Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur

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Subject: Jewish Studies

Edited by: Dan Diner

Von Europa über Amerika bis zum Vorderen Orient, Nordafrika und anderen außereuropäischen jüdischen Siedlungsräumen erschließt die Enzyklopädie die neuere Geschichte der Juden von 1750 bis 1950.

Rund 800 Stichwörter präsentieren den Stand der internationalen Forschung und entwerfen ein vielschichtiges Porträt jüdischer Lebenswelten - illustriert durch viele Karten und Abbildungen. Übergreifende Informationen zu zentralen Themen vermitteln ca. 40 Schlüsselartikel zu Begriffen wie Autonomie, Exil, Emanzipation, Literatur, Liturgie, Musik oder Wissenschaft des Judentums. Die Enzyklopädie stellt Wissen in einen Gesamtkontext und bietet Wissenschaftlern und Interessierten neue Einblicke in die jüdische Geschichte und Kultur. Ein herausragender Beitrag zum Verständnis des Judentums und der Moderne.

Die Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur Online basiert auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur von J.B. Metzler Verlag (2011–2015), herausgegeben von Dan Diner.

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Geburt

(1,097 words)

Author(s): Fonrobert, Charlotte
Als biologische Konstante und Voraussetzung der Kontinuität des Lebens wird die Geburt in unterschiedlichen Kulturen mit verschiedenen Riten begangen. Im Judentum ist sie darüber hinaus mit dem religiösen Gebot der Vermehrung verknüpft. Sowohl die biblische als auch die rabbinische Tradition ritualisieren die Geburt ebenso wie die ersten Monate des Kindes. Die Geburt eines Sohnes wird traditionell durch öffentliche Riten privilegiert. Erst in der Neuzeit wurde versucht, dieser Ungleichheit mit der Etablierung neuer Riten für die Geburt von Mädchen zu begegnen. Im traditione…

Gegenwartsarbeit

(2,235 words)

Author(s): Shumsky, Dimitry
Innerhalb der zionistischen Bewegung um 1900 entstandene Programmatik, die der Lage der Juden in der Diaspora entsprach. Die Gegenwartsarbeit zielte darauf ab, bestmögliche Bedingungen für eine nationaljüdische Existenz vor allem in den drei Vielvölkerreichen – der Habsburgermonarchie, dem Zarenreich der Romanows und dem Osmanischen Reich –, später auch deren Nachfolgestaaten zu erwirken. Die entsprechenden Vorstellungen manifestierten sich vor allem i…

Geldhandel

(1,381 words)

Author(s): Toch, Michael
Die Betätigung von Juden im Geldhandel ist seit dem Mittelalter überliefert. Im mittelalterlichen Europa war der Verleih von Geld der bei weitem wichtigste, wenn auch nicht ihr einziger Lebensunterhalt. Kreditoperationen gingen Hand in Hand mit anderen Tätigkeiten wie Münzwesen, Geldwechsel, Edelmetallhandel und Steuerpfänderei. Wie der Geldhandel auch, erforderten diese Beschäftigungen die Verfügung über Kapital, Kenntnisse im Rechnungswesen und in der Metallurgie sowie enge Beziehungen zur Obr…

Geldwesen

(2,114 words)

Author(s): Bensussan, Gérard
In der Schrift Über das Geldwesen (1845) entwickelt Moses Hess (1812–1875) die Vorstellung, Geld sei für das praktische Leben des Menschen das, was Gott für sein theoretisches Leben ist. Der Text übte aufgrund der Gedanken zur Vergesellschaftung, die er in Verbindung mit den Begriffen der »sozialen Lebensthätigkeit« und des »Zusammenwirkens« entwickelt, beträchtlichen Einfluss auf das Denken des jungen Marx und die sozialistische Begriffsgeschichte aus. Er enthält allerdings auch judenfeindliche Aspe…

Genf

(4,207 words)

Author(s): Picard, Jacques
Als Sitz des Völkerbunds sowie einer Reihe weiterer zwischenstaatlicher Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen erscheint Genf in der Zwischenkriegszeit als Kulminationspunkt von seit dem 19. Jahrhundert verfolgten Bemühungen, die internationalen Beziehungen zu institutionalisieren. In diesem Kontext war Genf auch Ort einer jüdischen Diplomatie, die mittels Fürsprache und der Inanspruchnahme von vom Völkerbund garantierten völkerrechtlichen Regularien den Schutz der Juden insbesondere im…

Genisa

(2,637 words)

Author(s): Reif, Stefan C.
Der Brauch, ausgesonderte jüdische Sakraltexte und Ritualgegenstände in einer dafür vorgesehenen Lagerstätte, der Genisa (Pl. Genisot, hebr. geniza), aufzubewahren, geht auf eine rabbinische Tradition zurück. Die aussortierten religiösen wie auch profanen Objekte und Schriften wurden vielerorts in abgetrennten Räumen von Synagogen eingelagert. Ihre in der Moderne geborgenen Überreste bereichern die historische Forschung. Herausragende Bedeutung nimmt die Ende des 19…

Genozid

(2,709 words)

Author(s): Kraft, Claudia
Der Begriff Genozid wurde 1944 von dem polnisch-jüdischen Juristen Raphael Lemkin (1900–1959) geprägt, um die von den Achsenmächten im Zweiten Weltkrieg vornehmlich an den Zivilbevölkerungen der besetzen Länder verübten Verbrechen zu charakterisieren. Maßgeblich auf sein Betreiben verabschiedeten die Vereinten Nationen im Dezember 1948 die Genozid-Konvention. Lemkin war bereits in der Zwischenkriegszeit dafür eingetreten, zu einer internationalen Verrechtlichung und Ahndung des Völkermords als T…

George-Kreis

(2,393 words)

Author(s): Blasberg, Cornelia
Gruppe von Dichtern, Künstlern, Schülern und Verehrern um den Lyriker Stefan George (1868–1933). In allen Phasen, vom Gründungsjahr der Literaturzeitschrift Blätter für die Kunst 1892 bis zu Georges Tod, gehörten Juden aus dem assimilierten deutschen Groß- und Bildungsbürgertum dem Kreis an. Georges Person und Dichtung waren ein ideales Projektionsfeld für das deutsch-j…

Germania Judaica

(836 words)

Author(s): Wiese, Christian
Das 1903 initiierte Projekt Germania Judaica verfolgte die Herausgabe eines historisch-topographischen Handbuchs zur Geschichte der Juden im Deutschen Reich von der frühes…

Germanomanie

(1,828 words)

Author(s): Hiscott, William
Mit seiner 1815 veröffentlichten Streitschrift Die Germanomanie kritisierte der jüdische Aufklärer und Publizist Saul Ascher (1767–1822) die Abkehr vieler seiner christlich-deutschen Zeitgenossen von den universalistischen Prinzipien und dem Menschenbild der Aufklärung zugunsten der nationalistischen Vorstellung einer völkisch begründeten Verschiedenheit der Menschen. Sein Werk erfuhr heftige Ablehnung und wurde als jüdische Schmähschrift 1817 im Rahmen des Burschenschaftstreffens auf der Wartburg in Eisenach verbrannt. …

Gesamtarchiv der deutschen Juden

(2,169 words)

Author(s): Peter, Honigmann
Erste selbständige jüdische Archiveinrichtung in Deutschland, die 1905 von der Großloge des Ordens B’nai B’rith gemeinsam mit dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund in Berlin gegründet wurde und bis zur Übernahme durch das Reichssippenamt nach dem Novemberpogrom 1938 bestand. In dieser Zeit wurden mehr als 300 laufende Meter Akten und Unterlagen aus etwa 500 Gemeinden, Verbänden und Einrichtungen zusammengetragen, die zum größten Teil erhalten geblieben sind. Am Gesamtarchiv entwickelte Arbeits…

Geschichte

(8,122 words)

Author(s): Myers, David N.
Das jüdische Geschichtsverständnis geht auf seine grundlegende Prägung in der biblischen Ära zurück; über die Epochen hinweg wurde es ebenso tradiert, wie es bedeutende Wandlungen und Neuerungen erfuhr. In biblischer Zeit versahen Juden vergangene Ereignisse mit einer symbolischen Bedeutung, die ihre enge Beziehung zu Gott und ihre Heilserwartung zum Ausdruck brachte. Im Mittelalter reicherten sie die Vergangenheit weiter symbolisch an, wobei sie den grundlegenden Texten der hebräischen Bibel ei…

Gesellschaft für jüdische Volksmusik

(2,451 words)

Author(s): Nemtsov, Jascha
Die Gesellschaft für jüdische Volksmusik (russ. Obshchestvo yevrejskoj narodnoj muzyki, jidd. Gezelshaft far Yidisher Folks-Muzik, 1908–1920) wurde in Sankt Petersburg unter dem Einfluss der osteuropäischen Haskala begründet. Als erste säkulare jüdische Musikinstitution in Russland förderte sie die Herausbildung eines national-jüdischen Stils in der russischen Kunstmusik und führte zum Zusammenschluss von Komponisten in der Neuen Jüdischen Schule. Die Gesellschaft wurde zum Modell für weitere jüdische Vereini…

Gesetz

(4,263 words)

Author(s): Wussow, Philipp von
Der Begriff des Gesetzes wurde von dem Philosophen Leo Strauss (1899–1973) in seinem Buch Philosophie und Gesetz (1935) entfaltet, um durch den Rückgriff auf Maimonides einen Ausweg aus der Verwirrung der Gegenwart zu finden. Dabei entwarf er über den Umweg des mittelalterlichen Rationalismus eine neue, »gesetzliche« Begründung der politischen Philosophie. Strauss verließ alsbald die in Philosophie und Gesetz skizzierte Position, doch die darin verhandelte Frage nach dem Verhältnis von Offenbarung und Vernunft – gekennzeichnet durch Jerusalem und Athen als die beiden Säulen der westlichen Zivilisation – blieb das zentrale Thema seiner politischen Philosophie. 1. Einführung Strauss hatte die einzelnen Kapitel von Philosophie und Gesetz ursprünglich für verschiedene und gänzlich voneinander unabhängige Zwecke geschrieben – das erste bezeichnete er nach der Fertigstellung im September 1933 als »für meinen Nachlass bestimmt« , das dritte sollte schon 1931 im Korrespondenzblatt der Akademie für die Wissenschaft des Judentums erscheinen. Das zweite Kapitel schrieb er im Winter 1934/1935 bereits für die bevorstehende Monographie, bevor er im Frühjahr 1935 die Einleitung fertigstellte, die er – so ist aus einem Brief an Alexandre Kojève (Anerkennung) zu erfahren – für »sehr gewagt« und »für das Beste« hielt, »das ich je geschrieben habe« . Strauss begründet darin die Position eines Atheismus, der »aus Redlichkeit« den jüdischen Glauben verwirft und ihm gerade dadurch die Treue hält. Die gleichsam programmatische Unmöglichkeit dieser Position führte ihn dazu, Maimonides im Na…
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