Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur

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Subject: Jewish Studies

Edited by: Dan Diner

Von Europa über Amerika bis zum Vorderen Orient, Nordafrika und anderen außereuropäischen jüdischen Siedlungsräumen erschließt die Enzyklopädie die neuere Geschichte der Juden von 1750 bis 1950.

Rund 800 Stichwörter präsentieren den Stand der internationalen Forschung und entwerfen ein vielschichtiges Porträt jüdischer Lebenswelten - illustriert durch viele Karten und Abbildungen. Übergreifende Informationen zu zentralen Themen vermitteln ca. 40 Schlüsselartikel zu Begriffen wie Autonomie, Exil, Emanzipation, Literatur, Liturgie, Musik oder Wissenschaft des Judentums. Die Enzyklopädie stellt Wissen in einen Gesamtkontext und bietet Wissenschaftlern und Interessierten neue Einblicke in die jüdische Geschichte und Kultur. Ein herausragender Beitrag zum Verständnis des Judentums und der Moderne.

Die Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur Online basiert auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur von J.B. Metzler Verlag (2011–2015), herausgegeben von Dan Diner.

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Haaretz

(1,296 words)

Author(s): Soffer, Oren
Die Tageszeitung Haaretz (Das Land), im Ersten Weltkrieg aus einer Zeitschrift des britischen Militärs hervorgegangen, ist mit dem Aufschwung des privaten Pressewesens im Mandatsgebiet Palästina verbunden. Der wirtschaftliche Durchbruch gelang Ende der 1930er Jahre nach der Übernahme durch den deutsch-jüdischen Unternehmer Salman Schocken, dessen Nachkommen das Unternehmen seitdem weitergeführt haben. Parteipolitisch nicht gebunden und eher liberal orientiert, entwickelte sich Haaretz über die Jahre zu einem Leitmedium der israelischen Presselandschaft. 1. Anfäng…

Ha’avara-Abkommen

(2,735 words)

Author(s): Weiss, Yfaat
Abkommen, das in den Sommermonaten 1933 zwischen der Jewish Agency, der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und dem Reichswirtschaftsministerium ausgehandelt wurde. Das Abkommen erleichterte deutschen Juden die Ausreise nach Palästina, indem es ihnen ermöglichte, Teile ihres Vermögens zu transferieren. Das Vermögen war auf ein Treuhandkonto einzuzahlen, um in Form deutscher Waren nach Palästina exportiert und dort in lokaler Währung wieder an die Emigranten ausgezahlt…

Habima

(2,577 words)

Author(s): Zer-Zion, Shelly
Habima (hebr. ha-bima, die Bühne) war das erste professionelle Theater, das Aufführungen in hebräischer Sprache veranstaltete. 1918 in Moskau gegründet, arbeitete es als Studiobühne mit dem Moskauer Künstlertheater zusammen, bis es 1926 Russland verließ. Tourneen führten die Truppe durch Europa, die Vereinigten Staaten und Palästina, wo sie sich 1931 niederließ. Die Besonderheit von Habima war sein beständiges Ringen um ein jüdisches Selbstverständnis, das mit einem hohen künstlerischen Anspruch verbunden war. 1958 wurde Habima zum israelischen Nationaltheater erklärt. 1…

Hadassah

(1,857 words)

Author(s): Bartal, Nira
1912 in New York gegründete zionistische Frauenorganisation, die vor allem auf dem Gebiet der Erziehung und Gesundheit in Palästina und später in Israel tätig wurde. Die Gründerin Henrietta Szold (1860–1945) ließ sich dazu von den Ideen des amerikanischen Progressivismus und der Frauenrechtsbewegung inspirieren. Mehr als dreißig Jahre lang setzte sich Hadassah für die Etablierung medizinischer und sozialer Einrichtungen im jüdischen Palästina sowie für…

Ḥakham Bashi

(2,042 words)

Author(s): Harel, Yaron
Von der Obrigkeit ernannter höchstrangiger Rabbiner ( Rabbinat) der Juden im Osmanischen Reich. Die Institution wurde von der Hohen Pforte 1835 im Kontext weitreichender Reformen eingeführt und bedeutete eine Einschränkung jüdischer Autonomie und Stärkung der Zentralgewalt. Die Herkunft des Ḥakham Bashi aus den Reihen der traditionellen Schriftgelehrten und seine rein weltlich-politischen Amtspflichten führten zu einem unklaren Rollenverständnis der Amt…

Hakoah Wien

(1,380 words)

Author(s): Bunzl, John
Jüdischer Sportverein, der 1909 in Wien zunächst als Fußballverein gegründet wurde. Entstanden unter dem Eindruck des Ausschlusses von »Nichtariern« aus österreichischen Turn- und Sportvereinen um die Jahrhundertwende, wurde er über das Angebot sportlicher Betätigung hinaus zu einem herausragenden Identifikationssymbol der Wiener Juden. Zu seinen größten Erfolgen zählt der Gewinn der österreichischen Profi-Fußballmeisterschaft im Jahr 1925. Auf Anregung von Lipot Weiss, Vorsitzender des Budapester jüdischen Sportvereins Vívó és Atlétikai Club, der s…

Halacha

(7,121 words)

Author(s): Zohar, Zvi
Die jüdische Halacha (wörtlich etwa »Gängiges«) ist die Gesamtheit der durch kasuistischen Diskurs entstandenen Vorschriften, die das Leben jüdischer Individuen und jüdischer Gemeinschaften regulieren. Dieses Regelwerk, das eine Verletzung der biblischen Gebote abwehren soll, war nicht absolut unveränderlich. Seit ihrer frühesten Kodifikation als Mischna (Talmud) in der Antike wurde die Halacha beständig den Lebensumständen angepasst. Daher waren die Vorschriften auch geographisch nie einheitlich. Eine besondere Herausforderung stellte die säkulare Moderne dar. 1. …

Ḥalukka

(1,437 words)

Author(s): Shilo, Margalit
Ḥalukka (hebr.; Verteilung) ist eine traditionelle, bis in die Gegenwart bestehende Einrichtung zur weltweiten Sammlung von Spenden zugunsten der jüdischen Gemeinschaft in Erez Israel. Vor den Einwanderungen seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und der Gründung des Staates Israel war das ḥalukka-System die wichtigste Quelle des Lebensunterhalts im alten Jischuw. Es geht auf die Überzeugung zurück, dass die Juden im Heiligen Land die Abgesandten aller in der Diaspora lebenden Juden gegenüber Gott sind. Die Tradition, für die Juden im Heiligen Land zu spenden, …

Ha-Maggid

(1,981 words)

Author(s): Kouts, Gidéon
Die erste Ausgabe der hebräischen Wochenschrift Ha-Maggid (dt.: Der Bote; auch Der Prediger) erschien 1856 und richtete sich an eine aufgeklärte jüdische Leserschaft im Russischen Reich. Die politischen und kulturellen Veränderungen in Russland bildeten sich in der überaus erfolgreichen Zeitschrift während der folgenden vier Jahrzehnte ihres Erscheinens ebenso ab wie die gleichzeitig stattfindenden Umwälzungen im jüdischen Pressewesen. Mit Schwerpunkt auf der Übermittlung aktueller Nachrichten unterstützte Ha-Maggid behutsam die Modernisierungsversuche der jü…

Hamburg

(3,399 words)

Author(s): Studemund-Halévy, Michael
Nachkommen zwangsgetaufter iberischer Juden ( Conversos) gründeten im 17. Jahrhundert in Hamburg die jüdische Portugiesengemeinde. Viele dieser sephardischen Kaufleute gelangten zu großem Wohlstand und sozialer Anerkennung. Trotzdem war ihr Verhältnis zu aschkenasischen wie nichtjüdischen Bürgern Hamburgs distanziert; sie betonten ihre Zugehörigkeit zur europäischen und transatlantischen nação (Nation) portugiesischer Juden. Als Ort der größten portugiesisch-jüdischen Gemeinde Deutschlands und als wichtiger Knotenpunkt im Netz der nação-Gemeinden wurde Hamb…

Hamburger Tempelstreit

(1,860 words)

Author(s): Brämer, Andreas
1819 wurde in Hamburg ein neues Gebetbuch veröffentlicht, das die erste umfassende jüdische Reformliturgie enthielt. Die im neuen Siddur enthaltenen Änderungen des traditionellen aschkenasischen Gebetbuchs lösten eine europaweit geführte Kontroverse aus, die als Hamburger Tempelstreit bekannt wurde und zahlreiche Kultusfragen verhandelte, die auch in den späteren religiösen Modernisierungsdebatten im Vordergrund standen. Im Hamburger Tempelstreit lassen sich die Anfänge einer Pluralisierung des Judentums erkennen, die sich bis in die Gegenwart fortsetzt. 1. Die Re…

Ha-Me’assef

(1,470 words)

Author(s): Sadowski, Dirk
1783 gab der Berliner Aufklärer Isaak Euchel die erste moderne hebräische Zeitschrift heraus. Den zeitgenössischen Monatsschriften der Aufklärung nachempfunden, bot der von 1783 und mit Unterbrechungen bis 1797 in Deutschland erscheinende Ha-Me’assef (Der Sammler) den jüdischen Aufklärern des ausgehenden 18. Jahrhunderts die publizistische Bühne zur Verbreitung ihrer Reformideen. Vor dem Hintergrund der voranschreitenden Verbürgerlichungs- und Akkulturationsprozesse verlor die Reformschrift im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhun…

Handel

(8 words)

s. Hausierer; Leipzig; Shmattes; Transportwesen; Überseehandel

Handwerk

(2,877 words)

Author(s): Silber, Marcos
Im Mittelalter und in der Neuzeit war das Handwerk ein bedeutender jüdischer Beschäftigungszweig. Die von Juden ergriffenen Handwerksberufe standen zum Teil in Zusammenhang mit den Erfordernissen jüdischer religiöser Vorschriften, zu deren Einhaltung von Juden her- oder bereitgestellte Erzeugnisse und Dienste benötigt wurden. Unter muslimischer Herrschaft waren Juden frei, sich handwerklich zu betätigen; in einzelnen Gewerben waren sie führend. Im christlichen Europa gelang es jüdischen Handwerk…

Harbin

(2,967 words)

Author(s): Goikhman, Izabella
Harbin, Hauptstadt der Provinz Heilongjiang im Nordosten der Volksrepublik China, war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Zentrum des russischen Pachtgebiets in der Mandschurei. Der von Russland betriebene Bau der Ostchinesischen Eisenbahn (OCE) brachte neben anderen ethnischen Gruppen auch Juden nach Harbin. Die günstigen sozialen und ökonomischen Bedingungen und der multikulturelle Charakter der Stadt führten dazu, dass sich dort in den 192…

Haskala

(6,935 words)

Author(s): Feiner, Shmuel
Die humanistischen und emanzipatorischen Ideen der europäischen Aufklärung fanden seit den letzten beiden Dekaden des 18. Jahrhunderts unter jungen gebildeten Juden zunehmend Anhänger. Ihre Forderung nach einer jüdischen Aufklärung (hebr. haskala) durch die Reform des klassischen Bildungsideals und des traditionellen Erziehungsprogramms, aber auch ihre Anfechtung des absoluten rabbinischen Autoritätsanspruchs wurde von den traditionellen geistigen Eliten heftig bekämpft. Wenngleich die Anliegen der jüdischen Aufklärer (hebr. maskilim) revolutionär waren, gin…

Ha-Tikwa

(1,185 words)

Author(s): Randhofer, Regina
Ha-Tikwa (hebr.; Die Hoffnung) zählt zu den wichtigsten musikalischen Symbolen des Judentums in der Moderne. Entstanden aus einem Gedicht, das die Sehnsucht des Dichters nach Zion beschreibt, fand es als Lied Eingang in den Folkloreschatz des jüdischen Palästina (Jischuw) und wurde zum Emblem der zionistischen Bewegung, bis es schließlich der neu gegründete Staat Israel als Nationalhymne übernahm. Die Entstehungsgeschichte von Ha-Tikwa ist eng mit den Anfängen der zionistischen Besiedlung Palästinas seit den 1880er Jahren verknüpft (Alija; Ḥoveve Ẓiyon).…
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