Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur

Purchase Access
Subject: Jewish Studies

Edited by: Dan Diner

Von Europa über Amerika bis zum Vorderen Orient, Nordafrika und anderen außereuropäischen jüdischen Siedlungsräumen erschließt die Enzyklopädie die neuere Geschichte der Juden von 1750 bis 1950.

Rund 800 Stichwörter präsentieren den Stand der internationalen Forschung und entwerfen ein vielschichtiges Porträt jüdischer Lebenswelten - illustriert durch viele Karten und Abbildungen. Übergreifende Informationen zu zentralen Themen vermitteln ca. 40 Schlüsselartikel zu Begriffen wie Autonomie, Exil, Emanzipation, Literatur, Liturgie, Musik oder Wissenschaft des Judentums. Die Enzyklopädie stellt Wissen in einen Gesamtkontext und bietet Wissenschaftlern und Interessierten neue Einblicke in die jüdische Geschichte und Kultur. Ein herausragender Beitrag zum Verständnis des Judentums und der Moderne.

Die Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur Online basiert auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur von J.B. Metzler Verlag (2011–2015), herausgegeben von Dan Diner.

For more information: brill.com

Zaddik

(2,260 words)

Author(s): Dynner, Glenn
Als Zaddik (wörtl. »Gerechter«) wird seit dem späten 18. Jahrhundert eine charismatische chassidische Persönlichkeit bezeichnet. Den Vorstellungen des Chassidismus-Begründers Israel Ba’al Schem Tov zufolge verfügte ein Zaddik über besondere magisch-spirituelle Kräfte, die seinen jeweiligen Anhängern zugute kommen. Tatsächlich vereinten sich in der Figur des Zaddik allmählich Aufgaben und Fähigkeiten, die ganz unterschiedlichen jüdisch-religiösen Autoritäten des östlichen Europa zugeschrieben wurden. 1. Wirken Das hebräische Wort ẓaddik (abgeleitet von ẓeddek, …

Zahl

(2,726 words)

Author(s): Dubrau, Alexander | Morlok, Elke
Bereits in der hebräischen Bibel ist belegt, dass den Buchstaben des Alphabets auch eine numerische Bedeutung zugewiesen war. Seit der Spätantike zogen jüdische Gelehrte den Zahlwert der Buchstaben zur Deutung der heiligen Schrift heran. Mit seiner Hilfe ließen sich mathematische Rechenoperationen, genannt Gematrie (von hebr.-aram. gematriya), durchführen, die auf verborgene Analogien zwischen einzelnen Wörtern oder Wortgruppen verweisen und ein tieferes Textverständnis ermöglichen sollen. In der mittelalterlichen Kabbala (Mystik) entwicke…

Zakhor

(3,231 words)

Author(s): Rohden, Frauke von
Der in der Bibel formulierte, göttliche Imperativ zakhor (»gedenke«) verpflichtet die Israeliten zur Erinnerung an einschneidende Begebenheiten und Ereignisse ihrer Geschichte. In der Spätantike wurden auch jüngere katastrophische Ereignisse in einen religiös-kausalen Zusammenhang gestellt und folglich kalendarisch parallelisiert. Seine stärkste Ausprägung entfaltete die biblische Aufforderung zum Gedenken in der Liturgie mittels kommemorativer Gebete und im Ritual durch Feste und…

Ẓedaka

(2,659 words)

Author(s): Gray, Alyssa M.
Von der Zeit der Ausbildung des rabbinischen Judentums bis in die Neuzeit stand ẓedaka für die jüdische Armenfürsorge und Wohltätigkeit. Bedeutete das Wort in der hebräischen Bibel ursprünglich »Gerechtigkeit«, »Verdienst« oder »Wohltätigkeit«, war es seit dem 2. Jahrhundert v. d. Z. stärker auf die Almosengabe gerichtet. Während Wohltätigkeit stets als religiöse Pflicht galt, waren ihre Praktiken ständig im Wandel begriffen. In der Moderne reicht das Verständnis von ẓedaka bis hin zum Imperativ der Förderung einer universellen sozialen Gerechtigkeit. 1. Bibel In der heb…

Ẓe’ena u-Re’ena

(1,840 words)

Author(s): Neuberg, Simon
Das voluminöse jiddische Werk mit dem Titel Ẓe’ena u-Re’ena (Kommt heraus und seht [Töchter Zions]) ist seit seiner Drucklegung zu Beginn des 17. Jahrhunderts das am meisten publizierte, meistgelesene und wohl einflussreichste jiddische Buch überhaupt. Das Werk bietet eine exegetische Wiedergabe von Pentateuch, Megillot und Haftarot – also der Teile der Bibel, die zusammen das Pflicht-Lesepensum im Jahreszyklus ausmachen –, verknüpft mit Kommentaren verschiedener Autoritäten sowie midraschischen Element…

Zeit

(5,916 words)

Author(s): Goldberg, Sylvie Anne
Das jüdische Zeitverständnis beruht auf biblischen Grundlagen und wurde durch antike rabbinische Gelehrte und mittelalterliche Denker und Mystiker geformt. Nach der Zerstörung des Zweiten Tempels (70 d. Z.), vor allem aber nach der Redaktion des babylonischen Talmud (6. oder 7. Jh. d. Z.) setzte sich eine Normierung und Vereinheitlichung der Begrifflichkeit und der mit ihr verbundenen Vorstellungen durch. Mittels rechtlicher und exegetischer Auslegung der in der Bibel entha…

Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft

(2,784 words)

Author(s): Thulin, Mirjam
1847 gegründetes Publikationsorgan der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (DMG), der wissenschaftlichen Vereinigung der orientalistischen Studien in Deutschland. Als vormalige Hilfswissenschaft der Theologie etablierte sich die Orientalistik im Lauf des 19. Jahrhunderts als eigenständige akademische Disziplin (Muhammedanische Studien; Orient). Im Unterschied zu Theologie und Geschichte distanzierte sich die deutsche Orientalistik in der Forschung ebenso wie in den Alltagsbeziehungen von Fra…

Zeitungswesen

(3,477 words)

Author(s): Nagel, Michael
Mit Eintritt der Juden in die Moderne bildete sich ein eigenes jüdisches Zeitungs- und Pressewesen aus, das einerseits der allgemeinen Presse zugehörte und sich andererseits durch spezifische Anliegen und Inhalte insbesondere mit einem jüdischen Publikum verband. Seit der Haskala gewannen die betreffenden Periodika für die innere Entwicklung und äußere Wahrnehmung der Juden und des Judentums zusehends an Bedeutung. Für die Herausgeber, Autoren und Leser stellten sie eine Pl…

Zelig

(2,917 words)

Author(s): Brook, Vincent
Filmkomödie aus dem Jahr 1983 von Woody Allen, der wie bei vielen seiner Filme Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller zugleich war. Zelig erzählt im klassischen Stil einer Dokumentation aus Archivaufnahmen, Voice-over und Interviews die fiktive Lebensgeschichte des New Yorker Juden Leonard Zelig. Dieser erlangt in den 1920er und 1930er Jahren Berühmtheit aufgrund seiner chamäleonartigen Fähigkeit, die physischen und charakterlichen Merkmale jeder männlichen Person anzunehmen, mit der er in Kontakt gerät. Zahl…

Zeno

(2,508 words)

Author(s): Schächter, Elizabeth
Der 1923 erschienene Roman La coscienza di Zeno (dt. Zenos Gewissen) um den neurotischen Protagonisten Zeno zählt zu den Meisterwerken der europäischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Sein Autor Italo Svevo (1861–1928) avancierte neben Zeitgenossen wie Franz Kafka ( Prag), Marcel Proust ( Combray) und James Joyce zum bedeutenden Vertreter der europäischen literarischen Moderne. Svevos Hauptwerk umfasst die drei Romane Una Vita (1892), Senilità (1898) und La coscienza di Zeno. Als Aron Hector Schmitz in Triest geboren, legte er sich ab 1892 das Pseudonym Italo S…

Zensur

(2,768 words)

Author(s): Kogman, Tal
Seit dem Spätmittelalter griffen kirchliche und staatliche Obrigkeiten in Europa zur Kontrolle und Überwachung jüdischer Bücher auf das Mittel der Zensur zurück. Zu Beginn der frühen Neuzeit bildeten sich angesichts der Verbreitung des Buchdrucks Zensurbehörden heraus. Parallel dazu entwickelte sich eine innerjüdische Zensur, die durch die rabbinische Führung mittels Approbationen ( haskamot) ausgeübt wurde und den jüdischen Buchmarkt bis ins 19. Jahrhundert hinein prägte. Die in den Büchern abgedruckten Approbationen entwickelten sich zu einem …

Zentralrat der Juden in Deutschland

(2,885 words)

Author(s): Brenner, Michael
Der Zentralrat der Juden in Deutschland wurde 1950 in Frankfurt am Main als Dachverband der jüdischen Gemeinden und Landesverbände in Deutschland gegründet. Angesichts der Schoa ging der Zentralrat zunächst von einem bloßen Provisorium jüdischen Lebens in Deutschland aus; über die Jahrzehnte trug er letztlich zu dessen Wiederaufbau bei. Schwerpunkte der Arbeit des Zentralrats bildeten die Integration in Deutschland verbliebener Displaced Persons (DPs; München), von Rückkehrern aus der Emigration…

Zeremonialgesetz

(2,680 words)

Author(s): Brumlik, Micha
Bereits im Mittelalter war die Bezeichnung Zeremonialgesetz in meist pejorativem Sinne für das jüdische Religionsgesetz und die jüdische Ritualpraxis gebräuchlich; christlichen Theoretikern diente sie dazu, die aus ihrer Sicht theologische Rückständigkeit des Judentums zu markieren. In der frühen Neuzeit verstärkte sich diese Deutung durch den Antizeremonialismus der Reformation, während jüdische Gelehrte die Grundlagen ihrer Religion verteidigten. Mit der Aufklärung und dem Gebrauch des Begriff…

Zeugenschaft

(3,014 words)

Author(s): Pollmann, Anna
Unter Zeugenschaft wird gemeinhin die narrative Übermittlung eines unmittelbar erlebten Geschehens verstanden. Gleichwohl wird der Holocaust trotz der Existenz überlebender Opfer und abertausender Täter vielfach als »Ereignis ohne Zeugen« bezeichnet. Diese Krise der Zeugenschaft im Holocaust war bereits in frühen Berichten von Überlebenden erkennbar. Sie ist wesentlich dem spezifischen Vorgang der Massenvernichtung wie dem daraus folgenden Unvermögen geschuldet, die dort gemachte Erfahrung sprachlich zu übermitteln. 1. Einführung Der Zeuge ist in religiöser Übe…