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Your search for 'dc_creator:( "O. Mazal" ) OR dc_contributor:( "O. Mazal" )' returned 129 results. Modify search

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Saint-Omer-Psalter

(247 words)

Author(s): O. Mazal
Das frühe 14. Jh. war die Blütezeit der ostanglischen Kunst; der Stil dieser Landschaft verbreitete sich zu einer in England dominierenden Illuminationsweise. Enthalten auch Prachthss. qualitätvolle ganzseitige Miniaturen, so sind solche in den meisten ostanglischen Hss. selten; die Verzierung beschränkt sich auf historisierte Initialen und üppige Randornamentik. Der zwischen 1330 und 1340 begonnene S. (London, British Library, Ms. Yates Thomson 14) ist eines der letzten Meisterwerke des ostangl…

Stummvoll, Josef

(264 words)

Author(s): O. Mazal
*19. 8. 1902 in Baden bei Wien, † 22. 3. 1982, ebd. Generaldirektor der Österr. NB. S. studierte 1920–1924 an der technischen Hochschule und der Univ. Wien Chemie, Physik, Philosophie und Psychologie. 1924 erwarb er den Titel Diplomingenieur. Ab April 1925 war er als Bibliothekar an der Dt. Bücherei in Leipzig tätig, kurzfristig auch 1926 an der Bibl. des Instituts für Weltwirtschaft und Seeverkehr in Kiel. Ein zwei- tes Studium brachte ihm 1935 den Doktortitel in Philo-sophie und Zeitungswissen…

Dagulf

(110 words)

Author(s): O. Mazal
Schreiber des sog. Goldenen Psalters Karls des Großen, auch Dagulf-Psalter genannt (Wien, Österr. NB, Cod. 1861), wohl identisch mit dem von Alkuin in einem Brief genannten «scriniarius» Dogwulf. Die D.-Minuskel ist eines der bedeutendsten Beispiele der frühen karolingischen Minuskel. Ob D. Mönch oder Weltgeistlicher war, ist unbekannt. Sein Name als «exiguus famulus» des Königs kommt in der Widmungsschrift des Goldenen Psalters an Karl den Großen vor. Der Name D.s erscheint auch in der Hs. der British Library, Harley 3685 und in Cod. 335 der Schloßbibl, in Pommersfelden. O. Mazal B…

Toskanische Buchmalerei

(2,159 words)

Author(s): O. Mazal
Die Denkmäler der toskanischen Buchmalerei des 11. und 12. Jh.s sind nicht so zahlreich wie jene der umbro-röm. Region, verraten aber doch eine nicht unerhebliche Aktivität der Skriptorien, gegenüber der jene der Tafel- und Wandmalerei abfällt. Zur zeitgenössischen umbro-röm. Malerei bestehen unleugbare formale Ähnlichkeiten, doch wurden die gemeinsamen Traditionen von den toskanischen Meistern in originärer Weise interpretiert. Als Stil der Initiale entwickelte sich in der Toskana ein geometrischer Stil. Die Initiale war durch eine Struktur bestimmt,…

Ungarische Bilderchronik

(276 words)

Author(s): O. Mazal
Zu den größten Prachtwerken aus der Epoche der Anjou und zugleich zu den bedeutendsten Dokumenten ungar. Historiographie zählt die U. (Chronicon pictum; Chronica de gestis Hungarorum; Budapest, Országos Széchényi Könyvtár, Clmae 404; früher Hofbibl. zu Wien). Die vermutlich für König Ludwig I. von Ungarn (1341–1382) bestimmte Hs. wurde am 15. Mai 1358 begonnen und war wohl bereits vor 1370 fertiggestellt. Der Text, in welchen auch Dokumente ungar. Gesch.schreibung verarbeitet sind, führt von der…

Franz I., Kaiser von Österreich

(220 words)

Author(s): O. Mazal
* 12. 2. 1768 in Florenz, † 24. 2. 1835 in Wien, bis 1806 als Franz II., römisch-deutscher Kaiser, war ein Bibliophile, der nicht nur um die Vermehrung der Bestände der kaiserlichen Hofbibl, bemüht war, sondern auch selbst Bücher sammelte. Er brachte 1784 aus Florenz eine große Privatbibi, mit, die im Jahre 1814 auf 40 Tsd. Bde. und 100 Tsd. Kupferstiche und Bildblätter angewachsen war. Dieser Bestand bildete die Grundlage für die Habsburg-Lothringische Familien-Fideikommißbibl. in Wien, die ers…

Handschriftenbenutzung

(363 words)

Author(s): O. Mazal
Die Benutzung von Hss. in Biblen soll nur für wiss. Zwecke unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen erfolgen. Nach Möglichkeit ist ein eigener Lesesaal für Hss. vorzusehen, zumindest jedoch bes. kontrolherte Arbeitsplätze. Der Anmeldung des Benutzers ist besondere Aufmerksamkeit zu schenken; schriftliche Voranmeldung ist empfehlenswert. Vor der Benutzung sind abe konservatorischen und rechtlichen Belange zu klären. Die Benutzung selbst muß mehrfach verbucht werden, so etwa im Benutzerbuch, auf Benutz…

Quedlinburger Italafragmente

(238 words)

Author(s): O. Mazal
Zu den frühesten Bibelhss. mit reicher bildlicher Ausstattung zählte jener Codex des 5. Jh.s, von dem Fragmente unter dem Namen «Q.I.» erhalten sind (Berlin, SB Cod.theol.lat.fol. 485). Aus einer Hs. der lat. Version der Bücher der Könige wurden zwischen 1865 und 1930 fünf Bl. und ein Fragment eines sechsten Bl. in Einbänden von Quedlinburger Archivalien entdeckt; der Quedlinburger Buchbinder Asmus Reitel hatte sie 1619 als Makulatur zum Einbinden benutzt. Auf jeder Bildseite sind mehrere Szenen…

Klesl (Khlesl), Melchior

(116 words)

Author(s): O. Mazal
Februar 1552 in Wien, f 18. 9. 1630 ebd. Als Bischof von Wien (seit 1602) suchte K. durch die Schaffung einer großen Bibl, den Klerikern geistiges Rüstzeug an die Hand zu geben. Dem Schulwesen und der sittlich–religiösen Unterweisung galt seine bes. Aufmerksamkeit. Erzherzog Ferdinand und die Kriegspartei, im Gegensatz zu dem mit den Protestanten verhandelnden Kaiser Matthias, bewirkten 1618 die Verhaftung K.s, der in Tirol und ab 1622 in Rom in Haft gehalten wurde, aber 1623 rehabilitiert und i…

Busbeck, Augerius (Ogier) Ghislain

(142 words)

Author(s): O. Mazal
*1522 in Commines (Flandern), † 28. 10. 1592 in Maillot bei Rouen, Staatsmann und Bibliothekar; im Dienst von Kaiser Ferdinand I. führte er 1554 Friedensverhandlungen mit Sultan Suleiman II. und blieb bis 1562 als Gesandter in Istanbul. Hier brachte er seine Slg. von 240 Hss. zusammen, die er 1576 der kaiserlichen Hofbibi, in Wien schenkte. Nach seiner Rückkehr 1563 wurde ihm die Erziehung der Söhne Maximilians II. anvertraut; auch hatte er die kaiserliche Bibl, zu betreuen. 1582 wurde er Botschafter Kaiser Rudolfs II. am franz. Hof. O. Mazal Bibliography Busbeck, A. G.: Omnia quae ex…

Beutelbuch

(94 words)

Author(s): O. Mazal
Sonderform des mittelalterlichen Bucheinbandes; sie kommt dadurch zustande, daß über den einfachen Lederband ein zweiter Bezug gelegt wird, der über den Unterschnitt hinausragt, so daß das Buch daran wie ein Beutel getragen und auch am Gürtel befestigt werden kann. Beutelbuch. Latei-Beutelbuch. Lateinische Breviernische Brevierhandschrift des 15. handschrift des 15. Jh.s aus Kloster Jh.s aus Kloster Tegernsee. An Tegernsee. An dem geöffneten Beutelbuch sind die Blattweiser sichtbar. Münsichtbar. Bayerische Staatsbibliothek. Cod. Lat. 19309. O. Mazal Bibliography Helwig…

Monogrammisten

(209 words)

Author(s): O. Mazal
Als M. bezeichnet man Künstler, vornehmlich Graphiker, von denen nur das Monogramm, aber nicht der volle Name bekannt ist. Oft haben Holzschneider oder Stecher mit ihrem Monogramm signiert. Häufig begegnet seit der Renaissance das Monogramm auch auf Rollen und Platten, wo es den Stempelschneider bezeichnet, fallweise auch den Buchbinder. Bekannte M. der Frühzeit des Holzschnittes waren etwa der Meister b in Venedig um 1490 — 1500, der Meister d in Köln um 1450/75, der Meister D A mit dem Anker, …

Philipp der Gute, Herzog von Burgund

(343 words)

Author(s): O. Mazal
* 31· 7· 1396, 25. 7 · 1467. Unter P.s Regierung begann die Blütezeit der flämischen Buchmalerei. Mit der Verlagerung der Hofhaltung nach Lille, Brüssel, Gent und Brügge erhielten die flämischen Buchmaler im eigenen Lande Arbeit und Förderung; es kamen sogar Pariser Künstler nach Flandern und Brabant wie Philippe de Mazerolles und Jehan Dreux. Drei Prachthss. für P. zeigen exemplarisch das Wechselverhältnis von Prunkentfaltung und politischem Anspruch. Der «Roman de Girart de Roussillon» (Wien, …

Miroslav-Evangeliar

(400 words)

Author(s): O. Mazal
Das M. (Cod. Miroslavanus) im Narodni Muzej Beograd aus dem 12. Jh. gehört zu einer Gruppe altslawischer liturgischer Evangeliare, die auf einen Archetypus in Gestalt der Übers, der Evangelien aus dem Griech. durch den Slawenapostel Kyrillos zurückgehen. Das Evangeliar ist für den liturgischen Gebrauch adaptiert; es enthält für fast alle Tage des Kirchenjahres die entsprechenden Lesungen. Die Analyse des Inhalts gestattet es, ein Stemma der altslawischen Evangeliare aufzustellen. Vom Archetyp (A…

Ruodprecht-Gruppe

(583 words)

Author(s): O. Mazal
Zu den prachtvollsten Produkten ottonischer Buchmalerei gehören illuminierte Hss. um den Erzbischof Egbert von Trier (regierte 977–993), die in der kunsthistorischen Forschung bislang meist der Schreib- und Malerschule der Reichenau zugewiesen worden waren und nach Schreibern, Künstlern oder Auftraggebern in Gruppen eingeteilt wurden: die Eburnant-Gruppe, die R., die Gruppe um den Cod. Egberti und die Liuthar-Gruppe. Der Name der R. beruht auf der Darstellung eines Ruodprecht im Egbert-Psalter (…

Sforza-Gebetbuch

(28 words)

Author(s): O. Mazal
Meisterwerk der flämischen Buchmalerei des 3. Viertels des 15. Jh.s (Wien, Österreich. NB, Cod. 1856), auch bekannt als Schwarzes Gebetbuch des Galeazzo Maria Sforza. O. Mazal

Papyrus–Illustration

(650 words)

Author(s): O. Mazal
Die Rekonstruktion der Buchmalerei der Antike in der Epoche der Vorherrschaft des Papyrus als Schriftträger stößt infolge der beschränkten Zahl der erhaltenen Denkmäler auf Schwierigkeiten.An sich war die Tradition der P. sehr alt; die ältesten ill. ägyptischen Totenbücher reichen in das 20. Jh. v. Chr. zurück. Es besteht kein Zweifel, daß auch bereits im Zeitalter des Hellenismus die griech. Buchmalerei hoch entwickelt war. Einerseits war das weite Gebiet der wiss. Texte von Natur aus eng mit I…

Kollár von Keresztén, Adam Franz

(195 words)

Author(s): O. Mazal
*15. 4. 1723 in Tarchewa (Komitat Trentschin, Ungarn), † 10. 7. 1783 in Wien. K. studierte in Neusohl, Schemnitz und Tyrnau und trat 1737 dem Jesuitenorden bei, den er allerdings 1748 wieder verließ. Im selben Jahr wurde er Erster Skriptor der Hofbibl. in Wien, 1758 Erster Kustos; nach dem Tode von Gerard van Swieten 1772 übernahm er die interimistische Leitung. Zu den bedeutendsten Erwerbungen seiner Ära zählen die Bücherslg. van Swietens und die Bestände der 1773 aufgehobenen Jesuitenbibl.en; …

Thomasevangelium

(466 words)

Author(s): O. Mazal
Nach Angabe der gnostischen Schrift «Pistis Sophia» hat Jesus nach seiner Auferstehung außer Philippus und Matthäus auch Thomas mit der Aufzeichnung seiner Reden beauftragt. Seit dem 3. Jh. ist denn auch ein Werk mit dem Titel «Evangelium des Thomas» bekannt. Bereits Hippolytos († 235) erwähnt ein solches Buch; Origenes zählt es um 233 zu den heterodoxen Evangelien; ähnlich urteilen Eusebios von Kaisareia († 339 oder 340) und Philippus von Side (um 430). Einige griech. Kirchenschriftsteller rech…

Cutbercht-Evangeliar

(187 words)

Author(s): O. Mazal
Codex 1224 der ÖNB Wien, lat. Evangeliar, vom angelsächsischen Mönch Cutbercht vielleicht in Salzburg – jedenfalls sicher auf dem Kontinent – in insularer Halbunziale und Minuskel geschrieben gegen Ende des 8. Jh.s. Den Schmuck bilden vier Evangelistenbilder, acht Seiten mit Kanonestafeln und fünf große Initialen. Der Text, die lat. Übers, der Evangelien in der Rezension des Hieronymus (Vulgata), beruht auf einer Vorlage, die aus Oberitalien stammt und noch von einer altlat. Übers, beeinflußt wa…

Gilgengartschrift

(146 words)

Author(s): O. Mazal
Aus der Druckerei Hans Schönspergers in Augsburg stammt die als G. bezeichnete gotische Buchtype, die auch als Zwillingsschwester der Theuerdanktype angesprochen werden kann. Sie bezieht ihren Namen von einem Andachtsbuch mit dem Titel «Das büchlein ist genannt der Gilgengart einer yetlichen christenlichen Seel», das zu Augsburg in vier Ausgaben 1520 und 1521 erschien. Unter Gilgengart ist der Liliengarten zu verstehen. In der Type finden sich Einflüsse kursiver Elemente und der Kanzleischrift; …

Koronis

(143 words)

Author(s): O. Mazal
Die K. (xoQCüviq) stellt im Gefüge der Interpunktion griech. Papyri und alter Pergamenthandschriften die stärkste Form des Einschnittes dar. Sie ist aus der Paragraphos, dem ältesten Satztrennungszeichen, durch schnörkelige Zierstriche entwachsen und bildet derart ein leicht kenntliches Schlußzeichen am Ende eines größeren Abschnittes, einer Strophe oder eines ganzen Buches. Sie steht am linken Ende der Schriftkolumne oder etwas darunter; oft kann sie die Form eines S-förmigen Zeichens haben, da…

Eichler, Ferdinand

(138 words)

Author(s): O. Mazal
*18. 10. 1863 in Schallan in Böhmen, † 14. 4. 1945 in Knittelfeld. E. studierte klassische Philologie an den Univ. Wien, Heidelberg, Berlin, Graz und Göttingen, wirkte zuerst am Joanneum in Graz, seit 1889 an der UB Graz, deren Direktor er von 1918 bis 1924 war. 1921 wurde er Privatdozent für Bibliothekswissenschaften, 1923 Professor. Er war Mitbegründer und Ehrenmitglied des Vereins deutscher Bibliothekare. Neben germanistischen Studien veröffentlichte er zahlreiche Arbeiten über Probleme der H…

Hohendorf, Georg Wilhelm Freiherr von

(137 words)

Author(s): O. Mazal
(1669 bis 1719), Offizier, aus Preußen gebürtig, war Generaladjutant des Prinzen Eugen von Savoyen. Er machte sich als bibliophiler Sammler einen Namen und erschloß auch für Prinz Eugen den westeuropäischen Markt. Die Slg. H.s bestand aus fast 7000 Druckwerken und rund 250 Handschriften. Unter den Hss. sind Beispiele der niederl. und franz. Buchkunst reich vertreten, aber auch flämischer und ital. Miniaturmalerei vorhanden. Unter den Drucken finden sich wertvolle Ausg. griech. und lat. Klassiker…

Handschriftenhandel

(431 words)

Author(s): O. Mazal
Eine primäre Voraussetzung für die Verbreitung eines Textes war in Antike und MA stets die Abschrift. Diese konnte freilich unter verschiedenen Umständen geschehen, je nachdem ob ein Privatmann, ein Gelehrter, ein Student, ein Mönch, ein Lohnschreiber, ein Kopist die Arbeit vornahm. Waren Texte in entsprechender Anzahl vorhanden, konnte ein Handel mit Hss. einsetzen. Erste Spuren finden wir im 6./5. Jh. v. Chr. Für Athen ist ein Buchhandel bereits lit. für diese Zeit bezeugt. Ab der zweiten Hälfte des 5. Jh.s gab es den Stand des Buchhändlers (βιβλιοπώλης, βιβλιοϰάπηλος). Ein groß…

Handschriftenillustration

(2,563 words)

Author(s): O. Mazal
Aufgabe der H. oder Buchmalerei ist es, den Schmuck von Hss. in all seinen Abstufungen herzustellen. Die Verzierung der durch Größe, Farbe und Schmuck hervorgehobenen Anfangsbuchstaben, der Initialen, konnte noch in engem Konnex mit der Arbeit des Schreibers stehen. Die einfache Farbgebung in zumeist roter Farbe – in Überschriften, Initialen, Auszeichnungsstrichen, Rubriken – war das Werk des Rubrikators. Der – Illuminator ist der Schöpfer der eigentlichen Buchmalerei, die unter Verwendung von F…

Teneyken (Ten Eyken), Jacob

(218 words)

Author(s): O. Mazal
Kalligraph flämischer Herkunft. T. signierte mehrere von ihm geschriebene Hss.; allerdings sind diese nur z. T. in dem nach ihm benannten Stil illuminiert. Der mit «Ten Eyken» bezeichnete Stil wird von der Forschung in die Normandie bzw. nach Rouen lokalisiert. Miniaturen finden sich vorzugsweise in Codices, deren Provenienz aus der gen. Region gesichert ist, etwa in Livres d’heures aus der Diözese Rouen. Eine Anzahl von Hss. der «Chronique de la Bouquechardière» des Jean de Courcy, eines norman…

Saint-Albans

(683 words)

Author(s): O. Mazal
Benediktinerabtei in Herfordshire, nordwestlich von London. König Offa von Mercien errichtete 793 ein Kloster an der Stätte, wo der heilige Alban getötet wurde; das Kloster entwickelte sich rasch zu einem der reichsten Ordenshäuser Englands und erhielt durch Papst Hadrian IV. die Vorrangstellung über alle engl. Klöster. Erst 1539 ging die Abtei an die Krone über und wurde weitgehend zerstört. Im 12. und 13. Jh. war S. ob seines Scriptoriums und seiner Buchmalerei berühmt. Das erste große Denkmal der reifen romanischen Illuminationskunst war der sog. Alb…

Handschriftenkatalogisierung

(644 words)

Author(s): O. Mazal
Die Tradition der Katalogisierung von Hss. reicht bis in die Antike zurück. Schon die griech. Bibliothekare legten mit ihren Verzeichnissen die Grundlagen für biographisch-bibliographische Arbeiten über griech. Literatur. Ihre Tradition wurde in Rom weiter gepflegt und auch von der jungen christlichen Kirche übernommen. Ma. Bibliothekskat, sind in größerer Zahl erhalten und zeugen vom Bemühen ihrer Verf., die Hss.bestände adäquat zu erfassen. Sogar die Tradition von Gesamtverz. mehrerer Bibl.en …

Frühchristliche Buchmalerei

(516 words)

Author(s): O. Mazal
Die christliche Literatur war mit der Buchform des Codex von Anfang an verbunden. Es ist daher nicht verwunderlich daß schon die f. B. in einigen Codices hervorragende Denkmäler hinterlassen hat, nachdem unter dem Einfluß der antiken Kultur die Reserviertheit gegenüber dem Bild überwunden worden war. Im frühen Christentum standen nebeneinander eine symbolische Form des künstlerischen Ausdruckes, wie sie schon in den Fresken der Katakomben und den Reliefs der Sarkophage zu Tage tritt, und eine na…

Photios

(410 words)

Author(s): O. Mazal
* um 820, Patriarch von Konstantinopel 858 bis 867 und 877—886, zählt zu den bedeutendsten Vertretern des byzantinischen Humanismus ebenso wie zu den herausragendsten Kirchenpolitikern und Theologen von Byzanz. Er eignete sich eine enzyklopädische Bildung an und lehrte Logik, Dialektik, platonische und aristotelische Philosophie, Mathematik und Theologie. In kaiserlichen Diensten stehend, unternahm P. auch Gesandtschaftsreisen. Am 25. 12. 858 wurde P. – noch als Laie nach dem Sturz des Ignatios …

Smital, Ottokar

(260 words)

Author(s): O. Mazal
* 1.6.1885 in Bodelsdorf (Mähren), † 25. 3. 1932 in Wien, Hss.bibliothekar an der NB zu Wien. Nach Studien der ma. und neueren Gesch. an der Univ. Wien ab 1904 und der Absolvierung des Instituts für Österr. Geschichtsforschung trat S. 1909 in den Dienst der Hofbibl. zu Wien. Er wurde 1918 Direktor der Hss.slg. dieser Institution, nachdem er bereits seit 1913 maßgeblich an der Führung der Abt. beteiligt gewesen war. Zu den wichtigen Erwerbungen seiner Zeit gehörte die Übernahme von mehr als Tsd. …

Menaion

(152 words)

Author(s): O. Mazal
(griechisch µɳναίον Monatsbuch), ein liturgisches Buch der byzantinischen Kirche, das die Offizienaller Feste mit festem Datum enthält, in der Mehrzahl also die Heiligenfeste. Das mfangreiche «Proprium sanctorum» der Ostkirche verlangte eine Aufteilung des M. in mehrere Bde., die mit dem 1. September beginnen; nicht selten fand eine Teilung in zwölf Monatsbände statt. Die gottesdienstlichen Texte zum Heiligenfest, die sogenannte Akoluthie, umfaßt innerhalb des jeweiligen Tagesoffiziums vornehmli…

Dagulf-Psalter

(217 words)

Author(s): O. Mazal
der Goldene Psalter Karls des Großen, nach seinem Schreiber auch D. genannt, und als Cod. 1861 in der Hss.- und Ink.slg. der Österr. NB verwahrt, ist in goldener Tinte in karolingischer Minuskel in der Hofschule Karls des Großen vor 789 begonnen und um 790–795 vollendet worden. Als Zierschriften kommen auch verschiedene Arten der Capitalis und der Unziale vor. Als kleinste Psalterhandschrift (192 X 120 mm) des ersten Jahrtausends ist der Cod. nur mit ornamentalem Schmuck ausgestattet: eine gerah…

Gennadius, H. E. Joannes

(86 words)

Author(s): O. Mazal
Der 1844 in Athen geborene Bibliophile war (bis 1918) griech. Gesandter in London. Er trat als Autor von kleineren und größeren Arbeiten über Griechenland hervor, machte sich aber noch in höherem Maße als Sammler klassischer, hellenistischer und humanistischer Lit. einen Namen. Sein Name lebt fort in der Gennadius Library der American School of Classical Studies in Athen, die Werke über griech. und nahöstliche Kultur enthält, speziell auch der byzan-tinistischen Forschung gewidmet ist; sie besitzt mehr als 80 Tsd. Bde. O. Mazal

Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VÖB)

(307 words)

Author(s): O. Mazal
Im September 1946 wurde die «Vereinigung Österreichischer Bibliothekare» als Berufsvereinigung der österr. Bibliotheksfachleute begründet. Ihre Vorgängervereinigung, der «Österr. Verein für Bibl.wesen», hatte 1896–1919 bestanden. 1938–1945 VEREINIGUNG SCHWEIZER. BIBLIOTHEKARE waren die österr. Bibliothekare zwangsweise organisatorisch und personell in den «Verein Dt. Bibliothekare» eingegliedert. Der urspr. Name des 1946 neu gegr. Verbandes wurde am Bibliothekartag 1992 in Eisenstadt in «Vereinigung Österr. Bibliothekarinn…

Schwazer Bergbuch

(516 words)

Author(s): O. Mazal
Das Prachtex. des S.es aus dem Jahre 1556 (Wien, Österr. NB, Cod. 10.852; Papierhs., 340 × 238 mm, 238 Bl.) verfolgte einen mehrfachen Zweck: die Information der Regierung über die Bedeutung des Bergbaues in Tirol, die Gewinnung von Investoren, zumal seit 1550 Augsburger Kapitalgesellschaften in wechselnder Zusammensetzung am Schwazer Bergbau beteiligt waren, was für die Gruben nicht unbedingt förderlich war; zuletzt sollte eine «Bergordnung» zusammengestellt werden. Auf den Kurztitel «1556 Perk…

Sakramentar Gregors des Großen

(183 words)

Author(s): O. Mazal
Das Fragment eines um 870 in der Hofschule Karls des Kahlen entstandenen Sakramentars (Paris, BN, Ms. lat.1141), das heute nur mehr zehn Blätter umfaßt und den Canon missae enthält, ist der Rest eines Prachtcodex, der zu einer Reihe von eng verwandten Werken gehört, die am Hofe Karls des Kahlen (823–877) geschaffen wurden. Alle Seiten sind gerahmt; der in Gold geschriebene Text ist mit fünf ganzseitigen Bildern und zwei Zierseiten geschmückt. Das Autorenbild zeigt Gregor den Großen mit seinen Sc…

Hedwig-Codex

(332 words)

Author(s): O. Mazal
Der derzeit in der Slg. Ludwig (Malibu, U.S.A., Paul-Getty Museum) verwahrte H. von 1353 ist eine Sammelhs., die Herzog Ludwig I. von Liegnitz und Brieg (um 1311–1398), ein Urenkel der heiligen Hedwig, in Auftrag gegeben hatte. Die Hs. im Umfang von 204 Pergamentbl. im Originaleinband umfaßt folgende Texte: die Genealogie der heiligen Hedwig (2v bis 8v), die Darstellung ihres Stammbaumes (9V–ior), die Legenda maior der heiligen Hedwig (13r–14r), die Legenda minor (140r-148r), ein Gebet zur heili…

Liechtenstein, Fürsten von

(401 words)

Author(s): O. Mazal
Viele Angehörige des österr. Fürstengeschlechts der L., das sich seit dem 11. Jh. belegen läßt, traten auch als Büchersammler und Bibliophile hervor, und noch in der Gegenwart ist das Geschlecht Besitzer einer ansehnlichen Bibl., deren Bestände in Wien bzw. Vaduz verwahrt werden. Hartmann II. von L. und Nikolsburg (1544—1595) galt schon seinen Zeitgenossen als gelehrter Mann. Aus Hartmanns Bibl, sind noch an die 200 Bde. erhalten, die durch das Supralibros H. H. V. L. V. N. auf den Besitzer verw…

Spitzbogenornamentik

(397 words)

Author(s): O. Mazal
In der franz. gotischen Buchmalerei des 13. Jh.s wurde der Zusammenhang der Illu-minierkunst mit der Architektur offenkundig. Die Maler begannen, unter den ihnen auferlegten Bindungen den dekorativen Ideen der Architektur zu folgen. So sind etwa schon im Psalter Ludwigs des Heiligen (Paris, BN, Ms. lat. 10. 525), der nach 1253 und vor 1270 entstand, alle Bilder – die ihrerseits enge Beziehungen zur Glasmalerei aufweisen – von spitzbogigen Arkaden und architektonischen Motiven umrahmt, die den Ar…

Codices manuscripti

(79 words)

Author(s): O. Mazal
in Wien seit 1975 erscheinende Fachzs. für Handschriftenkunde. In vier H. pro Jahr und ggf. Sonderh. wird das gesamte Gebiet der Handschriftenkunde (Kodikologie, Paläographie, Buchmalerei, Einbandkunde, Text- und Überlieferungsgesch., Bibliotheksgesch., Autographen und- Nachlaßkunde) aus allen Kulturkreisen behandelt. Die Zs. bietet Fachartikel, neue Funde an Hss. und Texten, Buchbesprechungen, Mitteilungen über Projekte und Neuerwerbungen von Bibl.en. Publiziert werden Artikel in dt., engl., franz. und ital. Sprache. Hrsg, sind Otto Mazal und Eva Irblich in Wien. O. …

Codex Rossanensis

(177 words)

Author(s): O. Mazal
Der in der Kathedrale von Rossano (Kalabrien) aufbewahrte C. R. ist ein Purpurevangeliar im Umfang von 188 Pergamentbl. Erhalten sind nur das Matthäus– und das Markusevangelium; die beiden anderen Evangelien sind verloren. Der Text ist mit Sil bertinte in griech. Unzialschrift (Bibelmajuskel) geschrieben; Goldtinte ist für Überschriften verwendet. Dem Evangelientext geht ein Bildprooimion voran: die erhaltenen Miniaturen zeigen die Auferweckung des Lazarus, den Einzug Christi in Jerusalem, die V…

Roman de la Rose

(416 words)

Author(s): O. Mazal
Der Rosenroman (Li romanz de la rose), mit dem die allegorische Dichtung zum Durchbruch gelangte, wurde um 1230 von Guillaume de Lorris begonnen, aber unvollendet hinterlassen; er wurde zwischen 1275 und 1280 von Jean de Meun fortgesetzt. Schon vorher ersch. eine Parodie u.d.T. «Roman de la poire», und Jean Molinet schrieb um 1500 eine Prosaversion «Roman de la Rose moralisé». Der R., eine allegorisch moralisierende «Ars amandi», ist eine der bedeutendsten lit. Schöpfungen des MA. Es existieren ca. 300 Hss., davon mehr als 100 Bilderhandschriften. In Paris um 1360/1370 entstand …

Saint-Vaast d’Arras-Evangelistar

(227 words)

Author(s): O. Mazal
Die in der Bibl. der Stadt Arras unter der Signatur Ms. 1045 verwahrte Pergamenths. im Umfang von 56 Bl. wurde im 9. Jh. für die Benediktiner-Abtei von Saint-Vaast geschrieben und illuminiert. Sie enthielt nach Auskunft der Tabula (fol. 3 bis 6) 34 Evangelienperikopen für die wichtigsten Feste des Kirchenjahres und für Feste ausgewählter Heiliger (Agnes, Agatha, Vedastus [am 6. 2. und 1.10.], Benedictus, Petrus und Paulus, Laurentius, Martin, Andreas; dedicatio basilicae S. Michaelis). Die Texte…

Romanische Buchmalerei

(2,585 words)

Author(s): O. Mazal
Zu den Charakteristika der R. zählt unter anderem die Erweiterung des Themenkreises der Ikonographie gegenüber früheren Epochen der Kunst und die Einbeziehung neuer Buchtypen und Lit.gattungen in den Buchschmuck. Man denke etwa an die Riesenbibeln, an die Vollmissalien, an theologische und wiss. Werke, an Enzyklopädien oder an die Buchproduktion an den Univ., ja sogar an Archivalien. Freilich gab es unterschiedliche Schwerpunkte, wie denn auch die Ausschmückung der Bibelhss. noch immer eine der …

Johannes-von-Troppau-Evangeliar

(157 words)

Author(s): O. Mazal
In der Österr. NB in Wien wird unter der Signatur Cod. 1182 ein von Johannes von Troppau im Jahre 1368 geschriebenes und illuminiertes Evangeliar verwahrt. Das Buch ist in Goldschrift geschrieben und mit zahlreichen historisierenden Initialen, Initialseiten, einer ganzseitigen Darstellung Christi in der Glorie und am Beginn der Evangelien mit je zwölf gerahmten, Tafelbildern nachempfundenen Darstellungen aus dem Leben der Evangelisten geschmückt. Die Prachths. war für Herzog Albrecht III. von Ös…

Romanische Blinddruckeinbände

(495 words)

Author(s): O. Mazal
Als R. wird eine geschlossene Gruppe von Einbdn. des 12. und 13.Jh.s bezeichnet. Gegenwärtig sind 139 solcher Einbde. bekannt. Das Auftreten kurz vor der Mitte des 12. Jh.s steht nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Zunahme der Buchproduktion im Zeitalter der Scholastik und der Organisation eines stark anwachsenden Wissensgutes. Viele romanische Einbde. umschließen glossierte Bibeltexte, die dem Lehrbetrieb dienten. Der romanische Einbd. nahm von Frankreich seinen Ausgang und verbreitete sich v…

Nessel, Daniel

(208 words)

Author(s): O. Mazal
Präfekt der Hofbibl, zu Wien 1680 bis 1700. N. wurde als Sohn des Schulrektors Martin N. in Aurich in Ostfriesland geboren und kam nach Studien der Rechtswissenschaft in Lüneburg und Rostock 1667 nach Wien. Am 20. 5. 1680 wurde er als «Unter–Bibliothecarius» Leiter der kaiserlichen Hofbibl. zu Wien. Sein Wirken wurde sehr zwiespältig beurteilt. Seine Zurückhaltung gegenüber der Benutzung trug ihm nach seinem Tode den Spottvers ein «Nunc Bibliotheca patet, quia Nesselius latet». Die geplante Erri…

Eszterházy von Galántha, Nikolaus Fürst

(141 words)

Author(s): O. Mazal
* 12. 12. 1765 in Wien, 25.11.1833 in Como, Feldzeugmeister, Staatsmann, Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies. Auf Reisen lernte er in seiner Jugend England, Frankreich, Italien kennen und bildete dabei auch seinen Kunstsinn aus. In militärischer und diplomatischer Verwendung machte er eine bedeutende Karriere. Als Bibliophile gründete er 1794 die Fideikommiß-Bibl. in Eisenstadt; seine Residenz in Eisenstadt wo er Haydns Gebeine bestatten ließ, wurde gleichsam ein Tempel der Tonkunst, der Gemäld…

Saint-Sever-Apokalypse

(218 words)

Author(s): O. Mazal
Im Süden Frankreichs kreuzten sich in romanischer Zeit span., ital. und byzantinische Einflüsse in der Buchmalerei. Der span. Einfluß offenbart sich in einem frühen, wenn auch isoliert dastehenden Meisterwerk, der Apokalypse von St. Sever in der Gascogne (Paris, BN, Ms. lat. 8878), geschrieben und illuminiert um die Mitte des 11. Jh.s. Die Benediktinerabtei Saint-Sever am Adour wurde um 988 / 990 vom Grafen Wilhelm Sancho der Gascogne begründet. In der Zeit des Abtes Gregor von Montaner (1028–10…

Kreuzornament

(335 words)

Author(s): O. Mazal
Die Form des Kreuzes und davon abgeleiteter Gebilde taucht in verschiedenen Kulturen auf und kann nicht ausschließlich im Hinblick auf christliche Beispiele erläutert werden; dem Kreuz wurde in verschiedenen Kulturen eine ganz unterschiedliche Symbolik unterlegt, sofern es nicht bloßes Ornament war. So ist außerhalb der christlichen Tradition das ägyptische Henkelkreuz (crux ansata) verwurzelt; wegen des phonetischen Lautwertes in der Hieroglyphenschrift (anth Leben) galt es als Lebenssymbol; al…

Planudes, Máximos

(275 words)

Author(s): O. Mazal
(1255-1305), einer der bedeutendsten byzantinischen Humanisten, stammte aus Niko-medeia und wurde 1283 Mönch in Konstantinopel. Er unterrichtete bereits 1280 im Chora-Kloster. Durch seine Sprachkenntnisse war er zu Ubers, aus dem Lat. befähigt; er übertrug Augustinus (De trinitate), Boethius (De con-solatione philosophiae), die Disticha Catonis, Cicero (Somnium Scipionis, samt dem Kommentar des Macro-bius), Ovid (Metamorphosen, Heroides), Juvenal. Ein Rechenbuch und eine Diophantos-Ausg. zeugen …

Maasschule

(572 words)

Author(s): O. Mazal
Das Land an der Maas, speziell um Lüttich, war bis ins 12. Jh. ein einmaliges Zentrum künstlerischer Aktivität. Die Buchmalerei des Maasgebietes empfing in ottonischer Zeit Impulse aus dem Westen, aus St. Gallen und aus Italien. Bischof Notker von Lüttich (972-1008) und Abt Odilo von Stavelot (937-954) hatten beste Beziehungen zum ottonischen Kaiserhaus; Poppo von Sta-velot (1020-1048) beaufsichtigte Abteien in Trier, Echternach und St. Gallen. In einer Gruppe von Prachthss. des Ii.Jh.s aus Lütt…

Dietrichstein-Proskau-Leslie, Moritz Graf von

(136 words)

Author(s): O. Mazal
* 19. 2. 1775 zu Wien, † 26. 8. 1864 ebd., Präfekt der Hofbibi, in Wien 1826 – 1845. Ursprünglich Offizier der kaiserlichen Armee (1791 – 1800) und in mehreren Feldzügen der 1790er Jahre ausgezeichnet; sein weiterer Lebenslauf ab 1800 war den Wissenschaften und Künsten gewidmet. Nach Stellungen als Dienstkämmerer Friedrichs VI. von Dänemark, Erzieher des Herzogs von Reichstadt, Hofmusikgraf, Hoftheaterdirektor wurde er am 30. Mai 1826 zum Präfekten der Hofbibi, ernannt. Seine Amtszeit ist durch …

Lazius (Latz), Wolfgang

(335 words)

Author(s): O. Mazal
*31. 10. 1514 in wien, 19. 6. 1565 ebd., österr. Humanist. L. lehrte ab 1536 an der Univ. Wien, wirkte als Militärarzt in Ungarn, war aber auch sehr intensiv mit historischen Studien beschäftigt. 1547 ernannte ihn Kaiser Ferdinand I. zum Hofhistoriographen. Zur Beschaffung von Geschichtsquellen unternahm L. 1548, 1549 und 1551 drei große Bibliotheksreisen, nachdem er schon als Privatmann 1545 für sein Werk «Vienna Austriae» (Basel, J. Oporinus 1546) eine erste Forschungsreise unternommen hatte. …

Grassauer, Ferdinand

(160 words)

Author(s): O. Mazal
* 26. 6. 1840 in Sallingstadt (Niederösterreich), † 26. 10. 1903 in Weidling bei Wien, österr. Bibliothekar, zählte zu den bedeutendsten Direktoren der Wiener UB. Nach einem Studium der Theologie bis 1862 trat er in den Staatsdienst ein, studierte daneben Gesch. und Geographie, promovierte 1866 zum Dr. phil. und war Lehrer an einer privaten Mittelschule 1869–1875. Im Jahre 1876 Amanuensis der UB Wien, brachte er es in seiner Karriere 1884 bis zum Direktor. Viele noch bis heute nachwirkende Einri…

Poussay–Evangelistar

(222 words)

Author(s): O. Mazal
Das sog. P. (Paris, BN, Ms.lat. 10.514) ist nach der Abtei Poussay in den Vogesen benannt. Es handelt sich um ein Perikopenbuch aus der Reichenauer Malschule mit Dedikationsdarstellung, Evangelistenbildern und Szenen aus dem NT sowie Zierseiten und Initialschmuck aus der Zeit um 990. Der Cod. hat einen Prachteinband. In der Mitte des vorderen Holzdeckels ist ein byzantinisches Elfenbeinrelief mit einer Hodegetria in Halbfigur unter einem säulengetragenen Bogen eingelassen. Der Rahmen ist mit Gol…

Codex purpureus

(135 words)

Author(s): O. Mazal
Die Sitte der Herstellung von Purpurhss. läßt sich etwa bis in das 3. Jh. n. Chr. zurückverfolgen, Purpurfärbung einzelner ausgezeichneter Stellen von Codices oder Rollen reicht noch weiter zurück. Deutliche Belege entstammen dem 4. Jh., so widmete Publius Optatianus Porfyrius um 320 dem Kaiser Konstantin I. ein Gedicht auf Purpur; Hieronymus eifert Ende des 4. Jh.s gegen die Sitte der Purpurcodices. Die Purpurpergamenthss. kamen in der gesamten Spätantike vor. Die Mehrzahl der erhaltenen Purpur…

Rautenmuster in der Buchmalerei

(533 words)

Author(s): O. Mazal
Die Raute, ein auf der Spitze stehendes gleichseitiges Parallelogramm, dient in der Buchmalerei zur Raumgliederung oder zur Schmückung des Rahmens oder des Bildhintergrundes. Bereits in der spätantiken Buchmalerei ist die erste Verwendung des R.s zu finden. So ist etwa im «Wiener Dioskurides» (Wien, Österr. NB, Cod. med. gr. x, um 513) auf Bl. 4V das Bild des Arztes Dioskurides, dem die Heuresis die wundertätige Mandragorawurzel überreicht, von einem breiten irisierenden Rahmen umgeben, der aus …

Prunkunziale

(86 words)

Author(s): O. Mazal
Victor E. Gardthausen benannte mit P. eine feierliche Majuskel, die vornehmlich in Purpur-pergamenthss. vorkommt. Diese Bezeichnung ist heute nicht mehr üblich. Die von Gardthausen angesprochenen griech. Schriften werden als «Bibelmajuskel» zusammengefaßt, deren Benennung von ihrer Verwendung in bedeutenden Bibelhss. herrührt. Die im endenden 2.Jh. n. Chr. entstandene Schrift hielt sich bis ins beginnende 9.Jh. Neue Kalligraphisierungen führten ab dem 4./ 5. Jh. zur Ausbildung der «Spitzbögigen Majuskel» und ab dem 6. Jh. zur «Alexandrinischen Majuskel». O. Mazal Bibliog…

Ilias Ambrosiana

(241 words)

Author(s): O. Mazal
Dieser in der Biblioteca Ambrosiana zu Mailand verwahrte Cod. F 205 inf. stellt das Fragment einer illuminierten Ilias-Handschrift auf Pergament aus dem beginnenden 5. Jh. dar. Auf 52 Blättern sind 58 Bilder erhalten; die ursprüngliche Hs. dürfte 386 Bl. mit etwa 240 Miniaturen umfaßt haben. Obwohl die Hs. in Süditalien ausgeführt sein dürfte, geht sie auf östliche griech., wohl alexandrinische Modelle zurück, sind doch die ältesten illuminierten Cod. ihrerseits Endpunkt einer jahrhundertelangen…

Antike Buchmalerei

(611 words)

Author(s): O. Mazal
Den frühesten Beispielen illustrierter Buchrollen begegnen wir auf ägyptischem Boden. Eine Hieroglyphenrolle mit einem zeremoniellen Drama für Pharao Sesostris I. um 1980 v. Chr. (Ramesseum-Papyrus) stellt den ältesten bisher bekannten Typ einer illustrierten Rolle dar. Zu den am häufigsten illustrierten Texten zählt das Totenbuch, in dem das Schicksal des Toten veranschaulicht wird. Der ägyptische «Papyrusstil» beeinflußte auch die griechisch-hellenistische Buchmalerei. Das Buchzentrum der anti…

Très belles heures de Notre Dame

(448 words)

Author(s): O. Mazal
Die heute in der BN zu Paris unter der Signatur Nouv. Acq. Lat. 3093 verwahrte Hs. zählte zu den Stundenbüchern (Livre d’heures) aus dem Besitz des Jean Duc de Berry. Zwar ist nicht absolut sicher, ob der Herzog der urspr. Auftraggeber war, doch war das Buch später nicht nur in seiner Slg., sondern der Herzog hat auch dessen Ausführung in mehreren Arbeitsgängen vorangetrieben. Der älteste Teil der Heures stammt aus der Zeit um 1380/1390; er repräsentiert relativ früh den Einfluß neuer Strömungen…

Gotische Buchschrift

(473 words)

Author(s): O. Mazal
Aus der romanischen Buchschrift des 12. Jh.s, der Spätform der karolingischen Minuskel, erwuchs in einem allmählichen Entwicklungsprozeß die frühgotische Minuskel des 13. Jh.s. Vom 13. Jh. bis zum 16.Jh. war die damit entstehende gotische Schriftfamilie Träger der Schriftlichkeit in weiten Teilen Europas. Brechung der ursprünglich geraden Schäfte, winkelige Ausführung runder Linien, Verschmelzung von Buchstaben, Bogenverbindung und eine Zunahme von Kürzungen wurden wesentliche allgemeine Merkmal…

Tenison-Psalter

(230 words)

Author(s): O. Mazal
Nach dem Erzbischof Thomas Tenison, eines Vorbesitzers der Hs., wird das in der British Library London unter der Signatur Add. Ms. 24.686 verwahrte Psalterium als T. bezeichnet. Sein anderer Name, Alphonso-Psalter, rührt vom Sohne Edwards I. her, bei dessen Heirat mit Margarete, der Tochter des Grafen von Holland, im Jahre 1284 seine Herstellung begann; durch den Tod Alphonsos wurde die Arbeit unterbrochen; somit ist auch nur die erste Lage datiert; die Hs. wurde später ergänzt. Sie zählt zu ein…

Basileios-Handschriften

(147 words)

Author(s): O. Mazal
Zu den wichtigsten Denkmälern der Blütezeit der mittelbyzantinischen Buchmalerei zählen zwei für Kaiser Basileios II. (976–1025) geschriebene und illuminierte Hss. Um 985 wurde das Me-nologion für Basileios II. geschaffen (Cittä del Vaticano, Biblioteca Apostolica Vaticana, Vat.gr. 1613). Es weist 436 Miniaturen zu Heiligenfesten vom September bis Februar auf. Jede Seite ist mit mindestens einer halbseitigen Darstellung geschmückt. Die Bilder sind von den acht Künstlern Pantaleon, Nestor, Michae…

Graphische Sammlung Albertina

(170 words)

Author(s): O. Mazal
Die weltberühmte Slg. von Graphik und Handzeichnungen, im Palais Friedrich in der Wiener Innenstadt (zwischen Oper und Augustinerkirche) untergebracht, ist aus der Vereinigung der Albertinischen Kunstslg. und der Kupferstichslg. der ehemaligen Wiener Hofbibl, hervorgegangen. Die Gründung erfolgte am 25. 12. 1920. Zu den Sammelgebieten gehört die Handzeichnungsslg., die Kupferstichslg. und die Bibl.; letztere blieb juristisch im Bestand der Österr. NB (der Rechtsnachfolgerin der Hofbibl.). Die Ku…

Arsinoe II. Philadelphos

(159 words)

Author(s): O. Mazal
Arsinoe war Tochter des Ptolemaios I. und der Berenike und wurde um 316 v. Chr. geboren. In erster Ehe war sie mit Lysimachos von Thrakien verheiratet, dessen Sohn aus erster Ehe, Aga-thokles, sie zugunsten der Ansprüche eigener Kinder beseitigte. Nach dem Tod des Lysimachos (281) heiratete Arsinoe ihren Stiefbruder Ptolemaios Keraunos, der jedoch ihre Söhne aus erster Ehe ermorden ließ. Arsinoe floh 279 über Samothrake nach Ägypten, wo sie in dritter Ehe ihren leiblichen Bruder Ptolemaios II. h…

Ossolinski, Josef Maximilian Graf

(424 words)

Author(s): O. Mazal
* 1748 in Wola Mielecka (Galizien), 17. 3· 1826 in Wien, poln. Literarhistoriker, Bibliothekar und Büchersammler. Nach Abschluß seiner Ausbildung im Konvikt der Jesuiten zu Warschau erhielt O. Zutritt zum kgl. Hof, wo er im wiss. Kreis um König Stanislaus August seine ersten lit. Versuche unternahm. Nach der ersten Teilung Polens 1772 wurde O. von Warschau abgeschnitten und trat wieder in nähere Kontakte zu Galizien. 1790 wurde er Mitglied einer Deputation der Stände Galiziens bei Kaiser Leopold…

Codex Sinaiticus

(225 words)

Author(s): O. Mazal
Der C. S. (London, British Library, Add. Ms. 43725) ist eine Vollbibel in griech. Unziale des 4. Jh.s. Er ist in der ersten Hälfte des 4. Jh.s in Ägypten oder Cäsarea in Palästina aufgrund einer ägyptischen Hs. von drei Schreibern nach Diktat sehr schön, aber textlich nachlässig geschrieben. Erhalten sind 390 Blätter, 242 vom AT und 148 vom NT, die in vier Spalten zu 48 Zeilen beschrieben sind. Teile des AT fehlen, hingegen sind der Barnabasbrief und der Hirt des Hermas überliefert. Constantin v…

Makedonischer Kalender

(208 words)

Author(s): O. Mazal
Die Makedonier verwendeten einen lunisolaren Kalender mit zwölf Monaten, die abwechselnd 30 und 29 Tage umfaßten. Ungefähr alle drei Jahre wurde ein zusätzlicher Monat eingeschaltet. Der Jahresbeginn lag im Herbst. Die Liste der makedonischen Monate mit ihrer ungefähren Entsprechung ist die folgende: 1. Dios (Oktober), 2. Apellaios (November), 3. Audynaios (Dezember), 4. Peritios (Januar), 5. Dystros (Februar), 6. Xanthikos (oder Xandikos, März), 7. Artemisios (April), 8. Daisios (Mai), 9. Panem…

Sextern

(72 words)

Author(s): O. Mazal
(io) ist die Bezeichnung für eine aus sechs in der Mitte gefalteten Doppelbl. (= zwölf Bl. oder 24 S.) gebildeten Lage. S.en sind vor allem in Hss. des späten MA anzutreffen, bei denen ganz allg. eine Tendenz zur Vergrößerung des Lagenumfangs festzustellen ist. O. Mazal Bibliography Bischoff, B.: Paläographie des röm. Altertums und des abendländischen MA. 2. Aufl. Berlin 1986, S. 37–38 Mazal, O.: Lehrbuch der Hss.kunde. Wiesbaden 1986, S. 68

Kurzböck, Joseph Lorenz Edler von

(117 words)

Author(s): O. Mazal
wurde als Sohn des Druckers Georg Kurzböck 1736 in Wien geboren und erlernte im väterlichen Haus die Buchdruckerkunst. Schon 1756 wurde er Universitätsbuchdrucker. Als illyrisch–orientalischer Hofbuchdrucker erhielt er 1771 ein zwanzigjähriges Privileg; 1776 wurde er in den erblichen Adelsstand erhoben, 1786 in den Reichsritterstand. 1789 begann er auch den hebräischen Druck. Die Buchausg. des «Weißkunig» von Maximilian I. (1775) und das «Annalium typographiae v. cl. Michaelis Maittaire sup-plem…

Rohan-Stundenbuch

(270 words)

Author(s): O. Mazal
Die «Heures à ľusage de Paris, dites Grandes Heures de Rohan» (Paris, BN, lat. 9471) verdanken ihren Namen dem Wappen der bretonischen Adelsfamilie Rohan. Das um 1430 — 1435 entstandene Stundenbuch ist vom «Rohan-Meister» illuminiert; ikonographische Quellen hegen in zwei Hss. der Familie Anjou vor, in den «Beiles Heures de Jean de Berrry» und einer «Bible moralisée». Man hat vermutet, daß Yolande von Aragon, die Gattin Ludwigs II. von Anjou, die Hs. beim Rohan-Meister bestellt habe aus Anlaß ei…

Meister der Maria von Burgund

(523 words)

Author(s): O. Mazal
Zu den größten Buchmalern der Flämischen Schule des ausgehenden 15. Jh.s zählt der M. An die 17 Hss. können ihm noch mit Sicherheit zugewiesen werden. Sein Frühwerk wird durch eine Gruppe von Cod. repräsentiert, die für Margarete von York, die Gattin Herzog Karls des Kühnen von Burgund, um 1475 — 1477 hergestellt wurden; hier steht die Grisailletechnik im Vordergrund. Hugo van der Goes war sichtlich für die Formung des Stils des Meisters von Einfluß. Es folgen zwei Stundenbücher für Maria von Bu…

Cutbercht

(64 words)

Author(s): O. Mazal
angelsächsischer Schreiber des nach ihm genannten C.-Evangeliars (Cod. 1224 der ÖNB Wien), Salzburg, um 790. Schreibernotiz auf dem Vorsatzblatt: cutbercht scripsit ista IUI Evangelia/praecat nos omnia oramus pro anima tua. Vielleicht Vertreter der von Bischof Virgil (743–784) in Salzburg begründeten insularen Tradition. O. Mazal Bibliography Unterkircher, F.: Die datierten Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek bis zum Jahre 1400. Wien 1969, S. 37, Abb. 2.

Cassis ( Helm), Johann

(86 words)

Author(s): O. Mazal
Buchverleger; galt in der Forschung eine Zeitlang als erster Wiener Drucker auf Grund einer Notiz in Perger, Grammatica nova 1486 (Johannes cassis civis viennensis, cui presens opusculum ad imprimendum traditum est, prefaciuncula H 12605). 1480 erschien bei Erhard Ratdolt in Venedig ein Breviarium Strigoniense impensis Joannis cassis identisch sein; vermutlich nahm er in Italien eine latinisierte Namensform an. O. Mazal Bibliography Langer, E. / Dolch, W.: Bibliographie der österreichischen Drucke des 15. und 16.Jh.s. Bd. 1, 1. Wien 1913, S. 8ff, 135f.

Friedrich III., römisch-deutscher Kaiser

(284 words)

Author(s): O. Mazal
* 19. 8. 1425 in Innsbruck, 19. 8. 1493 in Linz, nahm an der Gesch. der Wissenschaften persönlichen Anteil und begründete eine bemerkenswerte Bücherslg. Noch vor seinem Regierungsantritt begehrte der junge Herzog 1435 die Ausfolgung von Waffen und Büchern aus der Burg von Wiener Neustadt. F. eignete sich zahlreiche Hss. aus dem Erbe König Wenzels I. von Böhmen (1378–1400) an und übernahm die großen Handschriftenschätze seines Neffen und Mündels Ladislaus Postumus. Von den 110 Büchern aus Wenzels…

Livre du Cuer d'Amours Espris

(437 words)

Author(s): O. Mazal
Das Buch vom lie-besentbrannten Herzen ist ein allegorischer Ritterroman des Königs René I. (Le Bon). René, der zweite Sohn von Louis IL, Herzog von Anjou, und dessen Gemahlin, Yo-lande d'Aragon, wurde im Januar 1409 zu Angers geboren. 1420 heiratete er Isabella von Lothringen; 1430 bzw. 1431 wurde er Erbe der Herzogtümer Bar und Lothringen. In der Auseinandersetzung mit Burgund wurde er 1431 für fünf Jahre gefangen, konnte aber auf dem Erbweg das Herzogtum Anjou und das Königreich Neapel erwerb…

Schatzkammer-Evangeliar

(353 words)

Author(s): O. Mazal
Die auch als Krönungs-Evangeliar bezeichnete, in der Schatzkammer des Kunsthistorischen Museums zu Wien verwahrte Prachths. wurde wohl Ende des 8. Jh.s in Aachen am Hofe Karls des Großen geschrieben und illuminiert. Sie umfaßt 236 purpurgefärbte Pergamentblätter (nur Bl. 77 und 84 sind blau gefärbt), die mit Text in Gold und Silber in Unziale und Capitalis rustica beschrieben sind; auch Capitalis quadrata ist auf Zierseiten vertreten. Die Ausschmückung besteht aus 16 Kanontafeln und vier Evangel…

Simone Martini

(267 words)

Author(s): O. Mazal
* 1284 in Siena, † 1344 in Avignon, war Schüler Duccios und neben diesem zus. mit den Lorenzetti einer der Hauptmeister der sienesischen Malerei des 14. Jh.s (s. 2. Buchmalerei). Um 1336 ließ er sich in Avignon nieder. S. war nicht nur Maler, sondern auch Miniator, der die Linearität der franz. Gotik mit dem byzantinischen Chromatismus zu einer neuen Synthese ver-band. Seinerseits übte S. auf die franz. Malerei des 14. Jh.s und in weiterer Folge auf die intern. Gotik bemerkenswerten Einfluß aus.…

Byzantinische Buchkunst

(1,785 words)

Author(s): O. Mazal
1. Buchwesen. Der Siegeszug der Buchform des Codex über die Rolle und jener des Pergaments als Beschreibstoff vollzog sich im 4. Jh. auch im byzantinischen Kulturkreis. Papyrus hat sich gleichwohl als Beschreibstoff für Urkunden und Briefe noch Jh.e gehalten; so ist etwa im Kaiserbrief von St. Denis ein byzantinisches Auslandsschreiben aus dem 9. Jh. erhalten. Auch die Rolle wurde noch als Form fiir Urkunden und liturgische Texte verwendet. Gleichwohl zeigten sich die neuen Möglichkeiten, die Perg…

Fuggerzeitungen

(201 words)

Author(s): O. Mazal
In der Hss.- und Inkunabelslg. der Österr. NB werden 27 Bde. unter den Signaturen Cod. 8949 bis 8975 aufbewahrt, die Nachrichten und Neuigkeiten aus aller Welt aus denjahren 1568–1605 enthalten. Die an die 17615 Bl. umfassenden Nachrichten sind in Form von Briefen an das Handelshaus Fugger in Augsburg gehalten. Aus Äußerungen der Briefschreiber geht des öfteren hervor, daß Philipp Eduard Fugger auf die Übermittlung von Nachrichten gedrängt hat. Die «Zeitungen» stammen aus Europa, Asien und Ameri…

Eugen, Prinz von Savoyen

(226 words)

Author(s): O. Mazal
* 18. 10. 1663 in Paris, 20./21. 4. 1736 in Wien. Nicht nur als genialer Feldherr und Staatsmann, als Mäzen der Künste und geschmackvoller Bauherr hat sich E. große Verdienste erworben, sondern auch durch seine reichhaltige und universale Bibl, ein bedeutendes kulturelles Erbe hinterlassen. In etwa zwanzig Jahren brachte E. eine Slg. von rund 15 Tsd. Drucken, 287 Hss. und vielen Hunderten von Kupferstichen und Zeichnungen zustande; die Slg. waren zum größten Teil im Winterpalais in der Himmelpfo…

Rhodokanakis, Demeter

(98 words)

Author(s): o. Mazal
(1840 — 1902). Der auf der Insel Syra als Kaufmann tätig gewesene R. gab sich als 15. Titularkaiser von Konstantinopel unter dem Namen Demeter II. Dukas Komnenos Palaiologos Rhodokanakis aus; er entwickelte sich nicht nur zum Hochstapler und Bibliomanen, sondern auch zum Fälscher literaturgeschichtlicher Fakten. Er konnte von Emile Legrand in Paris als Fälscher einer byzantinischen Bibliographie entlarvt werden. Er führte Bücher, die niemals existierten, als Quellenwerke an. Seine Bücherslg. wurde 1904 in London mit 1877 Losen versteigert. o. Mazal Bibliography Bogeng, G. A.…

Dietrichstein, Adam Freiherr von

(109 words)

Author(s): O. Mazal
(1527 – 1590), Begründer der Fürstlichen Bibl, des Hauses D. in Nikolsburg in Mähren. Die von Kardinal Franz Fürst D. (1570 bis 1636) auf einen Umfang von rund 10 Tsd. Drucken und 100 Cod. erweiterte Bibl, wurde 1645 von den Schweden geraubt. Als Grundlage der neuen Bibl, diente die Slg. des Freiherrn Hoffmann von Grünbüchel und Strachau, welche dieser 1679 dem Fürsten Ferdinand von D. schenkte. In den 30er Jahren des 20. Jh.s wurde die Slg. auf Auktionen bei Gilhofer & Ranschburg in Wien veräußert. O. Mazal Bibliography Bogeng, G. A. E.: Die großen Bibliophilen. Bd. 3. Leipzig 1923 (…

Metternich–Winneburg, Klemens Lothar Fürst

(230 words)

Author(s): O. Mazal
* 15. 5. 1773 in Koblenz, 11.6.1859 in Wien, aus altem rheinischen Grafengeschlecht stammend, studierte an den Univ. Straßburg und Mainz. Vor den Auswirkungen der Franz. Revolution floh er nach Österreich, wo er nach seiner Heirat mit einer Enkelin des Staatskanzlers Kaunitz in die österr. Diplomatie hineinwuchs. Nach Tätigkeiten als Gesandter in Deutschland und Frankreich wurde Metternich 1800 Staatsminister und 1821 Staatskanzler. Der Höhepunkt seiner Karriere fiel mit dem «Wiener Kongress» (1…

Ramsey-Psalter

(487 words)

Author(s): O. Mazal
(New York, Pierpont Morgan Library, Ms. M 302; St. Paul im Lavanttal, Stiftsbibliothek, Ms. XXV/ 2, 19), dessen Kalendarium auf die ostengl. Benediktinerabtei Ramsey verweist, ist in zwei Teilen er halten. Die Mehrzahl der einleitenden Miniaturen (Fol. 6—10) wird in der Pierpont Monrgan Library in New York verwahrt, der Hauptteil des Psalters (Fol. 2 — 5 und 11 – 174) in der Abtei St. Paul im Lavanttal in Kärnten (Österreich). Einen Hinweis auf die zeitliche Eingrenzung bietet ein Porträtmedaill…

Pariser Psalter

(458 words)

Author(s): O. Mazal
Der P. P. (Paris, BN, Ms. gr. 139) zählt zu den Meisterwerken der Buchkunst der Makedonischen Renaissance des IO. Jh.s. Der Codex wurde wohl in einem höfischen Atelier in Konstantinopel hergestellt. Der Text ist in Minuskeln geschrieben; den Schmuck bilden vierzehn Vollminiaturen, die auf den Versoseiten von Einzelb!. in den Buchblock eingefügt sind. Sechs Miniaturen zeigen einen intensiven klassischen Einfluß und stehen auf hohem künstlerischen Niveau, während die acht übrigen Bilder von gering…

Paläotypographie

(173 words)

Author(s): O. Mazal
Wissenschaft von der geschichtlichen Entwicklung der Typen des frühen Buchdruckes. Die ersten Buchdrucker hatten sich als Vollender der Kunst des schönen Schreibens mit neuen technischen Mitteln verstanden; die Folge war in den ersten Jahrzehnten des Inkunabeldruckes eine getreue Nachbildung paläographischer Gegebenheiten der Hss. im neuen Medium. War die Fülle der Typen des 15. Jh.s und das üppige Wachstum der Uralphabete in den Schriftfamilien der Textura, der Rotunda, der Bastarda, der Gotico…

Rhodos

(316 words)

Author(s): O. Mazal
Zwei griech. Inschriften aus hellenistischer bzw. röm. Zeit verweisen auf die Existenz einer größeren, wohl öffentlichen Bibl, auf Rhodos. Aus der Zeit um 100 v. Chr. sind Bruchstücke eines Bücherkat. erhal- ten, der hauptsächlich rhetorische, philosophische und rechtswiss. Texte umfaßt. Als Namen von Autoren werden u.a. Aristaichmos, Kleon, Phaidondas, Hegesias, Theopompos Lakonikos, ein zweiter Theopompos, Dionysios, Diodotos, Damokleides und Eratosthenes genannt. Die Mehrzahl der Texte stelle…

Handschriftenreproduktion

(442 words)

Author(s): O. Mazal
Die Reproduktion von Hss. kann in vielfältiger Form erfolgen, sei es, daß Teile oder charakteristische Abschnitte von Codices wiedergegeben werden, sei es, daß Hss. vollständig und originalgetreu reproduziert werden. Reproduktionen vermitteln eine umfassende Materialkenntnis, liefern Vergleichsmaterial für kodikologische, paläographische und kunsthistorische Untersuchungen und geben Textträger für philologische Analysen wieder. Seit es eine wiss. Handschriftenkunde gibt, hat es auch Reproduktion…

Biblos

(75 words)

Author(s): O. Mazal
österr. Zs. für Buch- und Bibliothekswesen, Dokumentation, Bibliographie und Bibliophilie, begründet 1952 von Josef Stummvoll, damals Generaldirektor der österr. NB. Offizielles Organ der Gesellschaft der Freunde der Österreichischen Nationalbibliothek, der Vereinigung österreichischer Bibliothekare, des Österreichischen Instituts für Bibliotheksforschung, Dokumentations- und Informationswesen. B. erscheint viertelj. Es werden nur unveröff. Arbeiten angenommen. B. bringt Fachartikel, eine Biblio…

Turin-Mailänder-Stundenbuch

(506 words)

Author(s): O. Mazal
Herzog Jean de Berry förderte – wenn auch vielleicht nicht als erster Auftraggeber – um 1380 die Anfertigung eines Stundenbuches, das seiner Intention nach eines der kostbarsten Gebetbücher seiner Zeit werden sollte. Doch die Illuminierung zog sich hin; dreißig Jahre später gab der Herzog das noch nicht vollendete Livre d’heures an einen seiner Höflinge, Robinet d’Estampes, weiter, der jedoch nur den ersten, nahezu vollendeten Teil behielt und die übrigen Lagen an Wilhelm von Bayern, Graf von He…

Monogramm

(614 words)

Author(s): O. Mazal
eine aus Buchstaben zusammengesetzte Figur, die als Abk. für Namen und Titel fungiert. Die Buchstaben können getrennt stehen oder nach Art einer Ligatur verbunden sein. Die Reihenfolge der Buchstaben ist nicht fest; zwar wird ein symmetrischer Aufbau gefor dert, doch können die Buchstaben auch über – oder untereinander angebracht sein. M.e kommen auf Münzen, Siegeln, Bauwerken und in Urkunden vor. Sie sind auf den ersten Blick oft nicht leicht zu lesen und konnten daher sogar magischen Zwecken d…

Gschwind, Freiherr von Pöckstein, Johann Martin

(65 words)

Author(s): O. Mazal
(1645–1721). Der kaiserliche Feldmarschall ist auch als Bibliophile und Begründer einer umfänglichen Bibl, bekannt geworden. Seine Slg. war im Dominikanerkloster zu Wien verwahrt, wurde 1723 der öffentlichen Benutzung zugänglich gemacht und zuletzt unter Kaiser Josef II. mit der UB vereinigt O. Mazal Bibliography Catalogus Bibliothecae Gschwindianae. Wien 1723 Leithe, F.: Die UB in Wien. Wien 1877, S. 438 ff

Philipp der Kühne, Herzog von Burgund

(185 words)

Author(s): O. Mazal
* 17. 1. 1342 in Pontoise, 27. 4. 1404 in Halle (Brabant). P. konnte auf Grund der wirtschaftlichen Prosperität seiner Länder eine glänzende ritterliche Kultur und ein fürstliches Mäzenatentum entfalten; die burgundischen Herzöge übertrafen bald an Reichtum, Macht und Prunk die übrigen europäischen Fürsten. Dieses Mäzenatentum ermöglichte auch eine Blüte der Buchkunst. In den ersten Jahrzehnten des 15. Jh.s waren die burgundischen Gebiete noch Einflußbereich anderer Zentren, vor allem von Paris.…

Dictionarium (dictionarius)

(91 words)

Author(s): O. Mazal
Das Wort, abgeleitet vom lat. dictio im Sinne von Wort, Redensart, taucht im SpätMA als Bezeichnung für alphabetisch angeordnete Slg. verschiedenen Inhaltes auf; theologische und philosophische Inhalte bilden einen gewissen Schwerpunkt. Beispielhaft sei ein «D. vitiorum et virtutum» erwähnt; ein «D. continens materiam praedicandi per ordinem alphabeti» steht für Slg. mit praktischer Zweckbestimmung. Allmählich wurde der Begriff auf Wb.er eingeengt, wobei deren Charakter durch den Etyma beigefügt…

Unterkircher, Franz

(293 words)

Author(s): O. Mazal
* 29. 9. 1904 in St. Jakob im Defereggen (Osttirol), † 28. 1. 1989 in Wien, österr. Bibliothekar. 1922–1925 studierte U. in Innsbruck scholastische Philosophie (Promotion 1925). In den Jahren 1925 bis 1932 folgte ein Studium der Theologie in Brixen und Innsbruck, das er 1932 mit dem Doktorat beendete. 1934 bis 1942 widmete sich U. an der Univ. Wien dem Studium der Kunstgesch. und promovierte 1942 zum Dr. phil.; 1943–1944 war er am Denkmalamt in Wien tätig und mit der Redaktion der Österr. Kunstt…
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