Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur

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Subject: Jewish Studies

Edited by: Dan Diner

Von Europa über Amerika bis zum Vorderen Orient, Nordafrika und anderen außereuropäischen jüdischen Siedlungsräumen erschließt die Enzyklopädie die neuere Geschichte der Juden von 1750 bis 1950.

Rund 800 Stichwörter präsentieren den Stand der internationalen Forschung und entwerfen ein vielschichtiges Porträt jüdischer Lebenswelten - illustriert durch viele Karten und Abbildungen. Übergreifende Informationen zu zentralen Themen vermitteln ca. 40 Schlüsselartikel zu Begriffen wie Autonomie, Exil, Emanzipation, Literatur, Liturgie, Musik oder Wissenschaft des Judentums. Die Enzyklopädie stellt Wissen in einen Gesamtkontext und bietet Wissenschaftlern und Interessierten neue Einblicke in die jüdische Geschichte und Kultur. Ein herausragender Beitrag zum Verständnis des Judentums und der Moderne.

Die Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur Online basiert auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur von J.B. Metzler Verlag (2011–2015), herausgegeben von Dan Diner.

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Tafsīr

(3,326 words)

Author(s): Abd El Gawad, Walid
Arabischer Terminus technicus für die Auslegung des Koran. Aufgrund der sprachlichen wie lebensweltlichen Nähe der älteren jüdischen zur noch jungen islamischen Textkultur galten Juden schon zu Lebzeiten des Propheten Muhammad als Vorbilder und Autoritäten auf dem Gebiet der Koranexegese. Der Einfluss jüdischer Gelehrsamkeit auf die Deutung islamischer sakraler Texte erstreckte sich über die verschiedenen Arten der mittelalterlichen Koranexegese bis in die Neuzeit. Dem Vorbild der …

Tagebuch

(4,104 words)

Author(s): Gross, Raphael | Robertson, Laura
Das während der Jahre 1942 bis 1944 im Amsterdamer Versteck geführte Tagebuch der Anne Frank (1929–1945) zählt zu den bekanntesten literarischen Quellen des Holocaust. Die erstmals 1947 in den Niederlanden veröffentlichten Aufzeichnungen erlangten ab den 1950er Jahren zunehmend internationale Aufmerksamkeit. Zunächst wurde das Tagebuch weniger als Dokument des Holocaust denn als literarisch anrührende Schilderungen eines jungen Mädchens rezipiert. Infolge der Adaption der Niederschriften Anne Fr…

Talmud

(3,793 words)

Author(s): Kanarek, Jane L.
Der Talmud – überliefert in zwei unterschiedlichen Werken als palästinischer und als babylonischer Talmud – ist das literarische Gründungsdokument des nachbiblischen Judentums und der rabbinischen Traditionsliteratur. Das umfangreiche und über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten hinweg in der Antike entstandene Werk vereinigt das jüdische Gesetz (Halacha) sowie vielschichtige narrative Überlieferungen (Aggada), die in komplexer Weise miteinander verwoben sind. Es spiegelt nicht nur Selbstv…

Talmud tora

(3,761 words)

Author(s): Ancselovits, Elisha
Seit der Antike galt das Studium (hebr. talmud) der Heiligen Schrift, der »Lehre« (hebr. tora), als religiöse Pflicht jüdischer Männer. Diese erstreckte sich schließlich auch auf das Studium der antiken und frühmittelalterlichen rabbinischen Texte, in denen die biblischen Gebote diskutiert und erweitert wurden. Dadurch entwickelte sich talmud tora mehr und mehr zum Studium der jüdischen Traditionsliteratur. Angesichts des gesellschaftlichen Wandels in der frühe…

Tanach

(4,830 words)

Author(s): Liss, Hanna
Die hebräische Bibel (hebr. Tanakh) bildet mit dem in ihr enthaltenen Schöpfungsmythos zur Entstehung der Welt sowie ihrer Darstellung der Geschichte der Juden von den Anfängen bis zum babylonischen Exil ein bedeutendes Zeugnis altorientalischer Erzählkunst sowie religiöser und geschichtlicher Erfahrung. Insofern der Tanach vom besonderen und unverbrüchlichen Bund zwischen Gott und dem Volk Israel berichtet, ist er das religiöse und historische Fundament des Judentums. Dass er spätestens seit der En…

Tancred

(2,843 words)

Author(s): Flavin, Michael
Tancred oder Der neue Kreuzzug lautet der Titel eines Romans von Benjamin Disraeli (1804–1881), der als führender Abgeordneter der Konservativen und als zweimaliger Premierminister (1868, 1874–1880) die Politik Großbritanniens in der viktorianischen Ära entscheidend mitprägte. Seine erfolgreiche schriftstellerische Karriere diente dem aus einer jüdischen Familie stammenden und im Alter von zwölf Jahren getauften Disraeli neben der Ermöglichung seines ambitionierten gesellschaftlichen Lebens dazu, politische Visionen zu entwerfen. In Tancred thematisiert Disraeli sein Verständnis vom Judentum, dem Christentum als Vollendung der jüdischen Religion sowie von »Rasse« als eine der treibenden Kräfte der Geschichte. Die hier entworfene Ideenwelt wirkte noch in seiner Innen- und Außenpolitik als Premierminister nach. 1. Der Vordere Orient als Projektion Tancred ist der Protagonist des gleichnamigen, 1847 erschienenen Romans. Als gerade volljährig gewordener Adeliger lehnt er den für ihn reservierten Sitz im britischen Parlament ab und weigert sich, den vorbe…

Tanger

(3,062 words)

Author(s): Mitchell Serels, M.
Stadt im äußersten Norden Marokkos, die über Jahrhunderte eine bedeutende jüdische Gemeinde beheimatete. Als Zentrum europäischer Diplomatie in Marokko seit Ende des 18. Jahrhunderts sowie infolge der Einrichtung einer Internationalen Zone von 1923 bis 1956 unterschieden sich Geschichte und soziale Struktur der jüdischen Gemeinschaft Tangers deutlich von der anderer Gemeinden im Maghreb. An westlichen Sprachen und europäischer Bildung orientiert, wurden Tangers Juden zu …

Tarbut

(1,972 words)

Author(s): Silber, Marcos
Tarbut war in der Zwischenkriegszeit das wichtigste Netzwerk jüdisch-säkularer Bildung im östlichen Europa. Vor allem in Polen unterhielt die Vereinigung ein weitverzweigtes System von Bildungseinrichtungen für Kinder und Erwachsene. Seine internationale rechtliche Grundlage hatte es in der in den Pariser Vorortverträgen festgeschriebenen Bildungsautonomie für Minderheiten. Das Netzwerk wurde von zionistischen Parteien des Zentrums sowie der gemäßigten Linken geführt und sollte eine zeitgemäße säkulare, hebräischsprachige Ausbildung gewährleisten. Tarbut hatte anhaltenden Einfluss auf das kulturelle Selbstverständnis einer ganzen Generation; zahlreiche Absolventen ließen sich später in Palästina nieder und prägten den Staat Israel mit. 1. Russland und Polen Erste Bestrebungen zur Errichtung jüdischer säkularer Erziehungseinrichtungen im östlichen Europa gehen auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Zu dieser Zeit gründeten Mitglieder von Ḥoveve Ẓiyon in Russland reformierte Schulen ( ḥadarim metukanim), in denen zwar auch traditionelle Erziehungsprinzipien (Talmud tora) gewahrt, Pädagogik und Lehrplan jedoch im Geist europäischer Erziehungsreformen modernisiert wurden. Nach der Februarrevolution änderte die Vereinigung Ḥoveve Sefat Ever (Freunde der hebräischen Sprache) ihren Namen in Tarbut (Kultur) und verwandte sich für die Gründung hebräischer Schulen. Der Sieg der Bolschewiki machte dieses Engagement…

Tauwetter

(3,082 words)

Author(s): Schick, David
Titel des 1954 erschienenen Romans des sowjetisch-jüdischen Schriftstellers und Publizisten Ilja Ehrenburg (1891−1967). Ein Jahr nach dem Tod Stalins veröffentlicht, markierte Tauwetter den Auftakt zu umfassenden Diskussionen über den sozialistischen Realismus, aber auch über die politischen Verhältnisse während und nach der Herrschaft Stalins; mithin wurde der Titel des Romans zum Synonym der nun einsetzenden, wenn auch nur kurzen, sowjetischen Reformperiode. Ehrenburgs von Ambivalenzen und Brüchen geprägtes Werk v…

Technion

(2,026 words)

Author(s): Ben-Artzi, Yossi
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf Initiative des Hilfsvereins der deutschen Juden gegründete technische Bildungseinrichtung in Haifa. Nach Konflikten um den Status des Hebräischen als Unterrichtssprache nahm das Technion 1924 seinen Lehrbetrieb auf. In den ersten Jahrzehnten seines Bestehens war es von deutschen Unterrichts- und Forschungsmethoden sowie generell vom deutschen Bildungssystem geprägt. Bis 1950 entwickelte es sich z…

Tekhelet

(1,310 words)

Author(s): Balke, Ralf
Hebräische Bezeichnung für einen blauen Farbstoff, der zur Zeit des Tempels bei der Herstellung von Textilien für den rituellen Gebrauch zum Einsatz kam. Über die ursprüngliche Bedeutung der Farbe als magischer Schutzschild gegen Unheil hinaus symbolisiert tekhelet die Verbindung der Juden zu Erez Israel und ihre religiöse Autonomie. Die zionistische Bewegung (Basel) griff bei der Gestaltung nationaler Symbole wie der Flagge des Staats Israel auf diesen Farbton zurück, d…

Tel Aviv

(2,834 words)

Author(s): Sonder, Ines
Tel Aviv gilt als die erste jüdische Stadt der Gegenwart. 1909 als jüdische Gartenvorstadt von Jaffa gegründet und im folgenden Jahr nach dem hebräischen Titel von Theodor Herzls Romanutopie Altneuland benannt, entwickelte sich der Ort bald zum urbanen Zentrum des neuen Jischuw und weltlichen Antipoden des religiös geprägten Jerusalem. In den 1930er Jahren verwandelten jüdische Architekten, die mit der Fünften Alija aus Mitteleuropa nach Palästina kamen, die Stadt in ein Laboratorium der Moderne: Auf einem Areal entlang der…

Tell Halaf

(2,346 words)

Author(s): Gilibert, Alessandra
Antiker Siedlungshügel nahe der nordsyrischen Stadt Ras al-Ain, der 1899 von Max Freiherr von Oppenheim (1860–1946) entdeckt wurde. Seine aus privaten Mitteln finanzierten Grabungen am Tell Halaf zählen zu den frühen Höhepunkten der deutschen Vorderasiatischen Archäologie. Der aus einer konvertierten jüdischen Bankiersfamilie (Bankiers) stammende Oppenheim suchte wiederholt, sich im Interesse Deutschlands zu betätigen, unter anderem mit Vorhaben zur Aufwiegelung von Muslimen gegen die Kriegsgegn…

Tempel

(2,395 words)

Author(s): Ariel, Yaakov
Als jüdisches Zentralheiligtum bildete der Jerusalemer Tempel ein wesentliches Element des politischen und religiösen Lebens der Israeliten in der Antike. Nach der Zerstörung des Zweiten Tempels im Jahr 70 d. Z. drückten Juden in ihren Schriften und Liturgien die Hoffnung auf eine Wiedererrichtung im verheißenen messianischen Zeitalter aus. Seit dem 19. Jahrhundert entwickelte sich der Begriff Tempel in Europa und den Vereinigten Staaten zur Chiffre von Befürwortern der …

Teshuva

(2,876 words)

Author(s): Ariel, Yaakov
Der hebräische Begriff teshuva (wörtl. Umkehr; Rückkehr) bezeichnet seit der Antike das Bekennen und Bereuen von Sünden, um Vergebung und Versöhnung mit Gott zu erlangen. Teshuva gilt als zentraler Bestandteil des jüdischen Glaubens. Seit dem Mittelalter war sie gelegentlich auch mit asketischen Vorstellungen verbunden. In der Moderne entstanden zunächst unter säkularen, religiös liberal orientierten Juden Bewegungen kulturell-religiöser Umkehr, so unter anderem in Deutschland und Italien. Nach dem…

Tewje

(6,127 words)

Author(s): Miron, Dan
Tewje, die jiddische Version des hebräisch-biblischen Tovya (Tobias), ist die nuancierteste und plastischste literarische Figur der in viele Sprachen übersetzten Werke Schalom Rabinowitschs (1859–1916), die er unter seinem Künstlernamen Scholem Alejchem publizierte. Der Schriftsteller, der mit seinen volkstümlich-humoristischen Schriften ( Humor) maßgeblich an der Herausbildung der modernen jiddischen Literatursprache mitwirkte, thematisierte in der zwischen 1895 und 1914 unter dem Titel Tevye der milkhiker erschienenen Serie von neun Kurzgeschichten in mo…