aus dem Ernteausfall resultieren, (3) mittelfristige Schwankungen, die man auch als A. im engeren Sinne bezeichnen …

Agrarkredit

(898 words)

Author(s): Troßbach, Werner
Der A. war in den ländlichen Gesellschaften der Nz. weit verbreitet [3. 339, 343]; [6. 1340]. Kurzfristige Zahlungsaufschübe trugen dem Umstand Rechnung, dass die Bargeldausstattung von Bauern jahreszeitlichen Schwankungen unterlag [4. 285]. In den Quellen ist v. a. langfristig gewährter A. fassbar. Staatliche bzw. territoriale Verordnungen regelten die Rahmenbedingungen. Im Alten Reich beliefen sich die Zinsen bereits im 15. Jh. auf etwa 5 %, bevor dieser Prozentsatz im 16. Jh. [1. 6]; [3. 331] und in Frankreich im 17. Jh. [7. 91–95] für verbindlich erklärt wurde; Auss…

Agrarkrise, spätmittelalterliche

(787 words)

Author(s): Rösener, Werner
1. Begriff und Forschungsentwicklung Die A.-Theorie ist ein weit verbreitetes Konzept zur wirtschaftlichen Bewertung und zur Periodisierung des SpätMA (1350–1450). Sie beruht ursprünglich auf den Theorien von Thomas Malthus und David Ricardo, den Vertretern der klassischen Schule der Nationalökonomie. Beeinflusst davon sind auch M. Postans wirtschaftshistor. Untersuchungen [10] und E. Le Roy Laduries Interpretation der gesamten europ. Geschichte anhand des Ablaufs von Agrarkonjunkturen [8]. Die Theorie W. Abels, die prägend für die A.-Diskussion im dt. und …

Agrarpionier/in

(919 words)

Author(s): Kaak, Heinrich
Die Agrarproduktion Mitteleuropas war, anders als in England und den Niederlanden, bis weit in das 18. Jh. von Dreifelderwirtschaft mit umfangreicher Brache geprägt und erzielte nur niedrige Ernteerträge. Ausgedehnte Allmenden verhinderten eine intensive Bodennutzung. Feudale Verhältnisse, Natur und Technik setzten der Agrarentwicklung weitere Grenzen. Stärker als in England, wo sich die Modernisierung der Landwirtschaft bereits im 18. Jh. auf breiter Front vollzog (Agrarrevolution), kam in Deut…

Agrarpreise

(1,228 words)

Author(s): Lorenzen-Schmidt, Klaus-Joachim
1. Allgemeines 1.1. Begriff A. nennt man die Erlöse aus der Vermarktung von Agrarprodukten. Der Begriff ist eine Sammelbezeichnung für die Preise der verschiedenen agrarisch erwirtschafteten Produkte, z. B. für Roggen, Butter, Käse, Getreide, Ochsen etc. Die Existenz von A. setzt also einen Markt für Agrarprodukte voraus (Marktprodukte, landwirtschaftliche); vor der Entstehung solcher Märkte gab es nur den Austausch von Agrarprodukten ohne Einschaltung von Geld. A. unterliegen Schwankungen, die sich nach Angebot und Nachfrage richten (Agrarkonjunktur). Man u…

Agrarreformen

(3,169 words)

Author(s): Brakensiek, Stefan | Mahlerwein, Gunter
1. Begriff Der Begriff A. umfasst das Bündel staatlicher Regelungen, durch die jene seit dem HochMA bestehende komplexe Wirtschaftsweise aufgehoben wurde, die feudale Abschöpfung der durch Bauern geschaffenen Überschüsse mit gemeindlicher Organisation der Landwirtschaft und des dörflichen Zusammenlebens (Dorf) verbunden hatte. Zu den A. gehört an erster Stelle die sog. Bauernbefreiung, die auf die Schaffung einer Gesellschaft freier Eigentümer auf dem Lande abzielte. Vervollständigt wurde sie durc…

Agrarrevolution

(1,939 words)

Author(s): Konersmann, Frank
1. Begriffsproblematik A. ist ein Forschungsbegriff; der Teil »Revolution« verleiht ihm die Bedeutung eines zielgerichteten geschichtsphilosophischen Bewegungsbegriffs. Die in den letzten Jahren stärker einsetzende Problematisierung der Bedeutungsvalenz zwingt die Forschung zum einen, die Zielrichtung genauer zu benennen, zum anderen, eine Periodisierung der umschriebenen Vorgänge vorzunehmen. Die Antworten fallen unterschiedlich aus; sie geben länderspezifische Traditionen der Agrargeschichte und…

Agrarverfassung

(1,355 words)

Author(s): Pfister, Ulrich
1. Definition Im Unterschied zum Begriff des Nutzungssystems, das sich auf die technischen und betrieblichen Belange der Landwirtschaftbezieht, verweist der Begriff der A. auf die institutionellen Gegebenheiten, welche die Grundlage wirtschaftlichen Handelns im ländlichen Raum darstellen. Als Institutionen im ökonomischen Sinn gelten dabei sowohl formale Normen wie Recht, Verträge, Gesetze etc. als auch informelle, kulturell verankerte Verhaltensgrundsätze, die sich auf die Verfügung über Güter sowie ihre Transaktion beziehen (Eigentum). Die ältere dt. Forschung …

Agrarwissenschaften

(10 words)

s. Landwirtschaftskunde

Agrikulturchemie

(728 words)

Author(s): Meinel, Christoph
Seit der Antike hat man organische und mineralische Düngung eingesetzt, um den Bodenertrag zu verbessern. Im 17. Jh. gab der Paracelsismus erste Impulse für eine chemische Untersuchung von Ackerkrume und Pflanzeninhaltsstoffen. Doch die chemische Düngung, wie sie im Zuge der Englischen Revolution im Kreis der Reformer um Samuel Hartlib [6. 384–402] oder in Deutschland von dem praktischen Chemiker Johann Rudolf Glauber vorgeschlagen wurde, blieb wirkungslos, da zentrale Fragen der Pflanzenernährung noch ungeklärt waren. Während manche, Johann B…

Ägyptologie

(1,410 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Theologie und Sprache Als Geburtsstunde der modernen Ä. gilt der 27. September 1822, an dem Jean François Champollion (1790–1832) vor der Pariser Académie des inscriptions et belles-lettres seinen Lettre à M. Dacier vortrug, den Schlüssel zur Entzifferung der Hieroglyphen [8]; [9]. Doch schon im 15. Jh. hatten europ. Gelehrte begonnen, über Schrift, Sprache und Kultur des alten Ägypten (=Äg.) zu forschen – allerdings meist unter der theologischen Frage nach dem Verhältnis der ägyptischen (=äg.) zur biblischen Religion. Sie knüpften…
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