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Historiography

(15,989 words)

Author(s): Harth, Dietrich (Heidelberg RWG) | Davies, John K. (Liverpool RWG) | Walther, Gerrit (Frankfurt/Main RWG) | Demandt, Alexander (Berlin RWG)
Harth, Dietrich (Heidelberg RWG) I. General (CT) [German version] A. Introduction (CT) History and historiography are terms that can be used in a variety of ways. Not only are they frequently used synonymously, but depending on the context they refer to such different activities as the study of the past and the presentation of research results. This difference is reflected in the words historíēs apódexis, with which Herodotus began his accounts. In Herodotus' usage, the Greek noun historíē, which still defines 'historical knowledge' as distinct from other types of knowl…

Antiquarianism (Humanism until 1800)

(6,902 words)

Author(s): Walther, Gerrit (Frankfurt/Main RWG)
Walther, Gerrit (Frankfurt/Main RWG) [German version] A. Concept, Content and Form (CT) During the period covered here, antiquities antiquitates, antiquités, ‘Antiquitäten’, ‘Alterthümer’ were understood as the totality of written documentation or material remains (such as coins, monuments, objects of art and everyday items) that might provide information about the daily conditions, customs, practices, cults, institutions, in short the culture, of an ancient people. An antiquarius was an authority, a collector and archivist of such documents and fragments. A…

Geschichtswissenschaft/Geschichtsschreibung

(13,945 words)

Author(s): Harth, Dietrich (Heidelberg) RWG | Davies, John K. (Liverpool) RWG | Walther, Gerrit (Frankfurt/Main) RWG | Demandt, Alexander (Berlin) RWG
Harth, Dietrich (Heidelberg) RWG I. Allgemein (RWG) [English version] A. Einleitung (RWG) Geschichte und Historiographie/Geschichtsschreibung (im folgenden abgekürzt: G.) sind vielseitig verwendbare Ausdrücke. Nicht nur, daß sie häufig vertauscht werden; sie bezeichnen auch je nach Kontext so verschiedene Tätigkeiten wie die Erforschung des Vergangenen und die Darstellung der Forschungsergebnisse. Eine Differenz, die schon in den Worten historíēs apódexis anklingt, mit denen Herodot seine Erzählungen eröffnet hat. Das griech. Nomen historíē, das bis h. “histor. …

Altertumskunde (Humanismus bis 1800)

(5,986 words)

Author(s): Walther, Gerrit (Frankfurt/Main) RWG
Walther, Gerrit (Frankfurt/Main) RWG [English version] A. Begriff, Gehalt, Form (RWG) Unter antiquitates, antiquités, antiquities, “Antiquitäten” bzw. “Alterthümern” verstand man in der hier behandelten Epoche eine Summe einzelner schriftlicher Nachrichten oder materialer Überreste (wie Münzen, Monumente, Kunst- und Gebrauchsgegenstände), die Auskunft über die alltäglichen Lebensumstände, Sitten, Gebräuche, Kulte, Institutionen, kurz: die Kultur eines ant. Volkes geben konnten. Ein Antiquarius war ein Kenner, Sammler und Ordner solcher Nachrichten und …

Barbar

(1,858 words)

Author(s): Grünberger, Hans | Walther, Gerrit
1. Begriff Der schon bei Homer verwendete Begriff wurde seit dem 14. Jh. zu einem zentralen Schlagwort europ. Kulturkritik. Polemisch bezeichnete er jeden, der die Werte, Forderungen und Vertreter humanistischer Bildung ignorierte oder gar aktiv bekämpfte (Humanismus), bzw. jeden, dessen soziale Machtansprüche nicht durch eine entsprechende Aufgeschlossenheit für nzl. Kultur und für urbane Formen gesellschaftlichen Umgangs legitimiert schienen. Besondere polemische Kraft erhielt der Vorwurf, ein B…

Tradition

(5,798 words)

Author(s): Walther, Gerrit | Walter, Peter | Leppin, Volker | Reichmuth, Stefan
1. Geschichte und Kultur 1.1. Überblick T. bedeutet »Überlieferung«. Idealtypisch versteht man darunter einen je spezifischen Fundus von Wissensbeständen und Techniken, Sitten und Bräuchen, Einstellungen und Haltungen, Normen und Institutionen, der innerhalb einer Gemeinschaft relativ unverändert von einer Generation an die folgende weitergegeben wird und deren Kultur dadurch Kontinuität und Identität verleiht. »Als Träger von T. im engeren und weiteren Sinne gelten bevorzugt die kleinen sozialen Einh…

Altertumskunde

(2,051 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Form Der durch die berühmte, aber nur ganz fragmentarisch erhaltene antiquarische Schrift Antiquitatum rerum humanarum et divinarum (»Altertümer menschlicher und göttlicher Institutionen«) des röm. Gelehrten Marcus Terentius Varro (116–27 v.Chr.) geläufige lat. Begriff antiquitates (franz. antiquités, engl. antiquities, »Antiquitäten« bzw. »Alterthümer«) wurde vor 1800 synonym mit Archäologie verwendet. Er bezeichnete schriftliche Nachrichten oder materiale Überreste (wie Münzen, Monumente, Kunst- und Gebrauchsgegenstän…

Bildung

(6,836 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Für jenen Formationsprozess, in dessen Verlauf das Individuum durch Erziehung und eigene Anstrengungen zu einer Persönlichkeit werden soll, die den Normen der ihn bestimmenden Gesellschaft möglichst gut entspricht, stand in den europ. Kultursprachen der Frühen Nz. ein breites Wortfeld zur Verfügung. Dabei dominierten von Anfang an die nationalsprachlichen Ableitungen der lat. Begriffe educatio (»Erziehung«, »Erzogen-Sein«), eruditio (»Belesenheit«) und scientia ( »Wissen«). Einen didaktischen Klang besaß das engl.-franz. formation – ein Zusammenwirken …

Witz

(1,914 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der Begriff W. (von mhdt. witze, » Verstand«, »Einsicht«, »Klugheit«; lat. ingenium, ital. ingegno, span. ingenio, engl. wit, franz. esprit) meinte in der Nz. die Kunst, scheinbar disparate Gedanken und Ideen auf eine überraschende Weise zu verknüpfen und in eine Formulierung zu fassen, die den Hörer bzw. Leser durch geistreiche Knappheit verblüffte und spontan überzeugte [1. 874]; [10. 7 f.]. So galt W. als eine Grundbedingung geistiger Produktivität, als ein Kernelement kultivierter Konversation und pragmatischer Klugheit. Daher war er seit dem 17. Jh. ei…

Siegel

(1,534 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Bedeutung Ein S. (von lat. sigillum, Verkleinerungsform von signum, »Zeichen«; vgl. ital. sigillo, span. sello, franz. cachet bzw. sceau, engl. seal) ist ein Bild, das spiegelverkehrt in einen (oft selbst als S. bezeichneten) Stempel aus Metall, Stein, Holz oder Horn (Typar oder Petschaft) eingraviert und mit diesem auf weiches, aber rasch erhärtendes Material (meist Wachs, seit etwa 1560 eher Lack) oder eine Oblate aus Papier aufgedrückt wird. Es dient dazu, Rechtsakte von Herrschern, Regierungen, Korpo…

Geisteswissenschaften

(1,952 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Idee und Begriff Idee und Begriff der G. entstanden im Deutschland des späten 19. Jh.s. Sie erwuchsen aus der Überzeugung des Historismus, dass menschliches Wollen, Denken und Handeln nicht mit den induktiven Verfahren der Naturwissenschaften gemessen und auf allgemeine Regeln zurückgeführt werden könnten, sondern als Äußerungen einer je einzigartigen Individualität in ihren konkreten Erscheinungsformen um ihrer selbst willen studiert werden müssten. Seither versteht man unter G. die Summe jener gelehrten Disziplinen, »welc…

Latinistik

(1,077 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Überblick Latein war in der Nz. eine in der Diplomatie, in der Wissenschaft und im Bildungs-Wesen aktiv gebrauchte und somit lebende Sprache. Dies förderte seine gelehrte Erforschung allerdings nur bedingt. Vor dem 19. Jh. nämlich studierte man es weniger um seiner selbst willen als in gegenwartspraktischer Absicht: um es besser schreiben und sprechen zu können, um den (nach wie vor verbindlichen) klassischen Kanon der antiken Literatur zu kennen, das (ebenso gültige) Röm. Recht zu verstehen und an der Größe des antiken Rom teilzuhaben ( Antikerezeption). Anders als etwa d…

Dame

(1,513 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der nach 1650 aus dem franz. dame bzw. dem ital. dama oder donna ins Deutsche übernommene Begriff ist von lat. domina (»Herrin«) abgeleitet. Synonyme für »Herrin« sind auch seine Entsprechungen im Spanischen ( señora) und Englischen ( lady, von angelsächs. hlafdige = »Brotherrin«). Als höfischer Titel wurde er meist in Verbindung mit dem Possessiv »mein«, ma bzw. my, gebraucht ( Madame, Madonna, My Lady bzw. Milady). Beim Schach- und beim Kartenspiel bezeichnet D. die zweitwichtigste Figur oder Karte [1]. 2. Trägerinnen Prinzipiell war der Titel D. der höchsten Herrscher…

Neugier

(1,453 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Problem und Begriff Sein Wissen erweitern zu wollen, galt in der Nz. keineswegs prinzipiell als Tugend. Vielmehr wurde die Frage, wie weit N. (auch Curiosität, von lat. curiositas; ital. curiosità; span. curiosidad; franz. curiosité, engl. curiosity) reichen dürfe bzw. an welchen Grenzen sie Halt machen müsse, zwischen MA und Aufklärung intensiv und kontrovers diskutiert. Diese Debatte, die in so unterschiedlichen Medien wie Predigten, Disputationen, Dissertationen, Komödien und Reiseberichten geführt wurde, begleitete die Entstehung der nzl. Gelehrsamkeit, hemmte …

Fortschritt

(2,122 words)

Author(s): Sparn, Walter | Walther, Gerrit
1. Begriff Das um 1770 aus dem franz. progrès gebildete Wort »F.« bezeichnet wie dieses und seine Äquivalente (engl. progress, improvement, advancement; ital. progresso) die spezifisch nzl. Auffassung geschichtlicher Bewegung und Veränderung im Unterschied zu älteren Bewegungsbegriffen wie »Weg«, »Wachstum« oder » Entwicklung«. Zwar können auch schon die lat. Wortwurzeln (lat. progressus, profectus, processus) die Veränderung der Dinge hin zum Besseren bedeuten; das an kosmischen Zyklen orientierte Weltbild der Antike, aber auch die christl. Vorst…

Verstellung

(2,172 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Überblick V. wurde in der Nz. in den meisten europ. Kultursprachen mit den seit Cicero geläufigen, durch Tacitus prominenten lat. Begriffen simulatio und dissimulatio benannt. Meinte Letzterer das Verbergen der eigenen An- und Absichten, bezeichnete Ersterer das Vortäuschen anderer als der tatsächlich gehegten Gedanken und Pläne. Obwohl V. als Lüge streng verpönt war – die Wahrheit zu sagen, war gleichermaßen Gebot christlicher Moral, adliger Ehre, vasallischer Treue wie kaufmännischer Kreditwürdigkeit –, blieb sie als ein Modus vorneh…

Konversation

(1,129 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der im 16. Jh. in die meisten europ. Sprachen übernommene Begriff K. (von lat. conversari, »verkehren«, »Umgang haben«; eigentlich: »gemeinsam umherschweifen«) bezeichnet ein typisches Ritual europ. Gebildeter der Nz.: das informelle Gespräch im kleinen Kreis, dessen wichtigstes Ziel es war, das jeweilige Thema möglichst gut, schön und unterhaltsam zu behandeln. Im Gegensatz zu institutionalisierten Formen der Kommunikation (etwa Verhör-, Lehr- oder Beichtgesprächen, Verhandlungen bei Hof, vor Gericht, in Rats-Gremien, kirchlichen, ständi…

Epoche

(3,523 words)

Author(s): Walther, Gerrit | Kanz, Roland | Riedl, Peter Philipp
1. Geschichte 1.1. Begriff Das griech. Wort epochḗ (»das Anhalten«) meinte in der antiken Alltagssprache das Innehalten in der Rede oder in einer Bewegung, in der Astronomie das Zusammentreffen zweier Himmelskörper und in philosophischen Zusammenhängen den Verzicht darauf, ein Urteil zu fällen (Skepsis). In der Nz. dominierten zunächst die beiden letzten Bedeutungen. Einen histor. Sinn nahm der Begriff erst allmählich an. Bis ins 18. Jh. bezeichnete er dabei nicht einen bestimmten Zeitabschnitt, sondern das Ereignis, das diesen eröffnete. Noch 1771 konnte J. Ch. Gatterer …

Späthumanismus

(1,977 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Als Bezeichnung einer kulturgeschichtlichen Epoche zwischen Humanismus (= Hum.) und Barock wird S. oft benutzt, aber selten definiert. Nur darin stimmen alle gängigen Verwendungen überein, ihn zugleich als soziales Phänomen und als Ensemble von Bildungsinhalten zu betrachten. In die Literaturwissenschaft eingeführt wurde der (bislang nur in der dt.sprachigen Forschung gebräuchliche) Begriff 1931 von Erich Trunz [12], der S. als »Standeskultur« zumeist protest. Gelehrter im Alten Reich um 1600 beschrieb. Der Historiker Gerhard Oestreich erweiterte und dyn…

Spinozismus

(1,419 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Das seit 1699 belegte, aber offenbar ältere Wort S. war im 17. und 18. Jh. in vielen europ. Sprachen ein unspezifischer Sammelbegriff für alle Positionen, die man mit den Lehren des niederl.-jüd. Philosophen Baruch de Spinoza (1632–1677) in Verbindung brachte. Als Spinozisten (= St.) bezeichnete man Denker, die sich zu diesen Lehren bekannten oder denen man unterstellte, dies zu tun. Beide Begriffe waren mithin Fremdbezeichnungen und wurden fast durchwegs polemisch gebraucht, da unter den Zeitgenossen Einigkeit herrschte, dass Spinozas Philosophie zu Materialis…
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