Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur

Get access Subject: Jewish Studies
Edited by: Dan Diner

Von Europa über Amerika bis zum Vorderen Orient, Nordafrika und anderen außereuropäischen jüdischen Siedlungsräumen erschließt die Enzyklopädie die neuere Geschichte der Juden von 1750 bis 1950.

Rund 800 Stichwörter präsentieren den Stand der internationalen Forschung und entwerfen ein vielschichtiges Porträt jüdischer Lebenswelten - illustriert durch viele Karten und Abbildungen. Übergreifende Informationen zu zentralen Themen vermitteln ca. 40 Schlüsselartikel zu Begriffen wie Autonomie, Exil, Emanzipation, Literatur, Liturgie, Musik oder Wissenschaft des Judentums. Die Enzyklopädie stellt Wissen in einen Gesamtkontext und bietet Wissenschaftlern und Interessierten neue Einblicke in die jüdische Geschichte und Kultur. Ein herausragender Beitrag zum Verständnis des Judentums und der Moderne.

Die Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur Online basiert auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur von J.B. Metzler Verlag (2011–2015), herausgegeben von Dan Diner.

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Phänomenologie

(3,517 words)

Author(s): Wussow, Philipp von
Die Phänomenologie (von griech. phainómenon und logos; wörtl.: Wissenschaft von den Phänomenen) war eine der bedeutendsten Strömungen der europäischen Philosophie im 20. Jahrhundert. Von ihrem Begründer Edmund Husserl (1859–1938) als eine »strenge Wissenschaft« konzipiert, stand die Lehre zunächst nicht in einem jüdischen Resonanzrahmen und schloss alle kontingenten Momente von Herkunft und Erfahrung aus. Erst mit der Weiterbildung durch so unterschiedliche Denker wie Max Scheler…

Philanthropie

(3,874 words)

Author(s): Levi D'Ancona Modena, Luisa
In der jüdischen Philanthropie, die sich seit dem Ausgang des 18. Jahrhunderts ausbildete, überschneiden sich traditionelle und moderne Vorstellungen. Das philanthropische Engagement zielte auf die Linderung der Folgen sozialer Benachteiligung von Juden, aber auch von Nichtjuden, darüber hinaus auch auf die Unterstützung von Kunst und Kultur (Mäzene). Während sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts vorrangig einzelne vermögende Juden philanthropisch betätigten, zogen die zunehmende Verarmung von…

Philanthropin

(3,548 words)

Author(s): Wachten, Johannes
Das Philanthropin wurde 1804 als Freischule reformorientierter Strömungen der Frankfurter Jüdischen Gemeinde gegründet und stellt die am längsten existierende jüdische Schule in Deutschland dar. Sein auf »sittliche Bildung« ausgerichteter Unterricht machte es zu einem der bedeutendsten Reformprojekte innerhalb des deutschen Judentums in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nach 1933 immer mehr eingeschränkt, wurde die Schule 1942 geschlossen; seit 2006 ist das Gebäude wi…

Philosophie

(6,629 words)

Author(s): Mendes-Flohr, Paul
Die jüdische Philosophie entstand nicht aus dem Judentum selbst heraus. Vielmehr wurde sie durch die Begegnung mit anderen Kulturen angeregt, in denen die kritische Überprüfung von Ideen und Werten im Licht der Vernunft stärker verwurzelt war. Durch diese Auseinandersetzung wurde das jüdische Denken sich seiner universellen Implikationen zunehmend bewusst, anstatt in einer partikularistischen Auffassung zu verharren. Das zentrale Thema der jüdischen Philosophie blieb gleichwohl das Verhältnis von Vernunft und Offenbarung. 1. Antike und Mittelalter Jüdische Philosophie…

Physik

(4 words)

s. Relativitätstheorie

Pilegesh

(1,238 words)

Author(s): Zadoff, Noam
Selbstbezeichnung eines in den 1930er und 1940er Jahren bestehenden Freundeskreises Jerusalemer Gelehrter aus Mitteleuropa, die größtenteils an der Hebräischen Universität lehrten. Die sechs Mitglieder des Zirkels, darunter auch der Kabbala-Forscher Gershom Scholem, trafen sich jeden Samstag in einer ihrer Wohnungen im Stadtviertel Rechavia, um auf Deutsch über geistige und alltägliche Fragen zu sprechen. Der Kreis überzeugter Zionisten, dessen Bezeich…

Pinkasim

(1,649 words)

Author(s): Litt, Stefan
Pinkasim (hebr. pinkasim, kurz für pinkase kahal) sind Protokollbücher, die insbesondere seit der frühen Neuzeit in aschkenasischen Gemeinden Verbreitung fanden. In ihnen fixierten die Vorstände ( kahal ) der autonomen jüdischen Gemeindeverwaltungen Statuten sowie Regeln und Erlasse zum jüdischen Alltagsleben. Durch die oft über viele Jahrzehnte fortgeführte Dokumentation der Regulierungen meist profaner Gemeindebelange waren sie für die interne Gemeindeadministration von hoher juristischer Bedeutung. Als Gedächtnisspeich…

Piraten

(1,976 words)

Author(s): Studemund-Halévy, Michael
In der frühen Neuzeit standen jüdische und neuchristliche Piraten, Privateers (Kaperer), Filibustiers, aber auch Schiffseigner, Agenten und »negreiros« (Sklavenhändler; Sklavenhandel) in den Diensten von Sultanen, Königen und Handelskompanien. Viele von ihnen bekämpften das Heilige Römische Reich und die katholischen Länder, aus denen sie oder ihre Vorfahren unter Androhung des Feuertods vielfach vertrieben worden waren. Vor allem im Mittelmeerraum und in der Karibik nutzte…

Piscator-Bühne

(5,251 words)

Author(s): Hofmann, Stefan
Die Piscator-Bühne wurde trotz ihres relativ kurzen Bestehens von 1927 bis 1931 zum Inbegriff des politischen Theaters der Avantgarde in der Weimarer Republik. Jüdische Künstler engagierten sich seit dem Ende des Ersten Weltkriegs in avantgardistischen Theaterformen, die sich ab Mitte der 1920er Jahre zunehmend politisierten. Mit ihrer Theaterarbeit setzten sie sich für gesellschaftliche Vorstellungen ein, die ein Dasein jenseits der Herkunft versprachen. Zahlreiche von ihnen arbeiteten mit Erwi…

Piyut

(2,702 words)

Author(s): Seroussi, Edwin
Der Begriff Piyut (Pl. Piyutim; von griech. poíēsis, Gestaltung, Schöpfung) umfasst im weitesten Sinne die Gesamtheit der hebräischen religiösen Dichtung von der nachbiblischen Zeit bis zur Gegenwart. Ursprünglich erfolgte der Vortrag des Piyut an der Seite der Pflichtgebete im Gottesdienst (Liturgie); seit dem Mittelalter verbreitete er sich auch in weltlichen Kontexten. Im Lauf der Jahrhunderte entstand in Palästina und der Diaspora ein umfangreiches Korpus an Piyutim, die hauptsächlich für den gesan…

Pletsl

(3,514 words)

Author(s): Leglaive-Perani, Céline
Mit Pletsl (jidd.; kleiner Platz) bezeichneten Juden aus dem östlichen Europa um 1900 ihr Wohnviertel in Paris. Von Armut geprägt, wurde es im späten 19. Jahrhundert zum symbolischen Ort der meist aus Polen und Russland stammenden jüdischen Einwanderer. Die größtenteils im Handwerk beschäftigten Immigranten litten unter schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen, weshalb aus ihnen eine jiddischsprachige Arbeiterbewegung hervorging. Die Konflikte innerhalb der jüdisc…

Pluralismus

(3,290 words)

Author(s): Greene, Daniel
Die Theorie des kulturellen Pluralismus geht auf den amerikanisch-jüdischen Philosophen Horace Kallen (1882–1974) zurück. Kallen verwandte den Begriff des Pluralismus zur Konzeption einer amerikanischen Nation, in der zahlreiche ethnische Gruppen harmonisch zusammenleben. Zudem sollte der Pluralismus, wie Kallen ihn verstand, eine kulturelle Renaissance des Judentums befördern, die geeignet ist, eine jüdische Kontinuität über die Generationen hinweg zu gewährleisten. 1. Einführung In einem Aufsatz aus dem Jahr 1924 mit dem Titel Culture and the Ku Klux Klan stellte Kal…