Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur

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Subject: Jewish Studies

Edited by: Dan Diner

Von Europa über Amerika bis zum Vorderen Orient, Nordafrika und anderen außereuropäischen jüdischen Siedlungsräumen erschließt die Enzyklopädie die neuere Geschichte der Juden von 1750 bis 1950.

Rund 800 Stichwörter präsentieren den Stand der internationalen Forschung und entwerfen ein vielschichtiges Porträt jüdischer Lebenswelten - illustriert durch viele Karten und Abbildungen. Übergreifende Informationen zu zentralen Themen vermitteln ca. 40 Schlüsselartikel zu Begriffen wie Autonomie, Exil, Emanzipation, Literatur, Liturgie, Musik oder Wissenschaft des Judentums. Die Enzyklopädie stellt Wissen in einen Gesamtkontext und bietet Wissenschaftlern und Interessierten neue Einblicke in die jüdische Geschichte und Kultur. Ein herausragender Beitrag zum Verständnis des Judentums und der Moderne.

Die Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur Online basiert auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur von J.B. Metzler Verlag (2011–2015), herausgegeben von Dan Diner.

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Sachplakat

(1,761 words)

Author(s): Soltes, Ori Z.
Form der Werbegraphik, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts maßgeblich vom Graphiker und Designer Lucian Bernhard (1883–1972) entwickelt wurde und die Darstellung konsequent auf den beworbenen Gegenstand und den Markennamen beschränkt. Vor allem Bernhards Frühwerk repräsentiert diesen radikalen, durch eine stark reduzierte Bildsprache und flächige Farben gekennzeichneten Blick. Die als Plakatstil bekannt gewordene Richtung der Gebrauchsgraphik erlangte besonders im Deutschland der Zwischenkriegsze…

Safed

(3,650 words)

Author(s): Lamdan, Ruth
Nach der Eroberung Syriens und Palästinas durch die Osmanen im 16. Jahrhundert erlebte das in Galiläa hoch (ca. 840 Meter über dem Meeresspiegel) gelegene Safed einen bedeutenden wirtschaftlichen und demographischen Aufschwung. Vor allem sephardische Juden ließen sich in der Stadt nieder, die in kurzer Zeit einen führenden Rang in der Wollverarbeitung und Textilherstellung einnahm. Aufgrund der Präsenz herausragender jüdischer Gelehrter entwickelte sich Safed zudem zum religiösen Zentrum der jüd…

Säkularisierung

(3,904 words)

Author(s): Weidner, Daniel
Säkularisierung, einer der wichtigsten und umstrittensten Begriffe der Neuzeit, bezeichnet zugleich einen historischen Prozess und ein Deutungsmuster des Verlaufs von Geschichte. Der Ausdruck beschreibt sowohl den kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Bedeutungsverlust der Religion in der Moderne als auch die »Transformation« oder »Umbesetzung« religiöser Traditionsbestände. Als Prozessbegriff ermöglicht er eine Genealogie der Moderne, die deren Verhältnis zur religiösen Vergangenheit …

Salon

(3,079 words)

Author(s): Bilski, Emily D.
Seit dem 17. Jahrhundert etablierten sich in Europa regelmäßige private Zusammenkünfte von Gelehrten und Künstlern in Form von sogenannten Salons. Die Salons brachten Personen unterschiedlicher Gesellschaftsschichten, religiöser und nationaler Zugehörigkeit auf Grundlage künstlerischen, musikalischen, literarischen und politischen Interesses zusammen, erprobten eine neue Kultur des Austausches und beförderten nicht selten gesellschaftliche Dynamiken. In der Folge der Aufklä…

Saloniki

(3,263 words)

Author(s): Naar, Devin
Hafenstadt in Nordgriechenland (Ladino: Salonika, türk.: Selanik, griech.: Thessaloniki) und vom späten 15. bis zum frühen 20. Jahrhundert die Heimat einer multiethnischen Bevölkerung aus Türken, Griechen und Juden. Unter osmanischer Herrschaft bildeten die in Saloniki ansässigen Juden bald die Mehrheit der Einwohner; im Zuge osmanischer Reformen und europäischen Einflusses wuchs im 19. Jahrhundert ihr ökonomisches Gewicht weiter an. Mit der Eingliederung Salonikis in den griechischen Nationalst…

Salzsäule

(2,332 words)

Author(s): Lévy, Clara
1953 veröffentlichte der in Tunesien geborene Schriftsteller und Soziologe Albert Memmi (geb. 1920) seinen ersten Roman Die Salzsäule. Das Werk Memmis gründet in der Spannung dreier Zugehörigkeiten: der jüdischen, der arabischen und der französischen. Seine literarischen und sozialwissenschaftlichen Arbeiten sind von der Beschäftigung mit verschiedenen Formen von Hierarchisierung, insbesondere des Kolonialismus und Rassismus, geprägt. Memmis Kolonialismuskritik, vor allem in dem Essay Der Kolonisator und der Kolonisierte (1957), beruht weitgehend auf der jüdis…

Samson

(2,979 words)

Author(s): Gillerman, Sharon
Der biblische Held Samson, der aufgrund seiner übermenschlichen Stärke die feindlichen Philister bezwang und sich durch seine Racheakte schließlich selbst ins Verderben stürzte, durchzieht seit der Antike die Vorstellungswelt der Juden. Mit ihm wurden konkurrierende Interpretationen zentraler Fragen jüdischer Existenz assoziiert, wie die Gegensätze von Tatkraft und Passivität, Macht und Ohnmacht, eigenständigem Handeln und bloßem Überleben. Vor allem in der Moderne wurde Samson für Juden zu eine…

Sanhédrin

(2,914 words)

Author(s): Birnbaum, Pierre
In den Jahren 1806 und 1807 berief Kaiser Napoleon zwei große Versammlungen jüdischer Würdenträger aus den seiner Herrschaft unterstehenden Territorien nach Paris ein. Deren Ziel war es zu ermitteln, inwiefern Juden dem neuen Ideal des französischen Staatsbürgers entsprachen oder sich daran anzupassen bereit waren. Der aus Laien und Rabbinern gebildeten Notabelnversammlung legte Napoleon einen Katalog von zwölf Fragen vor. Da er die Gültigkeit von deren Beschlüssen in Zweifel zog, berief er eine…

S’brent

(2,653 words)

Author(s): Werb, Bret
Titel eines 1938 entstandenen jiddischen Lieds des polnisch-jüdischen Dichters und Musikers Mordechai Gebirtig (1877–1942). »S’brent«, das zum Widerstand gegen die Vernichtung von Juden aufruft, steht emblematisch für die in den Gettos und Lagern unter nationalsozialistischer Herrschaft aufgeführte Musik. Trotz aller Widrigkeiten kam dort musikalischen Darbietungen – vom einfachen, das Alltagsleben schildernden Lied bis hin zur Oper – vielfältige Bedeutung zu. Dabei kontrastierten Auftritte prof…

Schabbat

(2,184 words)

Author(s): Shire, Michael
Die Einhaltung des heiligen Schabbats als Ruhetag dient laut biblischem Gebot vorrangig der Erinnerung an das göttliche Schöpfungswerk und die Befreiung der Juden aus der ägyptischen Gefangenschaft und gehört seit jeher zum Kern jüdischer religiöser Praxis. In der Diaspora diente die Gestaltung des Schabbats zunehmend auch der Distinktion von nichtjüdischen Lebensweisen. Innerhalb der im 19. Jahrhundert entstehenden nichtorthodoxen Strömungen wurde na…

Schach

(2,770 words)

Author(s): Ehn, Michael |
Das auf der Idee rationaler Berechenbarkeit und strategischem Denken beruhende Brettspiel Schach entwickelte sich nach einer jahrhundertelangen Geschichte im 18. Jahrhundert vor allem an Orten der modernen Stadtkultur – in Kaffeehäusern, Vereinen und Klubs – zu einer habituellen Praxis des Bürgertums. Juden, die sich insbesondere während des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum stark am bürgerlichen Milieu orientierten, hatten als Spieler, Theoretiker und Förderer Anteil an dieser Blütezei…

Schachnovelle

(2,851 words)

Author(s): Gelber, Mark H.
Schachnovelle ist der Titel einer der bekanntesten Erzählungen des 1881 geborenen österreichisch-jüdischen Schriftstellers Stefan Zweig. Die Novelle ist Zweigs letzte abgeschlossene Arbeit, bevor er sich 1942 im brasilianischen Exil gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau das Leben nahm. Sie greift Aspekte der komplizierten politischen Situation auf, mit der 1938 nach dem sogenannten »Anschluss« in Österreich jene konfrontiert waren, die auf Distanz zum NS-Regime blieben oder sich ihm entgegenstell…

Schächten

(2,976 words)

Author(s): Lavi, Shai
Schächten bezeichnet das betäubungslose rituelle Schlachten von zum Verzehr geeigneten Tieren und wird insbesondere im Judentum und im Islam praktiziert. Das Schächten als Teil der Speisegesetze war für das Selbstverständnis der traditionellen jüdischen Gemeinschaft von wesentlicher Bedeutung; Schächter wirkten als angesehene Bedienstete der Gemeinde und wurden häufig auch von der christlichen Herrschaft anerkannt. In der christlichen Umgebungskultur des Mittelalters und der frühen Neuzeit zog d…

Schanghai

(2,941 words)

Author(s): Goikhman, Izabella
In der chinesischen Hafenstadt Schanghai ließen sich infolge westlicher Präsenz seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst sogenannte bagdadische Juden aus dem Bereich der Britischen Ostindien-Kompanie nieder. Russische Juden flüchteten vor den Pogromen um die Jahrhundertwende hierher. Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts diente Schanghai Juden als Zufluchtsort. Angezogen durch die Möglichkeit einer visafreien Einreise, kamen gegen Ende der 1930er Jahre tausende jüdische Exilanten i…

Schänke

(2,349 words)

Author(s): Dynner, Glenn
In den Kleinstädten und Dörfern des vormodernen östlichen Europa stellten Schänken nicht nur Stättender Gastlichkeit, sondern auch beliebte Treffpunkte für Besprechungen von Handels- und öffentlichen Angelegenheiten sowie für religiöse Feiern dar. Ihre Betreiber waren überwiegend Juden, denen die Räumlichkeiten und Schanklizenzen meist von polnischen Grundbesitzern zur Pacht gegeben wurden. Sozialreformer wie Behördenvertreter wiesen den jüdischen Wirten ungeachtet der ihnen übertragenen Rolle i…

Scheunenviertel

(3,587 words)

Author(s): Saß, Anne-Christin
Unweit es Alexanderplatzes gelegenes Viertel in Berlin, das sich in der Zeit des Kaiserreichs und während der Weimarer Republik zum Zentrum jüdischer Einwanderer aus dem östlichen Europa entwickelte. Von der deutschen Öffentlichkeit vielfach als »ostjüdisches Ghetto« wahrgenommen, wurde das Armutsquartier mit seinem überdurchschnittlich hohen jüdischen Bevölkerungsanteil zur Projektionsfläche für die nach dem Ersten Weltkrieg in der deutschen Bevölkerung weitverbreiteten sozialen Abstiegs- und …

Schira

(5,425 words)

Author(s): Necker, Gerold
Der postum veröffentlichte, unvollendet gebliebene Roman Schira von Samuel Joseph Agnon (1887–1970) zählt zu den Klassikern der modernen hebräischen Literatur. Die Erzählungen und Romane Agnons, der 1966 gemeinsam mit Nelly Sachs (Todesfuge) den Nobelpreis für Literatur erhielt, prägten wesentlich die formative Entwicklung des modernen Hebräisch wie auch die hebräische Literatur als Ganzes. Agnon, im habsburgischen Galizien geboren und durch Sozialisation und Reisen mit den unter…

Schlemihl

(3,582 words)

Author(s): DeKoven Ezrahi, Sidra
Der Schlemihl ist eine wandlungsfähige Figur, die im 20. Jahrhundert weithin Bekanntheit als eine Verkörperung jiddischer und, damit assoziiert, jüdisch-diasporischer (Diaspora) Existenz schlechthin erlangte. Typische Wesenszüge des Schlemihls sind Naivität sowie eine Wandlungsfähigkeit, aufgrund derer er oft sein Leid zu mildern versteht. Der Typus des Schlemihls lässt sich bis zu antiken Quellen zurückverfolgen; in der frühen Neuzeit wurde er mit anderen Figuren aus der Volkskultur wie dem Ewi…
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