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Your search for 'dc_creator:( "W. Milde" ) OR dc_contributor:( "W. Milde" )' returned 92 results. Modify search

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Pollio, (Gaius) Asinius

(186 words)

Author(s): W Milde
76 v. Chr. — 5 n. Chr., Konsul 40 v. Chr., Anhänger Caesars im röm. Bürgerkrieg, Gründer der ersten öffentlichen Bibl, in Rom. Bereits Caesar hatte den Plan gehabt, in Rom eine Bibl, für alle Bürger einzurichten, in der die lat. Lit. neben der griech. aufgestellt werden sollte. Nach dessen Tod führte P. mit Mitteln aus der Beute des illyrischen Feldzugs von 39 v. Chr. den Plan aus. Er richtete im Atrium Libertatis, dem Behördenhaus neben dem Forum, eine griech. und eine lat. Bibl, ein, geschmück…

Schreibfeder

(162 words)

Author(s): W. Milde
Das Schreibinstrument für das Schreiben mit Tinte war in der Antike das Schreibrohr (calamus), das im MA die Feder (penna). Das Rohr (gewonnen aus Schilfrohr) wurde zunächst auch noch im MA benutzt; frühe Spuren der Feder sind bereits im 5. Jh. nachweisbar. Im ma. Abendland wurde fast ausschließlich mit der Gänsefeder (Schwanz- wie Flügelfeder) geschrieben, gelegentlich auch mit einer Schwanenfeder. Anweisungen für das Schneiden von Federn (temperieren) gibt es aus dem SpätMA. Nur vereinzelt fin…

Quintilianus, Marcus Fabius

(134 words)

Author(s): W. Milde
ca. 35 — 100 n. Chr., aus Calagurris (Spanien), bedeutendster lat. Rhetoriker. Q. war Lehrer der Rhetorik und Prinzenerzieher in Rom unter Kaiser Domitian. Sein Werk «De institutione oratoria» entstand aufgrund seiner Lehrtätigkeit. Es behandelt die Erfindung der Rhetorik, die Ausbildung des Redners, das Memorieren, die Rede und den Vortrag. Im zehnten Buch gibt er eine wichtige Übersicht über die griech. und lat. Dichter und Prosaiker, die der Redner zum Zwecke der Nachahmung kennen sollte. Sei…

Handschriftenkunde

(1,733 words)

Author(s): W. Milde
1hr Gegenstand im weiteren Sinn ist «jede Art von Dokumenten, die mit der Hand aufgezeichnet sind, ohne Rücksicht auf Form, Beschreibstoff, Alter, Ort und Zeit der Entstehung, Inhalt» (Karl Löffler). Spezielle Teile haben sich im Laufe der Zeit ausgegliedert: Aufzeichnungen auf Papyrus gehören zur Papyrologie, auf Stein, Holz und Metall zur Epigraphik, auf Münzen und Medaillen zur Numismatik, auf Siegeln zur Sphragistik, mit ma. Urkunden und neuzeitlichen Akten beschäftigt sich die Diplomatik (U…

Ab epistulis

(158 words)

Author(s): W. Milde
kaiserl. Hofamt (Sekretariat), das die offizielle Korrespondenz des röm. Kaisers erledigte, hauptsächlich mit Körperschaften, Beamten, hohen Privatpersonen (Versendung der kaiserl. Befehle, Ausfertigung der meist in Briefform abgefaßten Erlasse, Benachrichtigung von Beamten u. Offizieren über ihre Ernennung). Den Gegensatz dazu bildete der öffentlich ausgehängte kaiserl. Randbescheid (subscriptio) auf den libelli niedriger gestellter Personen ab libellis). - Entstehung: Zusammen mit dem Kaisertu…

Pecia

(410 words)

Author(s): W. Milde
(mittellat. pecia, petiä = Stück, Bissen). Mehrere europäische Univ. besaßen im 13. und 14. Jh. Einrichtungen, die für eine zuverlässige Vervielfältigung von Textbüchern für Studienzwecke sorgen sollten. Die Univ. ließ von diesen Unterrichtstexten (z.B. vom Corpus Juris, von Aristoteles, Roger Bacon, Thomas von Aquin) korrigierte «Normalex.» herstellen, die offiziellen Charakter trugen und nach starkem Gebrauch ersetzt wurden. Diese unter der Aufsicht der Univ. angefertigten Normalex, wurden bei…

T

(171 words)

Author(s): W. Milde
neunzehnter Buchstabe des lat. Alphabets (zwanzigster im dt. Alphabet), entspricht dem griech. T («Tau»). Als Laut bezeichnet T den dentalen stimmlosen Verschluß-laut. Die Minuskelform des T unterscheidet sich im Prinzip nicht von der Majuskelform: Das T der frühen Majuskelschriften (Capitalis, Unziale u. a.) wird in der Halbunziale wie in den Minuskelformen bis zur Karolingischen Minuskel (d. h. im Vierliniensystem) ebenfalls mit Schaft (zuweilen unten gerundet) und oberem Deck-oder Querbalken …

Amorbach

(420 words)

Author(s): W. Milde
im Odenwald, unterfränkisches Benediktinerkloster, gegr. noch vor dem Bistum Würzburg (742). Ältestes erhaltenes Schriftdenkmal sind die Fragmente eines Alten Testamentes (Berlin, Staatsbibi. Preuß. Kulturbesitz; London; Würzburg; Amorbach Archiv) vom Anfang des 9. Jh.s in angelsächsischer Minuskel (Amorbach oder Fulda). In karolingischer Zeit Beteiligung an der Sachsenmission (drei Äbte waren zugleich Bischöfe von Verden/Aller). 1015 gelangten Hss. durch Übersiedlung Amorbacher Mönche nach Bamb…

Reverenzpunkte

(68 words)

Author(s): W. Milde
(gemipunctus) sind zwei nebeneinander gesetzte Punkte, die in ma. Hss. Namen von Personen ersetzen, die nicht gen., sondern nur durch Titel und / oder Würden bezeichnet werden. Der Gebrauch ist bereits dem Altertum bekannt, kam in der Neuzeit aberwieder abhanden. W. Milde Bibliography Bretholz, B.: Lat. Paläographie. 3. Aufl. Leipzig / Berlin 1926, S. III—112 Foerster, H.: Abriß der lateinischen Paläographie. 2. Aufl. Stuttgart 1963, S. 249.

Quintern

(156 words)

Author(s): W. Milde
(io), auch Quinio (lat. Heft aus fünf Bl.), ist die Bezeichnung für eine Lage von fünf in der Mitte ge falteten Doppelbl. (= zehn Bl.). Die meisten irischen und viele angelsächsischen Hss. weisen Lagen aus fünf Doppelbl. auf. Auch in Capitalis rustica geschriebene frühe Hss. bestehen aus Q.en, so z. B. der vatikanische Terenz («Cod. Bembinus» Vat. Lat. 3226) oder der palimpsestierte vatikanische Aulus Gellius (Vat. Palat. Lat 24). Der auch von den Frühdruckern vielverwendete Ausdruck konnte auch ganz allg. eine Lage (von beliebigem Umfang) bezeichnen. Quatern Quincy–Apokalypse. M…

Helmstedt

(355 words)

Author(s): W. Milde
ehemalige UB: Restbibl, der 1809/1810 aufgelösten Univ. H. Heutiger Bestand: Ca. 30 Tsd. Titel, ferner Kupferstiche, Autographen Helmstedter Professoren, kleinere H.er Privatbibl.en, heimatkundliche Literatur. Gesch.: Gründung der Univ. H. 1576 durch Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg (1528–1589) ohne größere Bibl. Die ebenfalls von Julius in seiner Residenz Wolfenbüttel in der 2. Hälfte des 16. Jh.s angelegte fürstliche Bibl, wurde daher 1618 fast vollst. von seinem Enkel Herzog Friedrich …

Samuhel Presbyter

(283 words)

Author(s): W. Milde
nennt sich in der Subskription der Schreiber des Samuhel-Evangeliars im Schatz der Stiftskirche zu Quedlinburg (s. Abb. in Bd. VI, S. 146). Entstanden im zweiten Viertel des 9. Jh.s in Süddeutsch-land (Augsburg?), geschrieben mit Goldtinte in Unziale und karolingischer Minuskel, geschmückt mit 16 Kanontafeln, vier Evangelistenbildern und Initialen. Das Evangeliar gelangte wahrscheinlich als Schenkung über das sächsische Herrscherhaus an das von Kaiser Otto I. und seiner Mutter Mathilde 936 gegr.…

Schmidt, Wieland

(270 words)

Author(s): W. Milde
* 29. 3. 1904 in Berlin, † 27. 12. 1989 ebd., Bibliothekar, Bibliothekshistoriker, Germanist. Nach Studium (Germanistik, Kunstgesch., Gesch., Mittellatein) in Berlin, Mitarbeit an dem Unternehmen der Preu-ßischen Akad. d. Wiss. zur Beschreibung der dt. Hss. des MA und Promotion wurde S. 1934 Volontär an der Preu-ßischen SB und der UB Berlin, zugleich Mitarbeiter am GW. Er war 1936–1939 und 1945–1946 Bibliothekar an der SB, der er «die Treue nie gebrochen» hat; 1939–1945 Kriegsdienst, 1946–1950 D…

Capponi, Alessandro Gregorio

(124 words)

Author(s): W. Milde
Marchese, * 12. 3. 1683 in Rom, 21. 9. 1746 ebd., Schöpfer einer an ital. Lit. (einschl. Hss.) sehr reichen Bibliophilenbibl., päpstlicher Geheimkämmerer. C. führte ein Bibliothekstagebuch. Seine Bücher (über 3000) und Hss. (289) hinterließer testamentarisch der Vatikanischen Bibliothek (Uberführung Dezember 1746). W. Milde Bibliography Berti, A.: Catalogo della Libreria Capponi o sia de'libri italiani del fu Marchese A. G. Capponi. Roma 1747 Salvo Cozzo, G.: I codici Capponiani della bibl. Vaticana. Roma 1897 Bogeng, G. A. E.: Die großen Bibliophilen Bd. 3. Leipzig 1922…

Quatern

(157 words)

Author(s): W. Milde
(io), meist maskulin, aber auch feminin (lat. Vierzahl, Quartbogen, Heft), ist die Bezeichnung für eine Lage von vier in der Mitte gefalteten Doppelbl. (= acht Bl.), die übliche Lagenform ma. Hss.; im Sinne von «Bogen», «Heft» wurde der Ausdruck bereits von Cassiodor (um 487 — 583) in seinen «Institutiones« verwendet (18,3; 40,7; 41,8). Die Bezeichnung wurde auch von den Frühdruckern übernommen, wie u. a. der «Numerus et ordo quaternorum» in einem Koberger–Druck von 1485 (HC 4641) und die deutsc…

Federprobe

(250 words)

Author(s): W. Milde
(lat. probatio pennae), kürzerer oder längerer Eintrag in ma. Hss. vorne oder hinten, auch auf den Spiegeln der Einbanddeckel oder am Seitenrand. Einerseits handelt es sich dabei um einfache Schreibereien (Namen, einzelne Buchstaben bzw. Wörter, oft nur «probatio pennae»), um Feder bzw. Tinte zu prüfen; andererseits um Merkverse (oft korrupt oder unvollständig), die in den Bereich des ma. elementaren Schreibunterrichts verweisen. Kannte der Schüler das Alphabet, dann erfolgte dessen Einübung anh…

Kontraktion

(336 words)

Author(s): W Milde
ist neben der Suspension die zweite Art des lat. Abkürzungssystems, wobei nur der Anfangs– und der Endbuchstabe (bzw. die Hauptkonsonanten) zur Wiedergabe des Wortes verwendet werden und ein Strich über der Kürzung diese verdeutlicht. Nach Ludwig Traube ist diese Methode zunächst von den griech. Bibelschreibern verwendet worden. Er nahm an, daß diese Art auf jüdischen Einfluß zurückgehe (Gottesname). Doch kann man die Anregung dafür auch in der griech. Stenographie suchen, welche die veränderlic…

Lessing, Gotthold Ephraim

(390 words)

Author(s): W. Milde
* 22. 1. 1729 in Kamenz (Oberlausitz), U· 2. 1781 in Braunschweig, Bibliothekar, Dichter, Aufklärer. Nach dem Besuch der Kamenzer Lateinschule und der Fürstenschule St. Afra in Meißen begann L. 1746 das Studium in Leipzig (Theologie, Philologie); hier hatte er auch enge Verbindung zum Theater (Neubersche Truppe, «Der junge Gelehrte» 1748); 1752 legte er das Magisterexamen in Wittenberg ab. Seit 1748 war L. in Berlin (mit Unterbrechungen) als Herausgeber, Journalist und Rezensent (Freundschaft mi…

S

(150 words)

Author(s): W. Milde
achtzehnter Buchstabe des lat. Alphabets (neunzehnter im dt. Alphabet), entstand aus dem griech. Sigma, altgriech. (5. Jh. v. Chr.). Dieses wiederum stammt aus dem phönizischen bzw. altsemitischen Zeichen (13. Jh. v. Chr.). Semitisch sāmekh (semk) bezeichnete den Buchstaben S. Das s bezeichnet den stimmlosen dentalen Reibelaut (s); im Deutschen, Englischen und Fran-zösischen auch den stimmhaften dentalen Laut (z). Für sch im tschechischen, kroatischen, litauischen, lettischen Alphabet sowie in…

Clodius, Heinrich Jonathan

(158 words)

Author(s): W. Milde
4. 8. 1767 in Dresden, Bibliothekar, Sekretär der Kurfürstlichen Bibl. in Dresden 1743 — 1767. C. erarbeitete den alphabetischen Kat. (20 Bde. 1750 — 1753) und machte sich um die Verzeichnung der Hss. verdient. Im Siebenjährigen Krieg lagerte er die Bestände in die Kasematten am Opernhaus aus (1760). Werke: «Specimen thesauri novae Bibliothecae litterariae universalis realis» 1757; « Kurzgefaßte historische Nachricht von der ehemaligen und gegenwärtigen Einrichtung der Churfürstlichen Bibl. zu Dresden 1763; «Primae lineae bibliothecae lusoriae» 1761. W. Milde Bibliography Ad…

Schweiger, Franz Ludwig Anton

(228 words)

Author(s): W. Milde
* 29. 3. 1803 in Braunschweig, † 23. 4. 1872 in Göttingen, Professor der Literärgesch. und Bibliothekar, 1836–1838 Bibl.sekretär in Wolfenbüttel unter dem Oberbibliothekar Karl Philipp Christian Schönemann. S. war gegen die weitere Auflö-sung der alten Sammelbde. und wollte die alte Ordnung des Herzogs August retten. 1838 ging er nach Göttingen als Unterbibliothekar, 1858 wurde er 2. Bibliothekar neben dem Oberbibliothekar Karl Friedrich Christian Hoeck. Er hatte entscheidenden Anteil an den Dir…

Handschriftensammlungen

(6,210 words)

Author(s): W. Milde
(hier: Slg. abendländischer Hss.) sind mit wenigen Ausnahmen Bestandteile öffentlicher Institutionen (überwiegend der Bibl.en). Eine Gesamtübersicht mit exakten Zahlenangaben der Bestände gibt es nicht, zumal einheitliche Aufnahmeverfahren und Zählweisen nicht existieren. Regionale Übersichten gibt es für die BRDeutschland, die USA, die UdSSR und für Polen. Eine heute noch maßgebliche Auflistung gab der Münchener Philologe und Mediävist Ludwig Traube («Vorlesungen und Abhandlungen» Bd. 1, S. 127), als er die wichtigsten europäischen Bibl.e…

Heinemann, Otto von

(234 words)

Author(s): W. Milde
*7.3.1824 in Helmstedt, † 7. 6. 1904 in Wolfenbüttel, Bibliothekar und Historiker. H. studierte Gesch. und neuere Sprachen in Bonn und Berlin (insbes. bei Leopold von Ranke), war 1848 – 1850 Hauslehrer in Paris, 1854–1863 Gymnasialoberlehrerund Archivar in Bernburg, 1868–1904 Leiter der Bibl, zu Wolfenbüttel. Er begann mit der modernen Katalogisierung der Hss. (1. Bd. 1884) und Drucke in Wolfenbüttel, ließ den Neubau des Bibliotheksgebäudes errichten (1881–1886; das ältere, die baufällig geworde…

Riddagshausen

(327 words)

Author(s): W. Milde
(urspr. «Cella S. Mariae») ehemaliges Zisterzienserkloster, östlich von Braunschweig, 1934 eingemeindet. R. wurde 1145 gegr. als Filiation des Zisterzienserklosters Amelungsborn; es erhielt zahlreiche Dotationen, u. a. von Heinrich dem Löwen. 1216 Baubeginn, 1275 Weihe der heutigen Kirche (seit 1568 evangelische Pfarrkirche). 1542 bzw. 1568 wurde die Reformation eingeführt, nach dem 30jährigen Krieg wurde R. herzogliche Domäne. Im 16. und 17. Jh. erlitt R. oftmals Plünderungen, und Zerstörungen.…

Plinius Secundus der Ältere, Gaius

(140 words)

Author(s): W Milde
(23 — 79 n.Chr.), aus Comum (= Como, Oberitalien), röm. Offizier und Verwaltungsbeamter, beim Vesuvausbruch am 24. 8. 79 als Opfer seines Forschungsdranges in Aschenregen und Vulkangasen umgekommen. Von seinen Werken hat sich nur die «Naturalis historia» (37 Bücher, unvollendet, über 300 bekannte Hss. und 21 Ink. [H 13087 — 13107]) erhalten, eine aus zahllosen Quellen und eigenen Erfahrungen zusammengestellte Enzyklopädie des damals bekannten Wissens: Entstehung des Weltalls, Geographie, Medizin…

Laskaris, Janos

(234 words)

Author(s): W. Milde
(genannt Rhyndaconus), * 1445, f 7. 12. 1534, byzantinischer Philologe, Dichter und Bibliothekar. Er floh 1453 aus Konstantinopel über Kreta nach Italien, wurde um 1475 in Florenz Lehrer für Griech. und Bibliothekar bei Lorenzo de'Medici, für den er auf zwei Reisen 1491/1492 ca. 200 griech. Hss. erwarb (bes. aus Klöstern auf dem Athos und auf Kreta). Nach der Vertreibung der Medici aus Florenz (1494) ließ er sich 1496 in Paris nieder, unterrichtete dort Griech., war befreundet mit Guillaume Búdé…

Bernward

(279 words)

Author(s): W. Milde
* ca. 960, 20. 11. 1022 in Hildesheim, Bischof von Hildesheim, heiliggesprochen 1192. Aus sächsischem Hochadel; ca. 975 Eintritt in die Domschule Hildesheim (Leiter: Thangmar). Diakon-u. Priesterweihe in Mainz, danach Verwaltung von Familiengütern. Eintritt in die Hofkapelle Ottos III.; 987 (Mit-)Erzieher des jungen Königs; 993 Bischof von Hildesheim. Gründete u.a. 1001 das Michaelskloster in Hildesheim. Unter B. kam Hildesheim zu erstrangiger künstlerischer Blüte («Bernwardinische Kunst»). Von ihm angeregt, gefordert oder veranlaßt: Buchkunst (fünf…

P

(109 words)

Author(s): W. Milde
fünfzehnter Buchstabe des lat. Alphabets (sechzehnter im dt. Alphabet), griech. TT (Pi). Er bezeichnet den stimmlosen bilabialen Verschlußlaut. Die früheste kalligraphische Form (Capitalis) zeigt einen senkrechten Schaft und einen von seiner oberen Spitze nach unten, zur rechten Mitte hin geführten gerundeten Bogen, der den Schaft noch nicht berührt. In der älteren röm. Kursive ist der Schaft schräg, der Bogen geht — mehr oder weniger stark gerundet — dagegen nach rechts oben; in der jüngeren röm. Kursive ähnelt der Buchstabe, etwas schräg stehend, im alig. der heutigen Form. W. M…

Retondilla

(115 words)

Author(s): W. Milde
(Redondilla), eine Schriftform in Spanien und Portugal, entwickelt im 16. Jh. aus der gotischen Kursive unter EinfluB von Rotunda und humanistischer Schrift. Die mit einer Breitfeder geschriebene senkrechte und runde Schrift blieb bis zum 17./ 18. Jh. in Gebrauch und hat auch auf Frankreich, England und auf die Niederlande eingewirkt. Verschiedene Varianten sind, je nach dem Grad der kursiven Gestaltung, R. liana (formalste Art, rund und schmal, mit Schleifen an den oberen Schaften), R. liberal (weniger formal, mehr Schleifen), R. tirada (ohne Schleifen). Retondilla. Spanisch…

Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek

(1,206 words)

Author(s): W. Milde
Diese Bibl. gehört heute wie die Biblioteca Apostolica Vaticana, die Medicea-Laurenziana, die Bibliotheca Hertziana, die Biblioteca Ambrosiana, die Pierpont Morgan Library und zahlreiche große Staats-, Landes- und Univ.bibliotheken zu den bedeutendsten Forschungsstätten der gelehrten Welt, d. h. zu den Orten, in denen aufgrund ihrer Bestände an ma. und neueren Handschriften, an alten Büchern, Karten und anderen kostbaren und seltenen Mate-rialien Forschungstätigkeit in bes. Maße möglich ist und …

Heinse, Johann Jakob Wilhelm

(260 words)

Author(s): W. Milde
* 15. 2. 1746 in Langewiesen bei Ilmenau (Thüringen), † 22. 6. 1803 in Aschaffenburg, Bibliothekar und Dichter (Begründer des dt. Kunstromans). H. studierte Jura in Jena und Erfurt (Bekanntschaft mit Wieland), war Hauslehrer in Halberstadt, ging 1774 als Mithrsg. von J. G. Jacobis Damenzs. «Iris» nach Düsseldorf und hielt sich 1780–1783 in Italien auf (einschl. Bibliotheksstudien). 1786 war H. Vorleser des Kurfürsten und Erzbischofs von Mainz Friedrich Karl Joseph von Erthal, 1788–1803 kurfürstl…

Bernwards «Kostbares Evangeliar»

(222 words)

Author(s): W. Milde
Hildesheim Domschatz Nr. 18 (Prachths. mit 232 BL); entstanden Anfang des 11. Jh.s in Hildesheim durch Bischof Bernward. Zunächst wohl für den Dom bestimmt, dann an das dortige Michaelskloster gelangt. Mit vier Incipitseiten, fünf Initial- u. Zierseiten, 16 Bildseiten (einschl. Evangelisten; überwiegend zweigeteilt) u. einer Federzeichnung (mit einem zusätzlichen Matthäus). Fol. 16v u. 17r doppelseitiges Widmungsbild: Links legt Bernward vor einer Kirchenarchitektur einen Prachtcodex auf einen A…

Benecke, Georg Friedrich

(270 words)

Author(s): W. Milde
*10. 6. 1762 in Mönchsroth (Oettingen), †21. 8. 1844 in Göttingen, Bibliothekar und Germanist, studierte seit 1780 Theologie, später klass. Philologie (in Göttingen bei Chr. G. Heyne). Seit 1789 an der UB Göttingen: 1792 Sekretär, 1799 Kustos, 1815 Unterbibliothekar, 1820 Hofrat, 1829 Erster Bibliothekar, 1837–1844 Leiter der Bibl, (ohne den Titel «Oberbibliothekar»). 1805 Professor für englische u. altdeutsche Philologie in Göttingen. B. hielt als erster Vorlesungen über altdeutsche Literatur u…

Bote (Botho), Konrad

(196 words)

Author(s): W. Milde
Chronist Ende des 15. Jh.s, als Goldschmied aus Wernigerode nach Braunschweig gekommen, hier 1475 – 1501 dokumentarisch nachweisbar. Vetter (?) von Hermann Bote, dem Verfasser des Eulenspiegelbuches. Höchstwahrscheinlich in Braunschweig entstand 1489–1491 B.s vielgelesene mittelniederdt. Sachsenchronik: Niedersächsischc Landesgesch., verbunden mit Kaiser- und Fürstengesch.; annalistisch angelegt von der Erschaffung der Welt bis 1489, reich an Details. Abbildungen, Wappen sowie größere und kleine…

Südenglische Gruppe

(239 words)

Author(s): W. Milde
ist eine von dem Kunsthistoriker E. H. Zimmermann geprägte Bezeichnung für eine Reihe von angelsächsischen Miniaturhss. der 2. Hälfte des 8. Jh.s. Heute spricht man meist von «italo-sächsischer Hss.-Gruppe» (italisierende Richtung mit spätantiken Vorlagen, im Gegensatz zum «hiberno-sächsischen Stil», an deren zeitliche Spitze der Codex Amiatinus I gestellt wird (Florenz, Bibl. Medicea-Laurenziana; zwischen 690 und 716 in Wearmouth-Jarrow entstanden, mit einer Majestas Domini und einer Initiale),…

Weischner (auch Weyschner, Weschner), Lukas

(210 words)

Author(s): W. Milde
* 1550 in Erfurt, † um den 6. November 1609 in Jena. Buchbinder und Bibliothekar. Zunächst tätig in Jena, wurde er 1572 Hofbinder und Bibliothekar an der Wolfenbütteler Bibl. des Herzogs Julius von Braunschweig und Lüneburg (für 30 Taler jährlich, Freitisch und freie Wohnung, dazu ein Sommer- und ein Winterkleid). Zu seinen Aufgaben gehörten: Buchbinderei, Büchererwerbung, Sauberhaltung der Bibliothek, Aufsicht, Besucherführung, Ausleihe. Er war seit 1575 Univ.buchbinder in Helmstedt, ab 1578 Un…

Q

(197 words)

Author(s): W. Milde
16. Buchstabe des lat. Alphabets (17. im dt. Alphabet), entstanden aus dem altsemitischen Köph Фϕ, 12. Jh. v. Chr.), das einen hinteren k-Laut bezeichnet und ins Griech. als Koppa überging (altostgriech. Q, 6. Jh. v. Chr.). Mit dem griech. Alphabet übernahmen es die Römer, die den Gebrauch des Zeichens in klassischer Zeit auf die Stellung vor konsonantischem u (qu) beschränkten (Lautwert kw). Nach lat. Vorbild wurde es auch in dt. heimischen Wörtern verwendet (Quelle, Quirl). Im Ital. gilt der l…

Hildegard von Bingen

(525 words)

Author(s): W. Milde
* 1098 in Bermersheim bei Alzey, † 17. 9. 1179 auf dem Rupertsberg bei Bingen, Äbtissin, prophetische Mystikerin, Seherin, auch Naturwissenschaftlerin und Ärztin, vom 15. Jh. an im römischen Martyrologium als Heilige genannt (Fest 17. September). Mit acht Jahren der Reklusin Gräfin Jutta von Sponheim auf dem Disibodenberg (Nahe) übergeben und von ihr erzogen, legte sie zwischen 1112 und 1115 die ewigen Gelübde ab und leitete nach Juttas Tod (1136) die Gemeinschaft der Schwestern (meist adeligen …

Helmarshausen

(610 words)

Author(s): W Milde
(nördlich von Kassel, bei Karlshafen/Weser), Benediktinerkloster (geweiht Petrus, Salvator, Maria und Modoaldus), gegr. vor 997 von Graf Eckart [von Reinhausen] und seiner Gemahlin Mathilde, von Kaiser Otto III. 997 als Reichsabtei bestätigt, von Kaiser Heinrich II. 1017 Bischof Meinwerk von Paderborn als Eigenkloster übertragen, in der 2. Hälfte des 12. Jh.s unter dem Schutz Heinrichs des Löwen (Vogt bis 1180), 1220–1326 unter dem Schutz Kurkölns, dann abhängig von Paderborn, 1476 unter hessisc…

Kodikologie

(605 words)

Author(s): W Milde
ist die Lehre vom Buch in Kodexform, speziell die des handgeschriebenen spätantiken und ma. Buches. Im engeren Sinn untersucht K. als analytisch-empirische Disziplin in außerordentlich detaillierter Form die materiellen (physischen) Gegebenheiten der Hs., insbes. Beschreibstoffe (Pergament, Papier), Schreibmaterial (Schreibinstrumente, Werkzeuge, Tinte, Farben), Herstellung bzw. Komposition des Buches (Buchblock, Lagenbildung, Faltung, Linierung, Zeilensysteme, Schriftspiegel, Einteilung in Spal…

Nomina Sacra

(230 words)

Author(s): W. Milde
bezeichnen seit Ludwig Traube die Kürzungen der Hauptbegriffe der christlichen Lehre, die zuerst von den griech. Bibelkopisten verwendet wurden. In I lat. Hss. begegnen durch Kontraktion gekürzt zu-nächst die Worte Deus, Jesus, Christus, Spiritus und dominus: Bei der Kontraktion werden nur der erste und der letzte Buchstabe bzw. die Hauptkonsonanten geschrieben: bzw. (die beiden Letzten sind halbgriech.). Die Kontraktion ist die zweite Art des lat. Abkürzungssystems und wird durch einen Strich…

Vorstius, Joris

(441 words)

Author(s): W. Milde
* 29. 6. 1894 in Sterkrade (Rheinland), † 2. 2. 1964 in Berlin, dt. Bibliothekar, Bibliograph, Pro- fessor für Bibl.wissenschaft. Sohn eines Pfarrers, studierte V. Germanistik, Theologie und Klassische Philologie in Marburg und Göttingen. Er promovierte 1917 und legte 1920 die bibliothekarische Fachprüfung für den höheren Dienst an wiss. Bibl. in Göttingen ab. 1920–1955 war er an der Preußischen (später Deutschen) SB zu Berlin tätig: 1925 Bibl.rat., 1946–1955 Direktor der Kat.abteilung, 1952 Lei…

Handschriftenwanderungen

(870 words)

Author(s): W. Milde
sind in der Handschriftengesch. die Regel; Hss. wanderten sowohl einzeln als auch bestandsweise. Ihre heutigen Aufbewahrungsorte stimmen nur selten mit ihren Entstehungsorten überein: Zu den wenigen Ausnahmen, die noch heute ihren alten, zumeist im eigenen Scriptorium entstandenen Handschriftenbestand bewahren, gehören z. B. in der Schweiz St. Gallen und Einsiedeln, in Österreich u. a. Klosterneuburg, Melk, Zwettl, St. Florian, in Italien Montecassino und die Biblioteca Capitolare Verona. In den…

Interpolation

(85 words)

Author(s): W. Milde
Änderungen in alten Texten, die nicht auf Schreib er versehen beruhen, sondern durch bewußte, aber nicht eingestandene (nicht bezeichnete) Eingriffe in die Überlieferung der Originaltexte entstanden sind (z. B. bei Homer, einigen Gedichten des Horaz, in den Digesten des Justinian). Meist handelt es sich dabei um Einschaltungen oder Einschiebungen von Wörtern, ganzen Sätzen, Strophen oder Abschnitten. Derartige Texte sind oft nur schwer als manipuliert zu erkennen, zuweilen sogar den Fälschungen benachbart. W. Milde Bibliography Maas, P.: Textkritik. 4. Aufl. Leipzig 19…

Conring, Hermann

(245 words)

Author(s): W. Milde
* 9. 11. 1606 in Norden, † 12. 12. 1681 in Helmstedt, Polyhistor, Begründer der deutschen Rechtsgesch., bibliothekarischer Berater Herzog Augusts d.J. zu Braunschweig-Lüneburg. Wurde in Helmstedt 1632 Professor der Naturphilosophie, 1637 der Medizin, 1650 der Politik. Außerdem Leibarzt 1649 in Ostfriesland und 1650 in Schweden; 1658 schwed. Geheimer Staatsrat, 1660 Geheimer Rat des Herzogs August, 1669 dän. Etatsrat. Neben seinen medizinischen, historischen und rechtshistorischen Arbeiten («De o…

Fürstenbibliotheken

(859 words)

Author(s): W. Milde
entstanden durch bibliophile Leidenschaft und Mäzenatentum ihrer adligen Stifter; sie waren als Privatbibl, en konzipiert, sollten aber auch der Wissenschaft offenstehen und der fürstlichen Repräsentation dienen (wie dies in den Baulichkeiten zum Ausdruck kommt). Wenn auch bereits Karl der Große und andere Herrscher des MA bis zu Kaiser Friedrich II. († 1250) Bü-cherslg. anlegten, so gibt es doch die F. als Institution im eigentlichen Sinne erst seit dem späten MA, als die Laienbildung in Europa zunahm und mit ihr die Lateinkenn…

Invocatio

(83 words)

Author(s): W. Milde
Anrufung Gottes bzw. des göttlichen Namens am Anfang ma. Urkunden. Dies kann durch Worte in unterschiedlichen Wendungen (häufig z. B. «In nomine sanctae et individuae trinitatis») oder symbolisch durch das Chrismon (zunächst ein reich verziertes Kreuz, daneben der verzierte Initialbuchstabe C oder das griech. Monogramm Christi) geschehen, aber auch durch Verbindung beider Möglichkeiten. In nomine W. Milde Bibliography Erben, W.: Urkundenlehre. T. 1. München/Berlin 1907, S. 140ff., 2l7ff., 306ff Bresslau, H.: Handb. der Urkundenlehre. Bd. 1. 3. Aufl. Berlin 1958, S. 47.

Metten

(357 words)

Author(s): W. Milde
Benediktinerabtei (Kreis Deggendorf, Niederbayern), gegr. ca. 766, besiedelt wahrscheinlich mit Rei–chenauer Mönchen, 1236 Vernichtung von Kloster, Kirche und Bibliothek durch Brand. 1414 entstanden eine Biblia Pauperum mit zahlreichen hervorragenden Federzeichnungen und eine Benediktinerregel mit ungewöhnlich qualitätvollen Miniaturen aus dem Leben des Heiligen (heute: München, Bayerische SB, Clm 8201 und 820 Id). 1624 wurde ein Bibliotheksbau errichtet, 1724 bis 1726 folgte die Einrichtung des…

IncipitW

(194 words)

Author(s): W. Milde
(in cant) Wendung am Anfang von Texten in ma. Hss. oder Inkunabeln, die den Text einleitet; meist in der Form «Hic incipit ...». Das I. vertritt im MA den Buchtitel. Es wird – wie sein Gegenstück, das Explicit, am Schluß eines Textes – häufig hervorgehoben durch eine besondere Schriftart (z.B. durch Majuskelschrift in Minuskeltexten bzw. durch eine nicht mehr als Textschrift gebräuchliche ältere Schriftart als Auszeichnungsschrift) oder durch Farbe (meist rot) oder durch abwechselnd andersfarbig…

E caudata

(146 words)

Author(s): W. Milde
(ę), das unten mit einem zumeist bogenförmigen Strich (Schwanz, Schweif) versehene e für den Diphthong ae. Entstand aus der Ligatur ae durch Reduzierung des weiter nach unten gesetzten a zu einem Bogen bzw. Haken bzw. Strich. Begegnet seit Anfang des 6. Jh.s, wurde bald sehr häufig und verdrängte im 10. und 11. Jh. zusehends ae (auch für e und oe, da lautlicher Zusammenfall). Im 12. Jh. wich £ dem einfachen e. In den humanistischen Schriften tauchte ę neben ae wieder auf (und hielt sich bis nach 1500). E caudata. Nach Lindsay. W. Milde Bibliography Lindsay, W. M.: The Letters in early Lati…

Bethmann, Ludwig Konrad

(223 words)

Author(s): W. Milde
* 23. 6. 1812 in Helmstedt, † 5. 12. 1867 in Wolfenbüttel, Bibliothekar und Historiker, studierte Philologie u. Geschichte in Göttingen (bei Jacob u. Wilhelm Grimm, K. O. Müller, F. C. Dahlmann). Zunachst Hauslehrer, 1837–1854 Mitarbeiter («gelehrter Gehilfe») an den «Monumenta Germaniae historica» (mit Reisen nach Holland, Belgien, Frankreich, Italien), 1854–1867 Bibliothekar (Direktor) der Herzoglichen Bibl. in Wolfenbüttel, um deren Ausbau er sich verdient machte (Erwerbung: Jährlicher Zuwach…

Plutarch

(98 words)

Author(s): W Milde
ca. 46 — 120 n. Chr., aus Chaironeia (Böotien) stammender Biograph und Philosoph, letzter griech. Schriftsteller von Bedeutung, nach Studien in Athen und Rom im kommunalen Bereich tätig. Sein Hauptwerk sind die Biographien von Staatsmännern und Feldherren, wobei jeweils ein Grieche und ein Römer im Vergleich als Paar zusammengeordnet werden (z.B. AlexanderCaesar, Demosthenes — Cicero); insgesamt 23 Paare und vier Einzelpersonen — ein Werk mit moralischer Zweckbestimmung. Außerdem haben sich von …

Klosterbibliotheken

(1,055 words)

Author(s): W. Milde
sind der wichtigste und zahlenmäßig größte Bibliothekstyp des abendländischen MA. Daneben gab es Dombibl.en, einige wenige Bibl.en von Personen, sowie seit dem hohen MA die UB (Bibliotheksgesch., MA). Die Klöster brauchten für die Erfüllung ihrer Aufgaben eine Anzahl von Büchern, für den Gottesdienst, für die Bibelauslegung, für die Tischlesung, für das Studium. Umfangmäßig waren die K. sehr unterschiedlich, von wenigen Cod. in kleineren Klöstern bis zu mehreren Hundert Bdn. in größeren, wie ber…

Maurdramnus

(160 words)

Author(s): W. Milde
Abt von Corbie (772—780) und Auftraggeber von Handschriften. Mit seinem Namen ist ein Schrifttyp verbunden, der als früher Vertreter einer nahezu vollentwickelten karolingischen Minuskel gilt («M. Minuskel», bes. charakteristisch sind die Buchstaben f, r, s). In Corbie wurden innerhalb eines Jh.s bis zur Zeit Karls des Großen mehrere Schrifttypen nebeneinander verwendet, nämlich der «eN-Typ» und der häufiger vorkomniende «ab-Typ». Neben ihnen ist der M.-Typ der fortgeschrittenere, der seine halb…

W

(100 words)

Author(s): W. Milde
23. Buchstabe im dt. Alphabet, kommt im Lat. nicht vor, entstanden durch Verdoppelung des V. Er bezeichnet im Dt. den stimmhaften labiodentalen Reibelaut und wurde erst durch den dt. Laut notwendig. Im MA an-fangs durch uu dargestellt; etwa im 11. Jh. kam die Form W auf (neben uu). Im Englischen W blieb der alte stimmhafte bilabiale Lautwert erhalten. In angelsächsischen Texten wird statt W oft die Rune = wyn gebraucht, die auch im Althochdt. vorkommt (Hildebrandslied, Glossen). Als Majuskel fi…

Pultbibliotheken

(699 words)

Author(s): W Milde
vorherrschender Bibliothekstyp im SpätMA und in der Renaissance, sowohl in Kirchen und Klöstern als auch in Profanbauten. Es handelt sich dabei um Räume, in denen die Bücher — überwiegend angekettet — flach auf geneigten Pulten oder «Buchbänken» (pulpita, lectrina) zur Benutzung bereitlagen. Nicht selten gab es unter der Pultplatte noch ein Fach zur Ergänzung des Ablageraumes. Das ein- oder zweiseitig abgedachte Pult, in der Form aus den älteren Schreib– bzw. Lesepulten in den Schreibstuben der …

U

(158 words)

Author(s): W. Milde
zwanzigster Buchstabe des lat. Alphabets (einundzwanzigster im dt. Alphabet), geht zurück auf die griech. Zeichen (7. Jh. v. Chr.); diese hängen zus. mit dem altsemitischen Zeichen (13. Jh. v. Chr.). Die Formen U und V in der lat. Schrift haben eine gemeinsame Herkunft: In der Capitalis quadrata (in Hss. und Inschriften) wurde für den Vokal wie für den Konsonanten gleichermaßen die unten spitz zulaufende Form V verwendet; von Capitalis rustica an, insbes. aber seit der Unzialis sowie zumeist auc…

Meyer, Wilhelm

(277 words)

Author(s): W Milde
gen. «Meyer aus Speyer», 1. 4. 1845 in Speyer, 9. 3. 1917 in Göttingen, klassischer und mittellat. Philologe und Handschriftenbibliothekar. M.wurde 1867 von dem Direktor der Münchener Hof– und SB Karl Halm, zur Mitarbeit an der Katalogisierung der mehr als 27 Tsd. lat. Münchener Hss. herangezogen, von denen er rund 15 Tsd. verzeichnete und für die Drucklegung des Kat. vorbereitete (1871— 1881). Er wurde 1875 Bibliothekssekretär in München, 1886 ordentlicher Professor für klassische und mittellat…

R

(128 words)

Author(s): W. Milde
siebzehnter Buchstabe des lat. Alphabets (achtzehnter im dt. Alphabet), entstanden aus dem griech. Rho = «P» durch Verlängerung des Schrägstrichs rechts, der sich bereits in westgriech. Inschriften findet. Der Name, phönizisch rösch, bedeutet «Kopf». Mit dem griech. Alphabet übernahmen es die Römer. Die früheste kalligraphische Form (Capitalis) zeigt links einen senkrechten Schaft, dem oben ein gerundeter Halbbogen in Richtung Mitte links angefügt ist, dessen unteres Ende frei schwebt (d. h. nic…

Evangeliar Heinrichs des Löwen

(353 words)

Author(s): W. Milde
entstanden in Helmarshausen (heute Ortsteil von Karlshafen, Weser) um 1188 im Auftrag des Weifenherzogs Heinrich des Löwen (1129/1130–1195) und seiner Gemahlin Mathilde (1156 bis 1189), die es der Stiftskirche St. Blasius in Braunschweig widmeten. Die guterhaltene Hs., eine der prachtvollsten Leistungen der Buchkunst und hervorragendes Zeugnis ma. Frömmigkeit, besteht aus 226 Pergamentblättern (Maße 34,2 X 25,5 cm). Sie enthält als Dekor nach einem Widmungsgedicht (mit Angaben über die Stifter, …

Dedikationsbild

(435 words)

Author(s): W. Milde
(lat. dedicatio = Vollzug der Übergabe einer Sache, z.B. einer Opfergabe, an eine Gottheit); auf frühchristlichen Mosaiken Darbringung von Märtyrerkronen bzw. Architekturmodellen, in der Buchmalerei Darstellung der Darbringung bzw. Widmung eines Buches. Der Autor, Schreiber, Übersetzer oder Besteller bzw. Stifter eines Buches (Dedikator) überreicht es einer übergeordneten Persönlichkeit (Empfänger), für die es bestimmt ist. Als solche gelten sowohl religiös zu verehrende Gestalten wie Christus, …

Cesena

(244 words)

Author(s): W. Milde
Biblioteca Malatestiana. Gegr. 1452 von Malatesta Novello dei Malatesti, Herrn von Cesena (†† 1465), im alten Minoritenkloster San Francesco (13. Jh.). 1447—1452 Errichtung des Bibliothekssaales durch Matteo Nuti aus Umbrien. Einzige Bibl, der Frührenaissance, die noch völlig im Originalzustand erhalten ist: dreischiffige Basilika mit zwei Säulenreihen und 29 Bänken und Pulten mit angeketteten Büchern (mehrfach in Italien nachgeahmt). Berühmte lat. Inschrift über dem Eingang: «Der indische Elefa…

Lesepulte

(147 words)

Author(s): W. Milde
bzw. Schreibpulte oder Bücherpulte sind seit der karolingischen Zeit bekannt (zunächst in Miniaturen dargestellt, später auch als Originale erhalten). Sie dienten zum Auflegen der meist schweren Bände beim Lesen und Schreiben. Ihre bes. Blütezeit war während der Gotik, als man die Pulte durch Schnitzereien und Bemalung zu verschönern trachtete. Zuweilen vereinte man zwei Pulte übereinander, so daß das eine im Sitzen, das andere im Stehen benutzt werden konnte. Auch drehbare und transportable Pulte kommen vor. Eine bes. Art stellt das «Bücherrad» dar. Mit dem Übergang zu handl…

Subscriptio

(607 words)

Author(s): W. Milde
(lat. = Unterschrift) wird als Bezeichnung für Schlußschriften in Hss. verwendet, insbes. für Schluß-schriften in profanen und christlichen Hss. zur Zeit des Überganges von der Spätantike zum MA (4.–6. Jh.). Vielfach gibt die S. wichtige Anhaltspunkte für die Überlieferungsgesch. einzelner Texte, zumal wenn sie auf Textkorrekturen hinweist (bes. in Hss. antiker Autoren). Korrigiert bzw. emendiert wurde vorwiegend in Italien, z. B. in Rom, Verona, Ravenna, Mailand, im Kreis der Symmachi; aber auc…

Abkürzungen

(1,566 words)

Author(s): W. Milde
in der Schrift zur Zeit- und Raumersparnis hat es bereits in vorchristlicher Zeit gegeben; in ein System gebracht wurden sie vor allem durch die Römer. Das umfangreiche lateinische Abkürzungswesen des Mittelalters hat eine zweifache Wurzel: 1. die römischen epigraphisch-juristischen Kürzungen (älteste Art der Abkürzung, Charakteristikum: Suspension); 2. die christlichen Kürzungen der Nomina Sacra (Charakteristikum: Kontraktion). Zu 1: Bei der Suspension werden nur der erste Buchstabe bzw. die ersten Buchstaben eines Wortes oder auch einzelner Silben…

V

(85 words)

Author(s): W. Milde
Einundzwanzigster Buchstabe des lat. Alphabets (zweiundzwanzigster im dt. Alphabet). Die Formen V (unten spitz zulaufend) und U (unten gerundet) in der lat. Schrift haben eine gemeinsame Herkunft. Das V wird (wie das U) konsonantisch sowohl für den Lautwert f als auch für den Lautwert w benutzt («Vater/Valentin»), aber auch vokalisch für den Lautwert u («vokalisches» V in lat. «vniversale», in frühneuhochdt. «vnd»). Erst seit Beginn der Neuzeit wird die Form V nur noch konsonantisch, die Form U nur noch vokalisch benutzt. W. Milde

Purpurhandschriften

(530 words)

Author(s): W. Milde
Purpurgefärbte beziehungsweise -getränkte Hss., in Gold- und Silberschrift geschrieben, waren Luxusbücher, denn Purpur und Gold waren nicht nur teuer, sondern standen allein Göttern, Heiligen und Herrschern zu. Purpurgefärbtes Pergament kam bereits in der Antike vor (als Umschlag von Rollen), wurde später — zunächst zögernd - vom christlichen Buchwesen für Evangeliare und Psalterien übernommen, war vom östlichen Mittelmeerraum bis Westeuropa bekannt und erlebte in der Renaissance einen letzten H…

Bernwardbibel

(115 words)

Author(s): W. Milde
Hildesheim Domschatz Nr. 61 (vollständige Bibelhs. mit 486 Bl., 45,5×34,5 cm, zweispaltig); entstanden Anfang des 11. Jh.s in Hildesheim für das dortige Michaelskloster. Mit Zierinitialen (teils unvollendet) am Anfang jedes biblischen Buches u. einer Eingangsminiatur fol. 1: Goldenes Gemmenkreuz mit Hieronymus (oder Moses) u. personifizierter Ecclesia unter Arkade. Sie wird dem Diakon Guntbald zugeschrieben, der im Auftrag Bischof Bernwards an mehreren Hildesheimer Hss. arbeitete. W. Milde Bibliography Elbern, V. H. / Reuther, H.: Der Hildesheimer Domschatz. Hildesh…

Vilicus

(244 words)

Author(s): W. Milde
Verwalter, im Altertum Sklave und/oder Freigelassener für verschiedene Tätigkeiten, darunter in Bibliotheken. Bes. in der röm. Kaiserzeit wurden Personen, die in einer Art «Dienstverhältnis» zu einer Bibl. standen, ganz allg. als «a bibliotheca» bezeichnet. Zu ihnen gehörten wohl auch V. als Amtspersonen. Leiter von Bibl. waren meist wiss. ausgewiesene Gelehrte, oftmals von Kaisern berufen, wie der von Augustus als Leiter der Bibl. auf dem Palatin in Rom bestellte Philologe und Historiker C. Iul…

Richard de Fournival

(399 words)

Author(s): W. Milde
(1201 — 1260), seit 1246 Kanzler der Kirche von Amiens, zum Gelehrtenkreis der Pariser Sorbonne gehörig, Dichter im allegorisch – gelehrten Zeitstil. Seine «Biblionomia magistri Richardi de Furnivalle, cancellarii Ambianensis» (entstanden nach 1243; Hs.: Paris, Bibl, de la Sorbonne MS 636, Kopie 15. Jh.; Fragment [nur Anfangszeilen]: Paris, BN, MSS. Don. Nr. 18845, 2 - Hälfte des 13.J11.S) gibt die Beschreibung einer Bibl, allegorisch im Bild eines Gartens mit Früchten: Erstes Beet (Abt.) für di…

Quedlinburg

(403 words)

Author(s): W. Milde
Stiftsbibliothek. Das durch das sächsische Herrscherhaus 936 in Q. errichtete reichsunmittelbare Kanonissenstift St. Servatii besaß Hss. bald von Anfang an; ein frühes Scriptorium ist nicht nachgewiesen. Erst aus spätma. Zeit kennt man in Q. hergestellte Bücher, auch privaten Bücherbesitz bei Stiftskanonikern (mit Besitzvermerken). Von den vier dem Stift inkorporierten Stadtkirchen St. Benedikti, St. Nikolai, St. Blasii, St. Aegidii gelangten Hss. in Stiftsbesitz. Durch die Reformation (1539) wu…

Maugérard, Jean-Baptiste

(512 words)

Author(s): W. Milde
* 29. 4. 1735 in Auzéville (Meuse), f 15. 7. 1815 in Metz; Benediktinermönch, Bibliothekar, Hss.– und Inkunabelhändler. M. war 1751 Mönch in der Benediktinerabtei Saint–Vannes, dann Bibliothekar des Klosters Saint-Arnould in Metz; er wurde 1759 Priester und 1779 Bibliothekar des Metzer Bischofs Laval-Montmorency sowie Mitglied der «Société Royale des sciences et des arts de Metz» und brachte es 1781 zum Prieur von Chini (Luxemburg). M. kaufte und verkaufte für sein Kloster und für sich selbst Hs…

Kästner, Erhärt

(257 words)

Author(s): W. Milde
13. 3. 1904 in Schweinfurt, 3. 2. 1974 in Staufen (Breisgau), dt. Bibliothekar und Schriftsteller. K. begann nach Abitur, Antiquariatslehre und Studium (Germanistik, Gesch., Geographie) 1927 seine bibliothekarische Laufbahn. Stationen waren die Sächsische LB Dresden (bibliophile Slg., Einrichtung von Ausstellungsräumen) und die Herzog August Bibl. Wolfenbüttel (1950—1968 Direktor). Dazwischen war er Sekretär bei Gerhart Hauptmann (1936—1938). In Wolfenbüttel legte er den Grund zur modernen Forsc…

Analytische Handschriftenforschung

(383 words)

Author(s): W. Milde
untersucht die literarischen Handschriften der Neuzeit (besonders des 19. und 20. Jahrhunderts) in ihrem materiellen, greifbaren Charakter: Autorenhandschriften wie Schreiberkopien. Typisch sind dafür Vorarbeiten; Niederschriften zur Ausarbeitung des Textes (Konzepte mit Streichungen und Veränderungen, Versuche, Entwürfe); Reinschriften. Entwickelt in jüngster Zeit besonders in Frankreich als Hilfsdisziplin der neueren Literaturwissenschaft in Anlehnung an Kodikologie (Begriffsprägung 1949) und …

Opistographischer Druck

(97 words)

Author(s): W. Milde
heißt der beidseitige Abdruck von Holzschnitten bzw. Holztafeln in Blockbüchern des 15.J11.S. Zunächst konnte der Abdruck mit dem Reiber durch Handpressung nur einseitig ( Anopistographisch) erfolgen, da sich die Umrisse der Holztafeln so tief in das Papier eindrückten, daß die Rückseite nicht mehr zu bedrucken war. Die Blätter wurden mit ihren unbedruckten Rückseiten zusanmlengeklebt. Erst nach Erfindung der Buchdruckpresse konnten Vorderund Rückseite eines Blattes beidseitig bedruckt werden. W. Milde Bibliography Geldner, F.: Die Drucktechnik der Blockbücher. In:…

Liber floridus

(313 words)

Author(s): W. Milde
ist die Bezeichnung für die vermutlich älteste illuminierte ma. Enzyklopädie, die von Lambert, Kanoniker der Liebfrauenkirche in Saint-Omer, ca. 1090 begonnen und ca. 1120 beendet wurde. Er wollte das gesamte Wissen seiner Zeit dem heiligen Audomarus von Saint-Omer wie den eigenen Zeitgenossen darbieten, zumindest auszugsweise. Er stellte sein Werk aus über hundert Quellen, größtenteils aus Büchern der heimischen Bibl, zus., wobei er die zahlreichen Miniaturen einschließlich der Erd- und Himmels…

Wolfstieg, August

(196 words)

Author(s): W. Milde
Bibliothekar, Professor, Geheimer Regierungsrat, * 21. 6. 1859 in Wolfenbüttel, † 27. 5. 1922 ebenda. Der Sohn eines Sattlermeisters besuchte das humanistische Gymnasium «Große Schule» in Wolfenbüttel, studierte anschließend Philosophie und Gesch. in Berlin und schloß 1883 mit einer Promotion über die Stadt Goslar im 11. und 12. Jh. ab. 1882 Volontär, 1891 Kustos an der UB in Berlin, 1892–1896 Bibliothekar des Staatswissenschaftlichen Seminars. 1897 ging er an die Bibl. des Preußischen Abgeordne…

Lohnschreiber

(186 words)

Author(s): W. Milde
Antike und Spätantike kannten das gewerbsmäßige Abschreiben von Texten durch Berufsschreiber, genannt antiquarii, bibliographii, scriptores bzw. calligraphii librarii. Im frühen MA wurden sie durch Mönche und Nonnen abgelöst, die überwiegend für Gotteslohn, d. h. ohne Entgelt, arbeiteten. Als im 13. Jh. in den älteren Klöstern der wirtschaftliche und kulturelle Niedergang einsetzte, zeigten sich seine Auswirkungen auch in der Vernachlässigung der Scriptorien: Das Abschreiben überließen die des S…

Unziale

(1,895 words)

Author(s): W. Milde
Bezeichnung für eine Form sowohl der griech. wie der lat. Buchschrift. 1. Gr iechische Unziale. Griech. U. ist eine zwischen zwei Linien gesetzte Majuskelschrift mit Neigung zur Rundung der Buchstaben, beginnend in geringem Umfang im 4. Jh. v. Chr. (z. B. auf Papyri aus Ägypten). Die Buchstaben stehen unverbunden nebeneinander, ohne Wort- und Satztrennung. Bes. typische Buchstaben sind €, ω. Nach den beiden Schriftträgern spricht man von Papyrusunziale (4. Jh. v. Chr.–8. Jh. n. Chr.) und von Pergamentunziale (…

Riesenbibeln

(283 words)

Author(s): W. Milde
von dem Kunsthistoriker Georg Swarzenski (1876 — 1957, Frankfurt a.M. / Boston, Massachusetts) in die Gesch. der ma. Buchmalerei eingeführte Bezeichnung eines Typus von Bibeln im Großfolioformat, die mit Initialen, Figuren und szenischen Darstellungen geschmückt sind. Die romanischen R., die unter den illuminierten Hss. des MA eine Gruppe für sich bilden, finden sich zuerst (vor und nach 1100) in Ober– bzw. Mittelitalien (R. aus Hirsau 2. Hälfte n. Jh., R. aus St. Florian ca. 1075, R. aus Cividale 1. Hälfte 12. Jh.). Von ihnen ang…

Praun, Georg Septimus Andreas von

(251 words)

Author(s): W. Milde
* 4. 8. 1701 in Wien, 1. 5. 1786 in Braunschweig, Bibliothekar, Archivar und Minister. P. führte von 1751 an die Oberaufsicht über die herzogliche Bibl, in Wolfenbüttel, war Vorgesetzter von Christian Johann Brandan Hugo (1725 bis 1804), Gotthold Ephraim Lessing (1729 — 1781) und Ernst Theodor Langer (1743 — 1820). Er studierte in Altdorf, wurde 1725 Assessor und Kammeijunker in Oettingen, ca. 1727 Bibliothekar in Blankenburg, Harz, der Residenz des Herzogs Ludwig Rudolf von Braunschweig–Lünebur…

Initia

(358 words)

Author(s): W. Milde
Anfangswörter bzw. Anfangswendungen oder Anfangssätze eines Textes, der am Beginn eines Buches oder am Anfang eines Schriftwerkes steht (meist in Hss.). Die Initien bilden häufig das wichtigste Mittel, einen bestimmten Text (bzw. eine bestimmte Hs.) zu kennzeichnen, wobei oftmals noch entsprechende Sätze oder Wendungen vom Schluß des Textes hinzutreten können. Diesen Kennzeichnungen eines Textes bzw. einer Hs. kam bes. Bedeutung in einer Zeit zu, als exakte Angaben über Verf., Titel, Datierung u…

Aschaffenburg

(169 words)

Author(s): W. Milde
Die Hofbibliothek (Schloß Johannisburg) entstand 1794 durch die Verlegung der Privatbibliothek des Mainzer Kurfürsten und Erzbischofs Friedrich Karl Joseph vonErthal (1774-1802), (Bestand 1785: 8000 Bde.). Mit ihr kam auch der Dichter Wilhelm Heinse (1746-1803) als Bibliothekar von Mainz nach A. In der Sammlung befinden sich u. a. Stücke aus der Mainzer Dombibliothek, darunter fünf Prachthss., die für Erzbischof Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490-1545) hergestellt worden waren (z. B. das Ha…

Anopistographisch

(57 words)

Author(s): W. Milde
nennt man Drucke, bei denen das Papier nur einseitig, und zwar meist mit dem Reiber durch Handpressung bedruckt wurde, wie das bei Blockbüchern des 15. Jh.s oftmals der Fall ist. Bei der Benutzung des Reibers drückten sich die Umrisse der Zeichnung so tief in das Papier ein, daß die Rückseite unbedruckt bleiben mußte. W. Milde

Rubrica

(301 words)

Author(s): W. Milde
(lat. rubrica terra, rubrum = rote Erde, rote Farbe, Rötel), einfache Strichelung in Rot beziehungsweise Rotschreibung, als Mittel, um in Hss. Überschriften, wichtige Wörter, Zeilen (Incipit, Explicit), Textabschnitte beziehungsweise Texteinschnitte hervorzuheben, eine Arbeit, die im allg. dem Rubrikator (oftmals identisch mit dem Schreiber) zukam. Meist fin den sich rote oder rot gestrichelte Zeilen am Anfang wie am Schluß von Hss.; innerhalb eines Textes sollte Rot die Gliederung und Übersicht…

Handschriftenkataloge

(1,010 words)

Author(s): W. Milde
Das Verzeichnen von ma. wie nachma. abendländischen Hss. geschieht, obwohl jede Hs. aufgrund ihrer Eigenart (Inhalt, äußere Merkmale, Gesch., Leserschaft) ein Individuum darstellt und dem Bearb. stets neue Probleme bietet, nach Regeln bzw. Richtlinien, die eine gewisse Einheitlichkeit bei der Beschreibung anstreben und z. T. bereits vor Jahrzehnten aufgestellt wurden: in Frankreich (um 1900), Österreich (1975). in der BRDeutschland (1963), in der DDR (1983). Die meisten abendländischen Hss. find…

Paläographie

(2,333 words)

Author(s): W. Milde | O. Mazal
(griech.: παλαιός = alt; γράφειν = schreiben), Kunde von den alten Schriften. Definition und Aufgabe. P ist die Lehre von der Entwicklung der Buchstabenschrift und der Wandlung der einzelnen Buchstabenformen, hier insbes. der lat. Schrift des röm. Altertums und des abendländischen MA. Sie hat als Methode dafür den Vergleich entwickelt. Losgelöst von der P. im engeren Sinn haben sich im Laufe der Zeit die Erforschung der Urkundenschrift, ferner die Papyrologie, die Epigraphik, die Numismatik und die Sphragis…

Briefsammlungen

(526 words)

Author(s): B. Bader | W. Milde
1. Im Altertum. Schon früh wurden Briefe berühmter Personen wie lit. Werke gesammelt und veröffentlicht, z.T. von den Verf. selbst. So entstanden B. von Platon, Aristoteles, Demosthenes, Isokrates u. a. In sie sind aber auch gefälschte Briefe geraten, und die Unterscheidung von echten und gefälschten Briefen (z. B. Platons) zählt zu den umstrittensten Fragen in der Klassischen Philologie. Daneben sind B. historischer Personen komplett fingiert worden, z. B. der angebliche Briefwechsel zwischen Paul…

Handschrift

(1,045 words)

Author(s): G. Pflug | W Milde
1. Art und Duktus der Schriftzüge einer Person in ihrer individuellen Ausprägung, etwa als deutliche, ausgeschriebene, unleserliche H. Aus ihrer Eigenart kann ein nicht genannter Schreiber eines Textes identifiziert werden. Die Graphologie versucht, aus der H. die Veranlagung und den Charakter des Schreibers abzuleiten. G. Pflug 2. Mit der Hand Geschriebenes im Gegensatz zum Gedruckten (ohne zeitliche Begrenzung). Von Autoren eigenhändig geschriebene Texte, Autographen genannt, begegnen vereinzelt schon im MA, in größerem Umfang in der Neuzeit. Im engeren Sinn bezeichne…

Liniierung

(598 words)

Author(s): W. Milde | Red.
1. in Hss. gehörte zu den vorbereitenden Arbeiten bei der Anfertigung des ma. Cod. und wurde in der Regel zus. mit der Formierung der Lagen durchge-fuhrt. Dies geschah zunächst in der Weise, daß mit einem Griffel Linien in das Blatt eingedrückt wurden (Blindliniierung). Um die Regelmäßigkeit des Zeilenabstandes zu sichern, wurden die Linien durch Stiche mit einem Zirkel festgelegt, und zwar etwa bis zum 6. Jh. in der Mitte zwischen den Kolumnen, später am äußeren Rand. Zum Ziehen der Linien (ein…

Bibliotheksgeschichte

(11,092 words)

Author(s): H.-S. Schuster | B. Bader | W. Milde | R. Hacker | W. Schmitz
I. Alter Orient. Trotz der immensen Menge von bisher im mesopotamischen Raum und den zugehörigen Nachbargebieten ausgegrabenen Tontafeln (mehrere hunderttausend) sind Bibl.en (im strengen Sinne) im Alten Orient selten nachzuweisen. Denn der überwiegende Teil der Tafeln (mehr als 80%) ist wirtschaftlicher Natur (Verträge über die verschiedensten Rechtsgeschäfte, Abrechnungen, Geschäfts-und Privatbriefe). Bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. pflegte man sie zu sammeln und in Krügen aus Ton bzw. Käste…

Deutschland

(12,318 words)

Author(s): G. Pflug | W. Milde | W. Schmitz | F. A. Schmidt-Kütisemüller | H. Wendland | Et al.
Im Unterschied zu den meisten Staatennamen verbindet sich mit dem Namen D. keine Vorstellung kontinuierlicher Entwicklung eines geographischen Gebiets und einer staatlichen Struktur. Schon beim Entstehen des Wortes im 12. Jh. bezeichnete es stärker ein Volk als einen Staat. Heute wird unter D. gewöhnlich das Staatsgebiet verstanden, das in der 2. Hälfte des 19. Jh.s entstand und sich 1871 in der Gründungsversammlung in Versailles konstituierte. Seitdem sind Teile ausgegliedert worden, und vor al…
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