Enzyklopädie der Neuzeit Online

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Subject: History

Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Agrarindividualismus

(697 words)

Author(s): Kopsidis, Michael
Der Begriff A., geprägt von Marc Bloch, dem führenden franz. Agrarhistoriker der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg [2], bezeichnet den Endpunkt landwirtschaftlicher Entwicklung im Zuge der nzl. Agrarrevolution. A. beinhaltet die Ablösung aller gemeinschaftlichen Formen der Bodenbewirtschaftung durch die uneingeschränkte individuelle Nutzung bei vollem Privateigentum (Eigentum). Die Voraussetzungen für den A. waren die Allmendeteilung sowie die Beseitigung aller Servituten und sämtlicher kollektiver Anbauregelungen (Agrarverf…

Agrarkapitalismus

(772 words)

Author(s): Konersmann, Frank
Wie Agrarrevolution lässt sich auch der Begriff A. auf Karl Marx zurückführen. Im Kapital kennzeichnete er zum einen die sich im 15. und 16. Jh. in England bildende Gruppe der Pächter (Pacht) als »Agrarkapitalisten«, zum anderen die landwirtschaftliche Buchführung als Merkmal der »kapitalistischen Agrikultur« [1. 135 ff.], und zum dritten widmete er sich in diesem Kontext der »Genesis der kapitalistischen Grundrente«. Marx bezog den Begriff A. sowohl auf eine gewinnorientierte landwirtschaftl. Betriebsführung als auch auf eine auf Ertragssteigerung ausgerichtete Agrarw…

Agrarkonjunktur

(1,251 words)

Author(s): Lorenzen-Schmidt, Klaus-Joachim
1. Allgemeines 1.1. Begriff Unter A. versteht man die zyklische Bewegung der Preise auf Märkten für landwirtschaftliche Erzeugnisse (Agrarpreise). Sie sind Ausdruck wechselnder Verhältnisse zwischen Angebot und Nachfrage. Diese können von unterschiedlicher Dauer sein: In der Regel gibt es (1) saisonale Schwankungen, die durch den Erntezyklus bestimmt werden, (2) Jahresschwankungen, die aus dem Ernteausfall resultieren, (3) mittelfristige Schwankungen, die man auch als A. im engeren Sinne bezeichnen kann und (4) langfristige oder säkulare…

Agrarkredit

(892 words)

Author(s): Troßbach, Werner
Der A. war in den ländlichen Gesellschaften der Nz. weit verbreitet [3. 339, 343]; [6. 1340]. Kurzfristige Zahlungsaufschübe trugen dem Umstand Rechnung, dass die Bargeldausstattung von Bauern jahreszeitlichen Schwankungen unterlag [4. 285]. In den Quellen ist v. a. langfristig gewährter A. fassbar. Staatliche bzw. territoriale Verordnungen regelten die Rahmenbedingungen. Im Alten Reich beliefen sich die Zinsen bereits im 15. Jh. auf etwa 5 %, bevor dieser Prozentsatz im 16. Jh. [1. 6]; [3. 331] und in Frankreich im 17. Jh. [7. 91–95] für verbindlich erklärt wurde; Auss…

Agrarkrise, spätmittelalterliche

(780 words)

Author(s): Rösener, Werner
1. Begriff und Forschungsentwicklung Die A.-Theorie ist ein weit verbreitetes Konzept zur wirtschaftlichen Bewertung und zur Periodisierung des SpätMA (1350–1450). Sie beruht ursprünglich auf den Theorien von Thomas Malthus und David Ricardo, den Vertretern der klassischen Schule der Nationalökonomie. Beeinflusst davon sind auch M. Postans wirtschaftshistor. Untersuchungen [10] und E. Le Roy Laduries Interpretation der gesamten europ. Geschichte anhand des Ablaufs von Agrarkonjunkturen [8]. Die Theorie W. Abels, die prägend für die A.-Diskussion im dt. und a…

Agrarpionier/in

(797 words)

Author(s): Kaak, Heinrich
Die Agrarproduktion Mitteleuropas war, anders als in England und den Niederlanden, bis weit in das 18. Jh. von Dreifelderwirtschaft mit umfangreicher Brache geprägt und erzielte nur niedrige Ernteerträge. Ausgedehnte Allmenden verhinderten eine intensive Bodennutzung. Feudale Verhältnisse, Natur und Technik setzten der Agrarentwicklung weitere Grenzen. Stärker als in England, wo sich die Modernisierung der Landwirtschaft bereits im 18. Jh. auf breiter Front vollzog (Agrarrevolution), kam in Deutschland bei der Durchsetzung landwirts…

Agrarpreise

(1,222 words)

Author(s): Lorenzen-Schmidt, Klaus-Joachim
1. Allgemeines 1.1. Begriff A. nennt man die Erlöse aus der Vermarktung von Agrarprodukten. Der Begriff ist eine Sammelbezeichnung für die Preise der verschiedenen agrarisch erwirtschafteten Produkte, z. B. für Roggen, Butter, Käse, Getreide, Ochsen etc. Die Existenz von A. setzt also einen Markt für Agrarprodukte voraus (Marktprodukte, landwirtschaftliche); vor der Entstehung solcher Märkte gab es nur den Austausch von Agrarprodukten ohne Einschaltung von Geld. A. unterliegen Schwankungen, die sich nach Angebot und Nachfrage richten (Agrarkonjunktur). Man unter…

Agrarreformen

(3,093 words)

Author(s): Brakensiek, Stefan | Mahlerwein, Gunter
1. Begriff Der Begriff A. umfasst das Bündel staatlicher Regelungen, durch die jene seit dem HochMA bestehende komplexe Wirtschaftsweise aufgehoben wurde, die feudale Abschöpfung der durch Bauern geschaffenen Überschüsse mit gemeindlicher Organisation der Landwirtschaft und des dörflichen Zusammenlebens (Dorf) verbunden hatte. Zu den A. gehört an erster Stelle die sog. Bauernbefreiung, die auf die Schaffung einer Gesellschaft freier Eigentümer auf dem Lande abzielte. Vervollständigt wurde sie durch die Privatisierung der Allmenden und Marken (Allmendeteilung), die Ab…

Agrarrevolution

(1,923 words)

Author(s): Konersmann, Frank
1. Begriffsproblematik A. ist ein Forschungsbegriff; der Teil »Revolution« verleiht ihm die Bedeutung eines zielgerichteten geschichtsphilosophischen Bewegungsbegriffs. Die in den letzten Jahren stärker einsetzende Problematisierung der Bedeutungsvalenz zwingt die Forschung zum einen, die Zielrichtung genauer zu benennen, zum anderen, eine Periodisierung der umschriebenen Vorgänge vorzunehmen. Die Antworten fallen unterschiedlich aus; sie geben länderspezifische Traditionen der Agrargeschichte und verschieden gelagerte Forschungsinteressen zu erke…

Agrarverfassung

(1,351 words)

Author(s): Pfister, Ulrich
1. Definition Im Unterschied zum Begriff des Nutzungssystems, das sich auf die technischen und betrieblichen Belange der Landwirtschaftbezieht, verweist der Begriff der A. auf die institutionellen Gegebenheiten, welche die Grundlage wirtschaftlichen Handelns im ländlichen Raum darstellen. Als Institutionen im ökonomischen Sinn gelten dabei sowohl formale Normen wie Recht, Verträge, Gesetze etc. als auch informelle, kulturell verankerte Verhaltensgrundsätze, die sich auf die Verfügung über Güter sowie ihre Transaktion beziehen (Eigentum). Die ältere dt. Forschung …

Agrarwissenschaften

(10 words)

s. Landwirtschaftskunde

Agrikulturchemie

(709 words)

Author(s): Meinel, Christoph
Seit der Antike hat man organische und mineralische Düngung eingesetzt, um den Bodenertrag zu verbessern. Im 17. Jh. gab der Paracelsismus erste Impulse für eine chemische Untersuchung von Ackerkrume und Pflanzeninhaltsstoffen. Doch die chemische Düngung, wie sie im Zuge der Englischen Revolution im Kreis der Reformer um Samuel Hartlib [6. 384–402] oder in Deutschland von dem praktischen Chemiker Johann Rudolf Glauber vorgeschlagen wurde, blieb wirkungslos, da zentrale Fragen der Pflanzenernährung noch ungeklärt waren. Während manche, Johann Baptist van Helmont (157…

Ägyptologie

(1,398 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Theologie und Sprache Als Geburtsstunde der modernen Ä. gilt der 27. September 1822, an dem Jean François Champollion (1790–1832) vor der Pariser Académie des inscriptions et belles-lettres seinen Lettre à M. Dacier vortrug, den Schlüssel zur Entzifferung der Hieroglyphen [8]; [9]. Doch schon im 15. Jh. hatten europ. Gelehrte begonnen, über Schrift, Sprache und Kultur des alten Ägypten (=Äg.) zu forschen – allerdings meist unter der theologischen Frage nach dem Verhältnis der ägyptischen (=äg.) zur biblischen Religion. Sie knüpften an neuplatoni…
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