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Altertumskunde

(2,051 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Form Der durch die berühmte, aber nur ganz fragmentarisch erhaltene antiquarische Schrift Antiquitatum rerum humanarum et divinarum (»Altertümer menschlicher und göttlicher Institutionen«) des röm. Gelehrten Marcus Terentius Varro (116–27 v.Chr.) geläufige lat. Begriff antiquitates (franz. antiquités, engl. antiquities, »Antiquitäten« bzw. »Alterthümer«) wurde vor 1800 synonym mit Archäologie verwendet. Er bezeichnete schriftliche Nachrichten oder materiale Überreste (wie Münzen, Monumente, Kunst- und Gebrauchsgegenstän…

Bildung

(6,836 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Für jenen Formationsprozess, in dessen Verlauf das Individuum durch Erziehung und eigene Anstrengungen zu einer Persönlichkeit werden soll, die den Normen der ihn bestimmenden Gesellschaft möglichst gut entspricht, stand in den europ. Kultursprachen der Frühen Nz. ein breites Wortfeld zur Verfügung. Dabei dominierten von Anfang an die nationalsprachlichen Ableitungen der lat. Begriffe educatio (»Erziehung«, »Erzogen-Sein«), eruditio (»Belesenheit«) und scientia ( »Wissen«). Einen didaktischen Klang besaß das engl.-franz. formation – ein Zusammenwirken …

Witz

(1,914 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der Begriff W. (von mhdt. witze, » Verstand«, »Einsicht«, »Klugheit«; lat. ingenium, ital. ingegno, span. ingenio, engl. wit, franz. esprit) meinte in der Nz. die Kunst, scheinbar disparate Gedanken und Ideen auf eine überraschende Weise zu verknüpfen und in eine Formulierung zu fassen, die den Hörer bzw. Leser durch geistreiche Knappheit verblüffte und spontan überzeugte [1. 874]; [10. 7 f.]. So galt W. als eine Grundbedingung geistiger Produktivität, als ein Kernelement kultivierter Konversation und pragmatischer Klugheit. Daher war er seit dem 17. Jh. ei…

Siegel

(1,534 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Bedeutung Ein S. (von lat. sigillum, Verkleinerungsform von signum, »Zeichen«; vgl. ital. sigillo, span. sello, franz. cachet bzw. sceau, engl. seal) ist ein Bild, das spiegelverkehrt in einen (oft selbst als S. bezeichneten) Stempel aus Metall, Stein, Holz oder Horn (Typar oder Petschaft) eingraviert und mit diesem auf weiches, aber rasch erhärtendes Material (meist Wachs, seit etwa 1560 eher Lack) oder eine Oblate aus Papier aufgedrückt wird. Es dient dazu, Rechtsakte von Herrschern, Regierungen, Korpo…

Geisteswissenschaften

(1,952 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Idee und Begriff Idee und Begriff der G. entstanden im Deutschland des späten 19. Jh.s. Sie erwuchsen aus der Überzeugung des Historismus, dass menschliches Wollen, Denken und Handeln nicht mit den induktiven Verfahren der Naturwissenschaften gemessen und auf allgemeine Regeln zurückgeführt werden könnten, sondern als Äußerungen einer je einzigartigen Individualität in ihren konkreten Erscheinungsformen um ihrer selbst willen studiert werden müssten. Seither versteht man unter G. die Summe jener gelehrten Disziplinen, »welc…

Latinistik

(1,077 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Überblick Latein war in der Nz. eine in der Diplomatie, in der Wissenschaft und im Bildungs-Wesen aktiv gebrauchte und somit lebende Sprache. Dies förderte seine gelehrte Erforschung allerdings nur bedingt. Vor dem 19. Jh. nämlich studierte man es weniger um seiner selbst willen als in gegenwartspraktischer Absicht: um es besser schreiben und sprechen zu können, um den (nach wie vor verbindlichen) klassischen Kanon der antiken Literatur zu kennen, das (ebenso gültige) Röm. Recht zu verstehen und an der Größe des antiken Rom teilzuhaben ( Antikerezeption). Anders als etwa d…

Dame

(1,513 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der nach 1650 aus dem franz. dame bzw. dem ital. dama oder donna ins Deutsche übernommene Begriff ist von lat. domina (»Herrin«) abgeleitet. Synonyme für »Herrin« sind auch seine Entsprechungen im Spanischen ( señora) und Englischen ( lady, von angelsächs. hlafdige = »Brotherrin«). Als höfischer Titel wurde er meist in Verbindung mit dem Possessiv »mein«, ma bzw. my, gebraucht ( Madame, Madonna, My Lady bzw. Milady). Beim Schach- und beim Kartenspiel bezeichnet D. die zweitwichtigste Figur oder Karte [1]. 2. Trägerinnen Prinzipiell war der Titel D. der höchsten Herrscher…

Neugier

(1,453 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Problem und Begriff Sein Wissen erweitern zu wollen, galt in der Nz. keineswegs prinzipiell als Tugend. Vielmehr wurde die Frage, wie weit N. (auch Curiosität, von lat. curiositas; ital. curiosità; span. curiosidad; franz. curiosité, engl. curiosity) reichen dürfe bzw. an welchen Grenzen sie Halt machen müsse, zwischen MA und Aufklärung intensiv und kontrovers diskutiert. Diese Debatte, die in so unterschiedlichen Medien wie Predigten, Disputationen, Dissertationen, Komödien und Reiseberichten geführt wurde, begleitete die Entstehung der nzl. Gelehrsamkeit, hemmte …

Verstellung

(2,172 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Überblick V. wurde in der Nz. in den meisten europ. Kultursprachen mit den seit Cicero geläufigen, durch Tacitus prominenten lat. Begriffen simulatio und dissimulatio benannt. Meinte Letzterer das Verbergen der eigenen An- und Absichten, bezeichnete Ersterer das Vortäuschen anderer als der tatsächlich gehegten Gedanken und Pläne. Obwohl V. als Lüge streng verpönt war – die Wahrheit zu sagen, war gleichermaßen Gebot christlicher Moral, adliger Ehre, vasallischer Treue wie kaufmännischer Kreditwürdigkeit –, blieb sie als ein Modus vorneh…

Konversation

(1,129 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der im 16. Jh. in die meisten europ. Sprachen übernommene Begriff K. (von lat. conversari, »verkehren«, »Umgang haben«; eigentlich: »gemeinsam umherschweifen«) bezeichnet ein typisches Ritual europ. Gebildeter der Nz.: das informelle Gespräch im kleinen Kreis, dessen wichtigstes Ziel es war, das jeweilige Thema möglichst gut, schön und unterhaltsam zu behandeln. Im Gegensatz zu institutionalisierten Formen der Kommunikation (etwa Verhör-, Lehr- oder Beichtgesprächen, Verhandlungen bei Hof, vor Gericht, in Rats-Gremien, kirchlichen, ständi…

Späthumanismus

(1,977 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Als Bezeichnung einer kulturgeschichtlichen Epoche zwischen Humanismus (= Hum.) und Barock wird S. oft benutzt, aber selten definiert. Nur darin stimmen alle gängigen Verwendungen überein, ihn zugleich als soziales Phänomen und als Ensemble von Bildungsinhalten zu betrachten. In die Literaturwissenschaft eingeführt wurde der (bislang nur in der dt.sprachigen Forschung gebräuchliche) Begriff 1931 von Erich Trunz [12], der S. als »Standeskultur« zumeist protest. Gelehrter im Alten Reich um 1600 beschrieb. Der Historiker Gerhard Oestreich erweiterte und dyn…

Spinozismus

(1,419 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Das seit 1699 belegte, aber offenbar ältere Wort S. war im 17. und 18. Jh. in vielen europ. Sprachen ein unspezifischer Sammelbegriff für alle Positionen, die man mit den Lehren des niederl.-jüd. Philosophen Baruch de Spinoza (1632–1677) in Verbindung brachte. Als Spinozisten (= St.) bezeichnete man Denker, die sich zu diesen Lehren bekannten oder denen man unterstellte, dies zu tun. Beide Begriffe waren mithin Fremdbezeichnungen und wurden fast durchwegs polemisch gebraucht, da unter den Zeitgenossen Einigkeit herrschte, dass Spinozas Philosophie zu Materialis…

Ägyptologie

(1,398 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Theologie und Sprache Als Geburtsstunde der modernen Ä. gilt der 27. September 1822, an dem Jean François Champollion (1790–1832) vor der Pariser Académie des inscriptions et belles-lettres seinen Lettre à M. Dacier vortrug, den Schlüssel zur Entzifferung der Hieroglyphen [8]; [9]. Doch schon im 15. Jh. hatten europ. Gelehrte begonnen, über Schrift, Sprache und Kultur des alten Ägypten (=Äg.) zu forschen – allerdings meist unter der theologischen Frage nach dem Verhältnis der ägyptischen (=äg.) zur biblischen Religion. Sie knüpften an neuplatoni…

Sprezzatura

(871 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der nzl. Begriff S. (von ital. sprezzare, »vernachlässigen«, »verachten« bzw. von spätlat. expretiare, »entwerten«) umfasste ein Bedeutungsfeld, das von Lässigkeit und Nonchalance über Eleganz bis zu Understatement und Verstellung reichte, und bezeichnete damit das wichtigste Verhaltensideal der höfischen Gesellschaft in Renaissance und Barock. Im Gegensatz zu seinen Stammworten war S. durchwegs positiv konnotiert [5]; [9]. Als ein »neues Wort« ( una nova parola) wurde S. um 1520 von Baldassare Castiglione im 26. Kapitel seines Libro del Cortegiano

Pädagogik

(3,547 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff P., nicht identisch mit Bildung, ist die Kunst, die in einer Gesellschaft geltenden Normen zu vermitteln und einzuüben. Von Erziehung unterscheidet sie sich durch den Anspruch auf ein theoretisch fundiertes, planmäßiges Vorgehen im Hinblick auf einen erklärten Endzweck. So bezeichnete der erstmals in Platons Staat belegte griech. Begriff paidagōgía die »Führung [und Unterweisung] von Knaben« im Sinne eines bestimmten polit.-moralischen Staatsziels, also die Tätigkeit des Pädagogen ( paidagōgós) – im Gegensatz zu dem älteren paideía, der Bildung im Allgemeinen…

Temperament

(947 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Modell Das Modell der vier T. (von lat. temperamentum, »richtige Mischung«) blieb in der Nz. – wie schon in Antike und MA – das gebräuchlichste Schema, den Charakter von Individuen zu beschreiben. Die von Aristoteles und Galen vollendete antike Einteilung in vier Grundtypen – den Sanguiniker, den Melancholiker (Melancholie), den Choleriker und den Phlegmatiker – stellte die Kategorien bereit, als deren je spezifische Kombination das einzelne Subjekt erklärt wurde. Zwar sei, so formulierte Freiherr von Knigge 1788, »mehrentheils in dem Segelwerke jedes Erdensohns …

Philologie

(2,215 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der von Platon geprägte Begriff Ph. (griech. philología = »Freundschaft zum Wort/Gedanken«) war schon im 1. Jh. v. Chr. zu einem Synonym für Gelehrsamkeit schlechthin geworden, sofern diese auf sprachlich-lit. Gebiet lag. Unter einem Philologen (griech. philólogos) verstand man einen Spezialisten für Grammatik ( grammatikós) bzw. für Sprach- und Literaturkritik ( kritikós), der es verstand, Texte auf sprachliche Korrektheit zu prüfen und ggf. zu verbessern. Ph. war insofern ein Synonym für Textkritik bzw. für jene Fächer der Artes liberales (v. a. Grammatik,…

Uomo universale

(701 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der ital. Begriff U. U. (»Universalmensch«) bezeichnet einen Menschen, der auf allen Gebieten des Lebens, Wissens und Schaffens außergewöhnliche Fähigkeiten aufweist und Herausragendes leistet. Bekannt wurde er durch Jacob Burckhardt, der in seiner Cultur der Renaissance in Italien (1860) die Entstehung des Leitbildes eines universal begabten, universal gebildeten Subjekts als den Höhepunkt der für die Renaissance typischen »Entwicklung des Individuums« beschrieb (Individualität): »Wenn nun dieser Antrieb zur höchsten Ausbildung der Pers…

Manieren

(1,438 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Ein soziales Ideal Unter M. verstand man ab dem späten 15. Jh. die Summe jener Verhaltensweisen, durch die sich Höflichkeit (ital. cortesia, gentilezza; span. cortesía; franz. politesse, civilité, gegenüber Damen auch courteoisie und galanterie; engl. politeness, courtesy) in der Praxis äußerte. Deshalb waren M. mehr als ein Verhalten, das den je geltenden sozialen Regeln entsprach. Diese nämlich unterschieden sich in der Nz. nach Geschlecht, Stand, Beruf, Konfession sowie sozialer, ethnischer und nationaler Zugehörigkeit und d…

Humanität

(888 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Humanistische Wurzeln Der im 15. Jh. von Cicero übernommene lat. Begriff humanitas ( »Menschheit«, »Menschlichkeit«, »Sphäre des Menschlichen«) bürgerte sich mit dem Siegeszug des Humanismus in den europ. Sprachen ein und blieb dort präsent (franz. humanité; engl. humanity; ital. umanità; span. humanidad) – meist im Kontext jener rhetorisch-lit. Bildung, die der humanistische Terminus studia humanitatis (»Studien der menschlichen Sphäre«) umriss. So nannte man in Frankreich seit dem 16. Jh. die Anfangsklassen humanités; im engl. Sprachraum figurierten die Geist…

Humanismus

(10,235 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Überblick H. bezeichnet die vor der Aufklärung wichtigste und wirkungsmächtigste europ. Bildungs-Bewegung der Nz. Sie entstand im Italien des 14. und 15. Jh.s und verbreitete sich bis zur Mitte des 16. Jh.s im ganzen Abendland. Ihr Ziel war ein ästhetisches: die Wiederherstellung der Literatur, Künste und Wissenschaften des Altertums, vornehmlich der röm. Kultur zwischen dem 2. Jh. v. Chr. und dem 2. Jh. n. Chr., die den Humanisten als histor. einmaliger Höhepunkt galt. Deren Rekonstruktion werde, so hofften sie, Sprache, Geschmack, Sit…

Katholische Aufklärung

(1,161 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der Begriff der K. A. wurde seit dem Beginn des 20. Jh.s in der dt. Geschichtswissenschaft entwickelt und hat sich seit den 1970er Jahren als Fachterminus etabliert [3. 40-53]; [5. 76-85]. In seinem allgemeinen, heute international gebräuchlichen Sinne bezeichnet er alle bis etwa 1820 innerhalb des europ. Katholizismus unternommenen Bestrebungen, die Ideen und Errungenschaften der Aufklärung zu adaptieren und in Kultur, Bildung, Wissenschaft, Ökonomie und staatlicher Organisation umzusetzen [1]; [6]. In seiner spezifischen, in der dt. Forschung vorherr…

Wörterbuch

(1,610 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Unter einem W. (lat. dictionarium, ital. dizionario, vocabulario, franz. dictionnaire bzw. glossaire, span. diccionario, engl. dictionary) versteht man ein (meist alphabetisch angeordnetes) Verzeichnis, das den Wortschatz einer Sprache ganz oder in bestimmten Teilen präsentiert, um jedes Wort entweder als solches zu kommentieren oder dessen Entsprechung(en) in einer oder mehreren fremden Sprache(n) aufzuführen. In der Nz. dienten W. keineswegs nur pragmatischen Zwecken des Sprachunterrichts bzw. der Verständigung auf Reisen, Pilgerreisen, Missio…

Gegenaufklärung

(1,604 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Problem Als Synonym für Romantik ist der Begriff G. erstmals 1877 in einer Notiz Friedrich Nietzsches nachweisbar (»Der Höhe der Aufklärung entspricht die Höhe der G. in Schopenhauer und Wagner«) [16. 26]. Seit den 1950er Jahren führte Isaiah Berlin ihn als counter-enlightenment in die internationale Diskussion ein, um mit ihm – nicht ohne weltanschauliche Wertung – Gegner der Aufklärung (=Aufkl.) bzw. »Feinde der Freiheit« zu bezeichnen [9]; [11]. Seither dient G. als Sammelbezeichnung für fundamentale Kritik an der Aufkl. bzw. für das Arsenal polemische…

Thesaurus

(1,123 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Als Th. (griech./lat.; »Schatz«; lat. Pl. thesauri = Thi.), oft synonym mit bibliotheca oder Museum verwendet, bezeichnete bzw. betitelte man seit dem 16. Jh. Werke einer gelehrten Literaturgattung, die beanspruchte, das gesamte zu einem Sachgebiet überlieferte Wissen zusammenzufassen, systematisch zu ordnen und möglichst auch zu illustrieren ( Wissensorganisation; Wissensvisualisierung). Die Muster und Prototypen des Th. entstanden in der antiquarischen Altertumskunde. Sie folgten der Forderung des Humanismus, alle überkommenen Überreste an…

Libertin

(1,701 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der lat. Rechtsbegriff libertinus (»Freigelassener«), der in der Apostelgeschichte (6,9) die Verfolger des Hl. Stephanus bezeichnet, gelangte um 1480 über volkssprachliche Bibelkommentare ins Französische, von dort auch in die anderen europ. Sprachen (engl. libertine). Seit 1545 benutzten ihn Prediger des Calvinismus wie des Katholizismus, um jeden moralisch zu diskreditieren, der ihre Dogmen nicht unbedingt teilte. Für die religiöse Skepsis ( Skeptizismus) oder gar den Atheismus, die man Nonkonformisten unterstellte, kam seit 1600 das Wort Libert…

Wegestreit

(1,026 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Problem Der Begriff W. subsumiert mehrere durchaus unterschiedliche gelehrte Debatten, die zwischen dem frühen 14. und dem späten 15. Jh. an europ. Universitäten, v. a. an denen des Alten Reiches, um die richtigen Methoden des Lehrens und Lernens, bes. im Bereich der Logik und Metaphysik, geführt wurden. Die (moderne) Bezeichnung W. erklärt sich aus der Tatsache, dass eine Methode vor 1500 meist als »Weg« (lat. via) bezeichnet wurde. Man benannte sie entweder nach dem Schulhaupt, das sie beispielhaft vertrat (z. B. via Thomae/»Methode des Thomas von Aquin« oder via S…

Textkritik

(2,014 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Als eine Teildisziplin der Philologie bzw. der Altertumswissenschaft sowie der Bibelkritik und Exegese ist T. die Summe aller Methoden und Techniken, um überlieferte Texte in ihrer (möglichst) originalen Form wiederherzustellen. Dabei wirkt sie integral mit der Hermeneutik zusammen. Zugrunde liegt ihr die histor. Erkenntnis des Humanismus, dass Texte im Laufe ihrer Überlieferung absichtsvoll oder unwillkürlich verändert werden. T. will diese späteren Zusätze und Veränderungen rückgängig machen. Sie ist insofern an sich schon eine Kritik an der Tradition. 2. Huma…

Dekadenz

(1,345 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Die seit Polybios unter antiken Historikern geläufige Idee, dass Reiche und Kulturen nach ihrem Aufstieg zu Macht und Größe notwendig einem Niedergang unterworfen seien, wurde im Humanismus wiederentdeckt und neu formuliert. Bis um 1800 blieb »D.« (dt. erstmals um 1700; lat. inclinatio, ruina, depravatio; ital. decadenza, declino, caduta; franz. déclin, décadence; engl. decline) daher eine Grundkategorie politischer, sozialer und ästhetischer Diskurse. Als konstitutives Element einer zyklischen Vorstellung von Geschichte bezeichnete der Begriff die al…

Aufklärungshistorie

(1,458 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der moderne Begriff ist eine Sammelbezeichnung für alle Werke der Geschichtsschreibung, Geschichtsphilosophie und Historik, die in der Epoche der Aufklärung von Autoren verfasst wurden, die sich deren Ideen und Werten verpflichtet fühlten. 2. Fragen und Modelle Die Aufklärung schuf ein grundlegend neues Bild von Geschichte. Sie brach mit der christl.-theologischen Geschichtsauffassung, die noch kurz zuvor, in Jacques Bénigne Bossuets Discours sur l’Histoire universelle (1681), ihren virtuosen Höhepunkt erreicht hatte. Diese hatte Geschichte als Vo…

Mythologie

(1,945 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Phänomen Der in alle europ. Sprachen übernommene griech. Begriff Mythos deckte schon in der Antike ein Wortfeld ab, das von »Wort« und »Gedanke« über »Nachricht« bis zu »(erfundene, unwahre) Geschichte« reichte. Seit Platon konkretisierte sich seine Bedeutung zu »Götter- und Heroengeschichte« [13. 181]. Entsprechend verstand man unter M. in der Nz. fast durchweg das Wissen um die griech.-röm. Götterwelt (Antike Religionen), wie man sie bei Dichtern wie Homer und Hesiod, den griech. Tragikern, bei Vergil oder Ovid dargestellt, bei Varro beschrieben und in Skul…

Klugheit

(1,094 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Problem K. (griech. phrónēsis, lat. prudentia, ital. prudenza, span. prudencia, engl./franz. prudence) figuriert in Aristoteles' Nikomachischer Ethik als Gabe des richtigen praktischen Handelns. Zu dieser gehört, Rat einzuholen ( eubulía), zu verstehen ( sýnesis) und zu beurteilen ( gnṓmē). Seit dem lat. Kirchenvater Ambrosius (4. Jh.) eine Kardinaltugend, galt K. spätestens seit Thomas von Aquin (13. Jh.) als Mutter aller übrigen Tugenden (lat. genetrix virtutum), als unabdingbarer Bestandteil jeder von ihnen [12. 862]. Zu einem der umstrittensten The…

Gemmenkunde

(1,016 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Antike Gemmen (von lat. gemma, »Edelstein«) sind kleine, in Halbedelsteine (meist Chalcedon, Karneol, Achat, Onyx oder Hämatit), Bergkristall oder auch Glas eingravierte Reliefs, die Porträts, mythologische Gestalten und Szenen, oft auch Inschriften bzw. magische Zeichen (Charakter) darstellen. Weil sie oft das gnostische Fabelwesen eines gerüsteten Hahns zeigen, den sog. Abrasax (Abraxas), wurden sie in der Nz. bisweilen »Abraxen« genannt. Bes. große und prächtige Gemmen heißen »Kameen« (ital. cameo; franz. camée als Ableitungen von gemma). Da Gemmen als Si…

Tafelkultur

(2,655 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Überblick Gemeinsames Speisen besaß und besitzt in allen Kulturen zentrale Bedeutung. Es konstituiert Gemeinschaft und ist unerlässlicher Bestandteil von Festen, Diplomatie und Friedensfeiern, ein Ritual der Zusammengehörigkeit, Verbrüderung und Freundschaft, eine Gelegenheit zu Repräsentation und ostentativem Statuskonsum. Seit dem 15. Jh. jedoch, im Zeichen der Renaissance, änderten sich bei den europ. Eliten Stil und Wahrnehmung solcher Mahlzeiten. Zusehends suchte man sie jetzt gemäß den neuen Regeln des Geschmacks und der guten Manieren als…

Größe

(1,618 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Schon in der Antike war das Attribut der G. von Göttern, Heroen und Königen auf führende Mitglieder der Elite in Stadtstaaten und Republiken ausgedehnt und zur allgemeinen Herrschertugend erhoben worden. In der Nz. wurde G. (lat. magnificentia; ital. grandezza; span. grandeza; franz. grandeur; engl. greatness) zum Leitideal der europ. Aristokratie, zum Ziel adligen Ehrgeizes und zu einem zentralen Thema des Diskurses über den Adel. Als produktiv erwies sich dabei die Spannung zwischen dem Anspruch, dass »die Großen« (ital. i grandi; franz. les grands) von Geburt an G…

Hundehaltung

(1,924 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Arten und Funktionen Die H. war in der Nz. in allen Ständen und mit diversen Funktionen verbreitet. Nach Letzteren, nicht nach Rassen (die erst nach 1850 als Klassifizierungsschema üblich wurden) teilte man die Hundearten ein. V. a. den zur Jagd brauchbaren Hunden (= Hd.) galt – im Gefolge antiker Autoren wie Xenophon ( Kynēgetikós, um 400 v. Chr.; »Hundejagd«), M. Terentius Varro ( Rerum rusticarum libri tres, um 50 v. Chr.; »Drei Bücher von der Landwirtschaft«) oder Oppian ( Kynēgetiká, um 200, »Hundejagd«) – die Aufmerksamkeit der Zeitgenossen. Ende des 14. Jh.s unterschied G…

Ehrgeiz

(1,000 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Schon in seiner lat. Ursprungsform war ambitio ein moralisch ambivalenter Begriff. Seit Cicero meinte er nicht nur den »Umgang«, mittels dessen sich ein Amtsbewerber bei seinen Wählern bekannt machte, sondern auch ein bes. nachdrückliches, rücksichtsloses Streben nach Ämtern und Würden. Seit Augustinus stand eine solche Haltung in einem schwer überbrückbaren Gegensatz zum christl. Gebot der Demut und Bescheidenheit. Theologen aller Konfessionen missbilligten das Streben nach »eitler Ehre« ( Luther). »Eergeizlich« – die um 1500 geläufige dt. Wortbildun…

Bildungspolitik

(2,213 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Träger Der erst seit den 1960er Jahren gebräuchliche Begriff B. bezeichnet jenen Bereich der Kulturpolitik, der sich auf das Unterrichtswesen bezieht: die Bestrebungen von Obrigkeiten und Führungseliten, ihre polit. Ziele durch die Gründung und Begünstigung von Institutionen der Bildung und Ausbildung zu fördern und entsprechende oppositionelle Einrichtungen zu bekämpfen. So verstanden war B. ein wichtiger Teilbereich nzl. Politik, ein wesentliches Moment im Formationsprozess des modernen Staats, ein…

Klub

(1,324 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Phänomen K. entwickelten sich seit dem 16. Jh. als spezifisch brit. Form urbaner Geselligkeit. Die exzentrische Bezeichnung – das Wort club (von to clump, »zusammenballen«) kann »Keule«, »Anteil an der (gemeinsamen) Zeche« und »Vereinigung« bedeuten – lässt den exklusiven, männerbündischen Charakter dieser Vereinigungen erahnen, in denen Gentlemen unter sich waren und Frauen so gut wie keinen Zutritt hatten. Von traditionellen Formen der Vergesellschaftung (z. B. Bruderschaften, Zünften, Sekten oder Akademien) untersch…

Mazarinades

(680 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der seit 1850 in der Forschung übliche Begriff M. geht auf La Mazarinade zurück, den Titel einer 1651 von Paul Scarron verfassten lit. Parodie der Ilias (franz. Iliade). Er dient als Sammelbezeichnung für mehr als 4 000 meist sehr polemische Pamphlete, die in Frankreich zur Zeit der Fronde (1648–1653) gegen die Versuche der Krone publiziert wurden, Regierung und Verwaltung im Sinne des Absolutismus zu zentralisieren. Da diese Bestrebungen sich in Kardinal Jules Mazarin verkörperten, dem Vertrauten und Ersten Minister der Regentin Anna von Österreich und ihres min…

Bildung und Kultur

(3,622 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Epochen 1. 1. Um 1450: ein passender Beginn? Die Frage, ob um die Mitte des 15. Jh.s eine neue Epoche begonnen habe, lässt sich für die europ. Kultur- und Bildungsgeschichte klar bejahen. Mag man eine solche Festlegung aus der Perspektive anderer histor. Disziplinen, etwa der Wirtschafts-, Sozial- oder Geschlechtergeschichte, mit guten Gründen bezweifeln können, so wird ihr für den Bereich von Kultur und Bildung jeder Kenner zustimmen. Denn das moderne Epochenkonzept der »Neuzeit« ist, histor. betrachtet, nun einmal im Blick auf beide Bereiche geprägt worden.…

Anglophilie

(986 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Phänomen Der um 1750 aufkommende Begriff – sowie dessen Steigerung Anglomanie – bezeichnet aus kritischer Distanz die »(undifferenzierte) Vorliebe für England, die Engländer und alles Englische« [7. 18], die bei den kontinentalen Eliten nach 1713 merkbar und seit den 1730er Jahren zu einer allgemeinen Mode wurde. Die Bewunderung für engl. Politik, Wirtschaft, Philosophie, Wissenschaft, Kultur und Lebensstil führte zu Nachahmungen auf allen Gebieten und bedingte so einen der folgenreichsten Kulturtransfers der europ. Geschichte. Die A. war eine Begleiters…

Neuhumanismus

(1,283 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Phänomen und Begriff Der 1885 von Friedrich Paulsen geprägte Begriff N. [11. 191–195] bezeichnet eine Bildungs-Bewegung, die sich seit den 1770er Jahren von Deutschland aus gegen die utilitarischen Ausbildungskonzepte der Aufklärung formierte und – in Abgrenzung zur lat. dominierten Bildung der westl. wie östl. Nachbarländer – die griech. Antike zum Vorbild wahrer, guter und schöner »Humanität« erhob (Antikerezeption). In der ersten Hälfte des 19. Jh.s gewann der N. als maßgebliche Form schulischer wie universitärer Pädagogik internationales Prestige. Als geistes…

Epigraphik

(1,047 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Funktion Der Begriff E. (von griech. epigraphḗ; » Inschrift«) kam im Deutschen erst im 18. Jh. auf, im Französischen sogar erst 1838. Gleichwohl gehört das Aufzeichnen, Sammeln und Klassifizieren antiker Inschriften (= I.) auf Stein und Metall zu den ältesten, verbreitetsten und angesehensten Formen nzl. Altertumskunde und Archäologie. Die Gründe variierten. Wenn F. A. Wolf 1807 erklärte, dass die E. »nicht durch die Formen von Seiten der Schönheit wichtig [sei], sondern durch die grammatischen, lexikalischen, geographischen, histo…

Sittengeschichte

(1,114 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Modelle Als S. bezeichnete man im späten 18. Jh. und im 19. Jh. jene Gattung der Kulturgeschichte, die besonderes Augenmerk auf die Sitten und den Alltag einer vergangenen Epoche, Kultur, Nation oder Gesellschaft legt. Zwar blieb der (von Kant als Gegensatz zu »Naturgeschichte« gebrauchte) Begriff auf die dt. Sprache beschränkt [3]. Das Konzept einer histor. Darstellung aber, die aus Gebräuchen und Gepflogenheiten auf den zivilisatorischen Stand und den Charakter eines größeren Kollektivs zu schließen sucht, gehörte seit dem Humanismus zum Kernbestand der nzl. …

Kritik

(2,409 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Bedeutung und Begriffsgeschichte Als die Kunst, »einen vorgegebenen Sachverhalt auf seine Echtheit oder Wahrheit, seine Richtigkeit oder Schönheit hin zu befragen, um aus der gewonnenen Erkenntnis heraus ein Urteil zu fällen« [11. 86], entwickelte sich K. im Laufe der Nz. zur bevorzugten intellektuellen Diskursform der europ. Elite. Seit der Aufklärung war sie die wichtigste kulturelle Praktik der westl. Zivilisation, die zentrale Methode moderner Wissenschaft und ein entscheidender Antrieb zu Säkularisierung und politisch-sozialer Emanzipation. Wie das bis 1700 sy…

Charakter

(1,311 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Zu Beginn der Nz. besaß der griech. Begriff charaktḗr (»Gepräge« bzw. »Prägung«), den erst Kirchenväter wie Augustinus in die lat. Literatursprache eingeführt hatten, einen technisch-abstrakten Sinn. Wie schon bei dem Aristoteles-Schüler Theophrast bezeichnete er gleichermaßen ein unveränderliches Merkmal, Erkennungszeichen oder Symbol und eine vorherrschende moralische Eigenschaft [5]. Die Kombination beider Motive erwies sich als so anregend und fruchtbar, dass »Ch.« bis zum Ende des 18. Jh.s in den europ. Kultursprachen einen ra…

Tacitismus

(1,484 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Beginn Der 1921 geprägte Begriff T. beschreibt einen spezifischen Stil polit.-weltanschaulicher Skepsis, der sich von etwa 1570 bis etwa 1650 an den Werken des röm. Historikers Publius Cornelius Tacitus (= Tc.; um 100 n. Chr.) entzündete. Sein Prinzip und Leitmotiv war die similitudo temporum (»Ähnlichkeit der Zeiten«): In den Intrigen und Machtkämpfen am röm. Kaiserhof, die Tc. als Zeichen fortschreitender polit.-moralischer Dekadenz schilderte, sahen die Zeitgenossen der Religionskriege ihre eigene Gegenwart präfiguriert. …

Zivilisation

(1,420 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der im Französischen wie im Englischen kurz nach 1750 aufkommende, bis 1820 in allen westeurop. Sprachen etablierte Begriff Z. (franz. civilisation, engl. civilis/zation, ital. civilizzazione, span. civilisación) bezeichnet ein Ideal der Aufklärung: ein Gemeinwesen, das aufgeklärte Werte – von polit. Freiheit über eine moderne Ökonomie bis zu Humanität, Bildung und Urbanität – so weit wie möglich verwirklicht hat und sie immer weiter perfektioniert. Z. war (und ist) insofern kein empirisches Faktum, sondern ein Leitwert bzw. ein ideologisches Programm, das…

Memoiren

(1,461 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Bedeutung Der vom lat. memoria bzw. franz. mémoire ( »Gedächtnis«, »Erinnerung«) abgeleitete, in alle europ. Kultursprachen übernommene Plural-Begriff M. bezeichnete – wie seine lat. Pendants commentarii (»[Gerichts-]Protokoll«) und adversaria (»[Aufzeichnungen über] das vor Augen Liegende«) – einen juristischen, amtlichen oder diplomatischen Schriftsatz, der Vorgeschichte und Problematik eines zu verhandelnden Konflikts beschrieb. Auch Akademien betitelten die Publikationen ihrer Verhandlungen oft mit »M.« In …

Skandal

(1,247 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der Begriff S. – von griech. skándalon, »(Auslöser einer) Falle« (lat. scandalum, v. a. biblisch »Stein des Anstoßes«) – entstand im 17. Jh. im Französischen als Synonym für »(negatives) öffentliches Aufsehen« und wurde – wie das Verb »skandalisieren« (»für Aufsehen sorgen«) – von dort in die übrigen europ. Sprachen übernommen (ins Deutsche Anfang des 18. Jh.s) [4]. Er bezeichnet gleichermaßen ein aufsehenerregendes öffentliches Ereignis und dieses Aufsehen selbst, also den Diskurs darüber. Definieren lässt S. sich somit als die Summe der…

Reitkunst

(2,725 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Überblick In allen Gesellschaften, in denen das Pferd exklusives Transportmittel, unverzichtbare Voraussetzung persönlicher Mobilität, eine wertvolle Waffe auf der Jagd und im Krieg sowie ein teures Prestigeobjekt war, gehörte die Fähigkeit, gut zu reiten, zu den verpflichtenden Grundkenntnissen des Adels ( Standesbildung). Eben weil das Reiten hohem sozialen Status entsprach, hütete man seine Regeln – wie überhaupt das Wissen über Pferde – als herrschaftliche Arcana und vermied es, sie schriftlich festzuhalten [20. 91]. Erst mit dem Beginn der Nz. wurde das Reite…

Moralistik

(1,337 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Bei seiner ersten Erwähnung 1690 in Antoine Furetières Dictionnaire universel meinte der Begriff moraliste (dt. »Moralist«, = Mst.) schlicht einen Autor, der moralische Fragen behandelte. Schon um 1700 aber entstand die kritisch gemeinte Nebenbedeutung »Rigorist« und wurde konkret auf Anhänger des Jansenismus gemünzt. Diderots und D'Alemberts Encyclopédie (Bd. 10) wertete den Mst. nochmals ab, indem sie ihn 1765 als eitlen, systemlosen Literaten definierte, der mehr verblüffen als aufklären wolle [9. 48–52]. Der Begriff M. hingegen scheint erst im 20. Jh…

Archäologie

(1,606 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der griech. Begriff, als archaiología (»Bericht von alten Dingen oder Zeiten«) erstmals bei dem griech. Historiker Dionysius von Halikarnass (1. Jh. v. Chr.) belegt – während archaiologeín (»über Altes sprechen«) schon bei Thukydides (5. Jh. v. Chr.) vorkommt –, bezeichnete in der Antike jenen Teil der Geschichte, über den keine lebenden Zeugen mehr Auskunft geben können, sondern nur noch Traditionen und Sagen. Die Renaissance latinisierte den Begriff zu archaeologia oder archaeographia und benutzte ihn synonym mit antiquitates, also der Altertumskunde, von…

Numismatik

(1,684 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Bedeutung Unter N. (von lat. numisma, »Münze«) versteht man seit dem 18. Jh. die Wissenschaft, die sich mit der Bestimmung von Münzen (= M.) befasst. Man unterschied eine »bürgerliche« N., die den Metall- und Geldwert von M. zu bestimmen suchte, von einer »histor.« N., die deren geschichtliche und künstlerische Bedeutung erforschte [1]. In der Praxis allerdings verbanden sich beide Aspekte. Faszinierend wirkten alte wie neue M., weil sie vornehme Personen, Taten und Ereignisse auf edlem Material in einprägsamen Bildsymbolen und präg…

Honnête homme, Honnête femme

(1,259 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff Der erstmals 1538 begegnende Begriff des H. H. – im Dictionarium latinogallicum definiert Robert Estienne ihn als »vornehmen Gebildeten ohne Dünkel« – wurde seit Anfang des 17. Jh.s zum Inbegriff vornehmer Weltgewandtheit, zum sozialen Leitbild der neuen, höfischen Gesellschaft des Zeitalters Ludwigs XIV. Anders als verwandte franz. Wörter wie courtisan, homme de qualité, homme de bien, homme galant oder gentilhomme war H. H. nicht sozial festgelegt, sondern in seiner männlichen wie weiblichen Form ein ständeübergreifendes Persönlichkeitsidea…

Schicksal

(1,356 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Bedeutung und Begriff Die Idee des Sch. (engl. fate, destiny; franz. fortune, destin, destinée; ital. fato, destino; span. fortuna, suerte, destino) wurde in der Nz. zu einem bevorzugten Medium, in einem säkularen Rahmen über das Verhältnis zwischen Autonomie und Notwendigkeit, also über Willens-Freiheit, und über die bewegenden Kräfte von Geschichte und Politik zu sprechen. Als ein Synonym für das je Besondere, Unverwechselbare, eventuell Unerklärliche im Lebensgang eines Charakters – sei es der eines einzelnen …

Individualität

(1,831 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Allgemein 1.1. Begriff Bis zum Ende des 18. Jh.s war »Individuum« bzw. »I.« (von lat. individuum; »Unteilbares«) ein Fachbegriff der Philosophie, der »kleinste Einheit« oder auch »Besonderheit« bedeuten konnte. Allgemein bezeichnete er daneben – wie bis heute in vielen europ. Sprachen – eine einzelne Sache oder Person. In Deutschland hingegen gewann er in Idealismus und Romantik ein emphatisches Pathos: I. wurde zu einem Synonym für die unverwechselbare Besonderheit einer konkreten Persönlichkeit bzw. ihren je einmaligen »Charakter«. Als einer der wichtigsten Leit…

Held/in

(1,774 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Überblick In allen Kulturen besitzen H. (griech. hḗrōs, lat. heros, ital. eroe, franz. héros, engl. hero) – mythische Gestalten zwischen Götter- und Menschenwelt – hohe Bedeutung für das Selbstverständnis der sie verehrenden Gruppen, Stände und Nationen. Indem H. deren Wertesystem beispielhaft verkörpern und in ihren Abenteuern siegreich vertreten, machen sie es sichtbar und attraktiv. Indem sie es zu äußerster Konsequenz steigern und dabei die Konflikte offenbaren, in die maßlose Tugend führen kann (Tragödie), korrigieren und modifizieren sie es, stärken es …

Dogs, keeping of

(2,042 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Types and functions The dog was widespread in all social classes in the early modern period, and undertook a range of functions. It was according to these, and not the breed (a concept that only achieved currency as a system of classification after 1850) that dog types were distinguished.Hounds used for hunting were of particular interest to contemporaries, following on from ancient authors, such as Xenophon ( Kynegetikós, c. 400 BCE; “On Hunting [With Dogs]”), M. Terentius Varro ( Rerum rusticarum libri tres, c. 50 BCE; “Three Books on Agriculture”), and Oppian ( Kynegetiká, c. 200…
Date: 2018-02-14

German New Humanism

(1,372 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. The phenomenonThe German term  Neuhumanismus (“Neohumanism, New Humanism”), coined by Friedrich Paulsen in 1885 [11. 191–195], denotes an educational movement (Bildung) that originated in the 1770s in Germany in reaction against utilitarian concepts of education rooted in the Enlightenment.…
Date: 2018-11-28

Dictionary

(1,622 words)

Author(s): Walther, Gerrit
Date: 2018-02-14

Fate, destiny

(1,439 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Meaning and conceptThe idea of fate or destiny (French 
Date: 2018-02-14

Civilization

(1,508 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Concept The term “civilization”, which appeared in French and in English shortly after 1750 and by 1820 was established in all Western European languages (French civilisation, German Zivilisation, Italian civilizzazione, Spanish civilisación), marks an ideal of the Enlightenment: a polity which has implemented, as much as possible, enlightened values - ranging from political freedom and a modern political economy (Economy, political) to humanity, education and urbanity -  und goes on perfectioning them. In this respect civi…
Date: 2017-02-14

Humanity

(866 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Humanist rootsThe term humanitas (Humankind, human being, “humaneness,” “sphere of human affairs”) adopted from Cicero in the 15th century achieved currency in European languages in the heyday of Humanism and remains to this day (English humanity; French  humanité; Italian  umanità; Spanish  humanidad) - especially in the context of liter…
Date: 2018-11-28

Criticism

(2,610 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Concept and terminological historyCriticism (or, in earlier English usage, “critique”) as the art of “testing a given matter for authenticity, truth, correctness, or beauty, and forming a judgement based on the findings obtained” (“einen vorgegebenen Sachverhalt auf seine Echtheit oder Wahrheit, seine Richtigkeit oder Schönheit hin zu befragen, um aus der gewonnenen Erkenntnis heraus ein Urteil zu fällen”) [11. 86], developed through the early modern period into the European elite's preferred form of intellectual discourse. From the Enlightenment, it was the most important cultural practice of western civilization, the central method of modern scholarship, and a decisive stimulus to secularization and social and political emancipation.…
Date: 2017-02-14

Enlightenment history

(1,643 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. DefinitionThe modern term is a collective designation for all works of history, historiography, and philosophy of history (History, philosophy of) published during the Enlightenment by authors subscribing to Enlightenment ideas and values.Walther, Gerrit2. Questions and modelsThe Enlightenment shaped a fundamentally new conception of history. It broke with the Christian-theological view of history that had only recently reached its virtuoso apogee in Jacque…
Date: 2018-02-14

Club

(1,326 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Concept and phenomenonThe club developed from the 16th century as a specifically  British form of urban sociability. The eccentric term - at the time, the word only had its original sense of “thick stick” - hints at the exclusive, masculine character of these societies, in which gentleman kept their own company and women were almost entirely excluded. The club differed from traditional forms of socializing (e.g. fraternity, guild, sect, academy) in being an “expression of a dynamic, visibly urban society, in which tr…
Date: 2017-02-14

Hero, heroine

(1,761 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. OverviewIn most cultures, heroes (Greek  hḗros, Latin  heros, Italian  eroe, French  héros, German Held) – mythical figures between the divine and human worlds – have great significance for the self-…
Date: 2018-11-28

Individuality

(1,883 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. General observations 1.1 DefinitionUntil the end of the 18th century, “individual” and “individuality” (from Lat. individuum; “indivisible”) was a technical term in philosophy that could denote “smallest unit” or “special character.” Consequently, it could also refer - as it does to this day in many European languages - to a single thing or person. In Germany during Idealism and Romanticism it acquired an emphatic tone; individuality became a synonym for the unmistakable uniqueness of a concrete personality, its distinctive char…
Date: 2018-11-28

Gemmology

(1,086 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Concept Ancient engraved gems (from the Latin gemma
Date: 2018-02-14

Greatness

(1,523 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. The term In antiquity the attribute of greatness associated with gods, heroes, and kings had already been extended to leading members of the elite in city states and republics and elevated to the status of a universal virtue possessed by rulers. In the early modern period, greatness (Lat.   magnificentia, Ger. Größe, Ital. grandezza, Span. grandeza, French  grandeur) became the guiding ideal of the European aristocracy, the goal of noble ambition, and a central topic of discussion among the nobility. There proved to be a productive tension betwe…
Date: 2018-11-28

Conversation

(1,141 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. ConceptThe term conversation (from Latin conversari, “to have dealings with”, “to have intercourse with”; literally “to be engaged [in something] together”), adopted into most of the European languages in the 16th century, denotes a ritual that was typical of early modern European scholars: an informal discussion in a small group, the most important purpose of which was to explore the subject in question as thoroughly, elegantly, and entertainingly as possible. Unlike in institutionalized forms of …
Date: 2017-02-14

Bildung

(7,094 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Terminology During the early modern period, the languages of the civilized European world had a wide range of words to express the process of formation designed to transform individuals through education and their own efforts into persons conformed as well as possible to the norms defined by society. From the beginning, the vernacular derivatives of Latin educatio (“education,” German Erziehung), eruditio (“literacy,” German Belesenheit), and scientia (“knowledge," German Wissen) were dominant. The English and French terms formation—a combination of learning and outw…
Date: 2017-02-14

Educational policy

(2,304 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. DefinitionThe term educational policy, which did not come into common use until the 1960s, denotes the sphere of cultural policy that involves the educational system: the efforts of the government (Supreme power) and elite leadership to promote their goals by establishing and favoring institutions of Bildung and instruction and to combat the corresponding institutions of the opposition. In this sense, educational policy was an important area of early modern politics, an essential element in the f…
Date: 2016-09-26

Character

(1,509 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. ConceptAt the beginning of the early modern period, the Greek term charaktḗr (‘stamp’ or ‘engraving’), which Patristic writers includingAugustine had been the first to introduce into literary Latin, had an abstract and technical meaning. As in the writings of Aristotle’s pupil Theophrastus, it denoted both a permanent mark, distinguishing feature, or symbol, and a prevailing moral quality [5]. The combination of the two senses proved so inspiring and fruitful that by the end of the 18th century, ‘character’ had undergone a rapid change of meaning in…
Date: 2017-02-14

Counter-Enlightenment

(1,556 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Concept and problemThe term Counter-Enlightenment is first attested, as a synonym for Romanticism, in an 1877 note by Friedrich Nietzsche (“Der Höhe der Aufklärung entspricht die Höhe der Gegenaufklärung in Schopenhauer und Wagner”; “The peak of enlightenment corresponds to the peak of the Counter-Enlightenment in Schopenhauer and Wagner”) [16. 26]. Isaiah Berlin then introduced it to the international discourse as the Counter-Enlightenment from the 1950s, to denote - not without a philosophical value judgment - opponents of the Enlight…
Date: 2017-02-14

Antiquarianism

(2,191 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Terminology and form Before 1800 the Latin word antiquitates (“antiquities”; French antiquités, German Antiquitäten), made popular by the famous (but fragmentary) antiquarian treatise Antiquitates rerum humanarum et divinarum (“Antiquities of Human and Divine Institutions”) of the Roman scholar Marcus Terentius Varro (116–27 BCE) was used synonymously with archaeology. It referred to written accounts or material remains (such as coins, monuments, works of art, everyday objects) that could provide information about cults…
Date: 2017-02-14

Anglophilia

(976 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Terminology The term  Anglophilia first appeared around 1750. It and the stronger form  Anglomania refer - from a critical distance - to the “(unsophisticated) fondness for England, the English, and all things English” [7. 18] that appeared among the continental elite after 1713 and became a general vogue in the 1730s. Admiration for English politics, economics, philosophy, science, culture, and lifestyle led to wholesale imitation, triggering one of the most momentous transfers of culture in European history.Anglophilia was a concomitant of the Enlightenment an…
Date: 2017-02-14

Ambition

(979 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Terminology Even in its original Latin form,  ambitio was a morally ambivalent concept. Since the time of Cicero, it meant not just the “circulation” of candidates for office to make themselves known to their voters but also a particularly insistent, ruthless pursuit of offices and dignities. After Augustine this attitude stood in almost irreconcilable conflict with the Christian commandment of humility and diffidence. Theologians of all persuasions disapproved of striving after “empty honor” (Luther). For Philipp Melanchthon, eergeizlich—the German word, which came i…
Date: 2017-02-14

Dissimulation

(2,205 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Concept and overviewIn most of the cultural languages of Europe, dissimulation at the beginning of the early modern period was denoted using the Latin terms simulatio and  dissimulatio that had been current since Cicero and that Tacitus, in particular, made his own. While the latter meant concealing one's own views and intentions, the former meant simulating ideas and plans other than those one really had in mind. Although dissimulation, as a form of lying (Lie), was strictly frowned upon - telling the truth was a comm…
Date: 2018-02-14

Egyptology

(1,566 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Theology and languageModern Egyptology was born on September 27, 1822, when Jean-François Champollion (1790-1832) presented his Lettre à M. Dacier to the Paris Académie des inscriptions et belles-lettres. The document provided the basis for the decipherment of the Ancient Egyptian hieroglyphs [8]; [9]. European scholars had begun researching the writing, language, and culture of Ancient Egypt from the 15th century, but they had done so mostly from the perspective of the theological problem of the relationship between Egyptian and…
Date: 2016-09-26

Dame

(1,574 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Concept The term, which came into English in the Middle Ages from the French dame (compare Italian dama/ donna, German Dame), derives from the Latin  domina (“mistress”). Dame in English is generally confined to an honorific title; where derivatives of domina in other languages denote a woman of high social rank or status, English uses “lady” (Old English hlafdige = “[woman] who kneads bread”) as Spanish uses señora. As a courtly title, “Dame” was mostly used in conjunction with the possessive “my” or  ma ( Madame, Madonna, Madam, My Lady/Milady). Domina derivatives denote th…
Date: 2016-09-26

Humanities

(2,002 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Concept and definition The concept and the term came into existence in late-19th century Germany, an outgrowth of the conviction developed within historicism that human will, thought, and activity could not be measured by the inductive methods of natural science and traced back to general rules, but must instead be studied as manifestations of each unique individuality in the specific shape they took. Hence, the Humanities were taken to comprise all academic disciplines (Disciplines, a…
Date: 2018-11-28

History

(4,883 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. OverviewThe urge to know as much as possible about the past of one’s race, clan, class, place of birth, homeland, people - and that of other groups, populations, and cultures too - and to certify and curate this knowledge in the hands of scholarly experts, was common to all learned cultures of the early modern era (Historiography; Historical traditions beyond Europe). This can be seen in the fact that tradition was fundamentally significant in all these cultures as the basis for claims to owne…
Date: 2018-11-28

Curiosity

(1,443 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Problem and conceptThe desire to expand one's knowledge was by no means regarded as a virtue in principle in the early modern period. Rather, there was intensive and passionate debate throughout, from the Middle Ages to the Enlightenment, on how far curiosity (from Latin  curiositas; Italian  curiosità; Spanish  curiosidad; French  curiosité, but German Neugier, literally “craving for the new”) might legitimately go, and at which limits it must cease. This debate, which was conducted in media ranging from sermons and disputations, to disser…
Date: 2017-02-14

Honnête homme, honnête femme

(1,229 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. DefinitionThe term  honnête homme, first attested in 1538, is defined in the  Dictionarium latinogallicum of Robert Estienne as a “cultured courtly gentleman without presumption.” Since the early 17th century, it expressed the quintessence of courtly urbanity, the social model of the new court society of the age of Louis XIV. Unlike related French words such as  courtisan, homme de qualité, homme de bien, homme galant, and  gentilhomme, the  honnête homme (and the  honnête femme) was not socially predefined; he was the classless ideal of an individual who alw…
Date: 2018-11-28

Catholic Enlightenment

(1,184 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Term The concept of Catholic Enlightenment developed in German historiography from the early 20th century, and has since the 1970s established itself as a specialist term [3. 40–53]; [5. 76–85]. In its general and internationally current sense, it denotes all the efforts undertaken within European Catholicism before around 1820 to adapt the ideas and accomplishments of the Enlightenment and to implement them in culture, education, scholarship, economics, and political organization [1]; [6]. In the specific sense widely used in German scholarship, it refers above …
Date: 2017-02-14

Decadence

(1,419 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. ConceptThe idea that empires and cultures, having risen to power and greatness, must necessarily undergo decline, commonplace among ancient historians after Polybius, was revisited and reformulated by the Humanists. Until around 1800, “decadence” (also “decline”; Latin   inclinatio, ruina, depravatio; Italian  decadenza, declino, caduta; French  déclin, décadence; German  Verfall, Dekadenz) was therefore a basic category of political, social, and aesthetic discourse. As a constitutive element of a cyclical view of history, the concept den…
Date: 2018-02-14

Epigraphy

(1,105 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Concept and functionThe term "epigraphy" (from the Greek epigraphḗ; “inscription”) first occurred in German in the 18th century and in French as late as 1838. Yet the recording, collecting, and classifying of ancient inscriptions on stone and metal is among the oldest, most widespread, and most highly regarded forms of early modern antiquarianism and archaeology. The reasons vary. When Friedrich August Wolf declared in 1807 that epigraphy "is not important in terms of beauty of form, but by virtue of …
Date: 2016-09-26

Archaeology

(1,741 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Concept In Antiquity, the Greek term first encountered as archaiología (‘antiquarian lore’) in the Greek historian Dionysius of Halicarnassus (1st century BCE – archaiologeín, ‘to discuss antiquities,’ is already found in Thucydides, 5th century BCE) denoted the sphere of history of which there were no longer living witnesses to give accounts, but that depended entirely on traditions and legends. The Renaissance Latinized the term to archaeologia or  archaeographia, and used it synonymously with antiquitates, i.e. antiquarianism, from which archaeology was indist…
Date: 2017-02-14

Humanism

(10,285 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Introduction Humanism was the most important and influential European educational and cultural movement of the early modern period before the Enlightenment (Bildung). It arose in Italy in the 14th and 15th centuries, and by the mid-16th century it had spread across the entire western world. Its aim was an aesthetic one: the restoration of the literature, arts, and sciences of classical antiquity, especially Roman culture from the period between the 2nd century BCE and the 2nd century CE, which …
Date: 2018-11-28

Barbar

(1,858 words)

Author(s): Grünberger, Hans | Walther, Gerrit
1. Begriff Der schon bei Homer verwendete Begriff wurde seit dem 14. Jh. zu einem zentralen Schlagwort europ. Kulturkritik. Polemisch bezeichnete er jeden, der die Werte, Forderungen und Vertreter humanistischer Bildung ignorierte oder gar aktiv bekämpfte (Humanismus), bzw. jeden, dessen soziale Machtansprüche nicht durch eine entsprechende Aufgeschlossenheit für nzl. Kultur und für urbane Formen gesellschaftlichen Umgangs legitimiert schienen. Besondere polemische Kraft erhielt der Vorwurf, ein B…

Fortschritt

(2,122 words)

Author(s): Sparn, Walter | Walther, Gerrit
1. Begriff Das um 1770 aus dem franz. progrès gebildete Wort »F.« bezeichnet wie dieses und seine Äquivalente (engl. progress, improvement, advancement; ital. progresso) die spezifisch nzl. Auffassung geschichtlicher Bewegung und Veränderung im Unterschied zu älteren Bewegungsbegriffen wie »Weg«, »Wachstum« oder » Entwicklung«. Zwar können auch schon die lat. Wortwurzeln (lat. progressus, profectus, processus) die Veränderung der Dinge hin zum Besseren bedeuten; das an kosmischen Zyklen orientierte Weltbild der Antike, aber auch die christl. Vorst…

Kanon

(2,204 words)

Author(s): Dücker, Burckhard | Walther, Gerrit
1. Begriff Der griech. Begriff kanṓn (ursprgl. »Maßstab« des Handwerkers, »Richtschnur«) besaß in der Antike diverse Bedeutungen, die alle eine generell gültige Norm ausdrückten. In der bildenden Kunst bezeichnete er etwa seit Polyklet (5. Jh. v. Chr.) die Proportionslehre des menschlichen Körpers, in der Musik seit den Pythagoreern (5. Jh. v. Chr.) ein zwölfgeteiltes Messinstrument zur Bestimmung der Intervalle, in der Erkenntnistheorie seit Demokrit (4. Jh. v. Chr.) den Sinn für das Wahre und die Fähigkeit zur Kritik, in der Rhetorik seit Cicero (1. Jh. v. Chr.) ein…

Genealogie

(2,489 words)

Author(s): Walther, Gerrit | Graf, Klaus
1. Begriff und Formen Seit Hekataios von Milet im 6. Jh. v. Chr. genealogíai (»Nachrichten über [adelige] Geschlechter«) sammelte, bezeichnet G. die Kunst, die Stellung eines Subjekts innerhalb seiner biologischen Verwandtschaft (lat. genus bzw. gens) zu ermitteln bzw. die Abfolge der Generationen innerhalb einer Familie zu rekonstruieren und darzustellen. Die genealogische (= gen.) Betrachtung dürfte das weltweit älteste und verbreitetste Verfahren sein, Stand und Rang eines Menschen in der Gesellschaft zu bestimmen bzw. Vergangenheit zu erinnern, zu erzählen, a…

Forschung

(4,213 words)

Author(s): Walther, Gerrit | Gierl, Martin
1. Allgemein 1.1. Begriff Für das Streben, das vorhandene Wissen gezielt zu erweitern, gab es in der Nz. auffällig viele Bezeichnungen. Neben den gebräuchlichen lat. Begriffen explorare (»erkunden«), scrutari (»ergründen«), experiri (»erproben«) und probare (»ausprobieren«) nannten Enzyklopädien des 17. Jh.s etwa lat. aucupari, ( per) contari, requitare, rogitare, ( in) vestigare, quaerere, inquirere, sciscere, ( sci) scitari. Wer dergleichen tat, war ein scrutator, percontator, rimator, ( in) vestigator oder in- bzw. perquisitor. Aus diesen Begriffen entstanden E…

Methode

(1,825 words)

Author(s): Walther, Gerrit | Schliesser, Eric
1. Bedeutung und Begriff Eine M. – ein planmäßiges, standardisiertes Verfahren, Informationen zu gewinnen, zu prüfen und zu einer Wissensordnung zu formieren – ist in allen Wissensgesellschaften ein unabdingbares Moment gelehrter Tätigkeit. Charakteristisch für die Entwicklung der M. im nzl. Europa war ihre fortschreitende Emanzipation von den Inhalten dieses Wissens. Hatte sie anfangs als Lehr- und Beweis-Verfahren von Theorien und Dogmen, Traditionen und Autoritäten gedient, die unabhängig von ihr entstanden und bestanden, rückte sie im Laufe der…

Orden

(2,911 words)

Author(s): Walther, Gerrit | Mertens, Benedikt
1. Begriff und Definition O. (von lat. ordo, das so zentrale polit.-soziale Kategorien wie Ordnung, Stand und Rang [3. 935 f.], im christl. Latein dann »Klerus«, »klösterliche Gemeinschaft« bezeichnete) war in der Nz. ein mehrdeutiger, aber stets hohes Prestige assoziierender Begriff. Allgemein bezeichnete er eine exklusive Gemeinschaft, deren Mitglieder sich unter Führung einer vornehmen oder charismatischen Persönlichkeit verbunden und durch einen Eid gelobt hatten, gemeinsam für bestimmte als fundamental anerkannte Ziele zu wirken. Be…

Subjektivität

(1,609 words)

Author(s): Walther, Gerrit | Christophersen, Alf
1. Allgemein 1.1. Begriff Unter S. (von lat. subiectum, »das Daruntergelegte«; als Terminus der klassischen Rhetorik: »das [einer Aussage] Zugrundeliegende«) versteht man seit dem Ende des 18. Jh.s eine philosophische Einstellung oder Haltung, die Welt und Wirklichkeit nicht als etwas objektiv Gegebenes ansieht, sondern als eine Vorstellung bzw. Schöpfung des sie wahrnehmenden Subjekts. Dieser Akzent auf der Wahrnehmung unterschied S. von Anfang an von ähnlichen Kategorien wie dem Charakter (als Wesensart und sittliche Beschaffenheit eines Subjekts; Tugend) oder der Ind…
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